Klimaschutzabkommen Kanadas Kyoto-Wende erzürnt China

Kanadas Abschied aus dem Kyoto-Protokoll sorgt für Entrüstung: Die Opposition beschimpft den Umweltminister als kindisch. China, der größte CO2-Verursacher, fordert ein Umdenken. Deutschland ist von dem Schritt nicht überrascht. Ziehen sich nun weitere Staaten aus dem Vertrag zurück?

CO2-Emissionen in China: Rückzug von Kanada sei bedauerlich
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CO2-Emissionen in China: Rückzug von Kanada sei bedauerlich


Hamburg - Es ist eine Premiere der unangenehmen Art: Erstmals in der langjährigen Geschichte des internationalen Klimaschutzes hat ein Land seinen Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll angekündigt. Kanadas Umweltminister Peter Kent sagte am Montag kurz nach dem Ende der Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban, sein Land werde von dem Recht Gebrauch machen, vorzeitig aus dem 1997 in Japan vereinbarten Protokoll auszusteigen."Das Kyoto-Protokoll umfasst nicht die beiden größten Emittenten, die USA und China, und kann somit nicht funktionieren", sagte Umweltminister Peter Kent am Montag kurz nach dem Ende des Weltklimagipfels in Durban.

Die Reaktionen aus dem Land der Mitte folgen prompt: Der Schritt laufe den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zuwider, sagte Außenamtssprecher Liu Weimin am Dienstag. "Wir hoffen, dass Kanada sich seinen Verpflichtungen stellt und konstruktive Haltung zu seiner Teilnahme an der internationalen Zusammenarbeit gegen den Klimawandel einnimmt."

China ist weltweit der größte Kohlendioxid-Emittent, besteht aber darauf, als Entwicklungsland von verbindlichen Verschmutzungsbegrenzungen ausgenommen zu werden.

Auch im eigenen Land gab es Protest: Die Abgeordnete der oppositionellen Neuen Demokraten, Megan Leslie, erklärte, Ministerpräsident Stephen Harper verhalte sich wie ein Kind, das wisse, dass es die Klasse nicht schaffe und deshalb dann lieber vorzeitig die Schule verlasse. Die Umweltgruppe Climate Action Network Canada nannte den Schritt "einen Schlag ins Gesicht der internationalen Gemeinschaft" und völlig unverantwortlich.

Das Bundesumweltministerium hat sich vom Ausstieg Kanadas aus dem Kyoto-Protokoll allerdings nicht überrascht gezeigt. Der Ausstieg des Landes sei "schon lange angekündigt" gewesen, erklärte eine Ministeriumssprecherin am Dienstag in Berlin. "Deshalb hat die EU ja vor der Konferenz von Durban immer erklärt, dass das Kyoto-Protokoll ohne Kanada, Russland und Japan nur noch rund 15 Prozent der Emissionen umfasst", erklärte die Sprecherin.

Früher Ausstieg möglich

Kanada ist das erste Land, das das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und sich vorzeitig aus dem Abkommen zurückzieht. Mit seinem Ausstieg umgeht das Land Strafzahlungen in Milliardenhöhe für nicht eingehaltene Klimaziele.

Das Kyoto-Protokoll ermöglicht es Staaten, frühzeitig aus dem Vertrag auszusteigen - und zwar ein Jahr, nachdem sie den Austritt angekündigt haben. Nach Angaben des kanadischen Umweltministers Peter Kent spart Kanada nun 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) an Strafzahlungen für das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele.

Um die Kyoto-Ziele 2012 zu erreichen, hätte Kanada entweder jedes Fahrzeug von der Straße nehmen oder den gesamten Landwirtschaftssektor schließen und die Heizung jedes Gebäudes in Kanada kappen müssen, sagte der Minister. Kanada produziere kaum zwei Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Die Regierung der Liberalen habe Kyoto damals unterzeichnet, aber nie beabsichtigt, dessen Ziele wirklich zu erreichen. Bereits im Sommer 2010 hatte das Land seine Klimaschutzziele deutlich heruntergeschraubt.

Das Kyoto-Protokoll ist das bisher wichtigste internationale Instrument zum Klimaschutz. Auf der Weltklimakonferenz im japanischen Kyoto 1997 hatten sich die 160 Vertragsstaaten auf dieses Abschlussprotokoll mit völkerrechtlich verbindlichen Vorgaben geeinigt. Sie verpflichteten sich, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen von 2008 bis 2012 um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. 2012 läuft das Abkommen aus.

Von minus acht bis plus zehn Prozent reichten die Vorgaben für die einzelnen Länder. Kanada sollte den Ausstoß der sechs Treibhausgase um sechs Prozent mindern - so wie auch Japan, Polen und Ungarn. Auch Wälder und Böden durften dabei in bestimmten Grenzen als Klimaschutzbeitrag einberechnet werden, da sie Kohlenstoff speichern. Vor allem waldreiche Länder wie Kanada und Russland profitierten von dieser Möglichkeit.

In Kraft trat das Protokoll 2005 einige Wochen nach dem offiziellen Beitritt Russlands. Um das Vertragswerk in Kraft zu setzen, mussten ihm 55 Staaten beigetreten sein, auf die mindestens 55 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes der Industrieländer von 1990 entfielen. Die USA haben es nie ratifiziert.

Kent erklärte jedoch, dass die Vereinbarung von Durban für ein neues Protokoll mit verbindlichen Zielen für alle Länder ab 2020 der richtige Weg für die Zukunft sei: "Es erlaubt uns, weiter Stellen zu schaffen und Wachstum in Kanada zu fördern." Kanada fühle sich dem Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet, solange er für alle Länder gerecht sei. Er wäre nicht überrascht, wenn andere Länder sich ebenfalls aus dem Kyoto-Protokoll zurückzögen, sagte Kent.

Kanada, Japan und Russland hatten bereits im vergangenen Jahr angekündigt, einer Verlängerung des Abkommens nicht zustimmen zu wollen. Dass Kanada jetzt aber sogar vorzeitig austritt, ist ein weiterer Schlag für das Abkommen, dass 1997 mit großen Hoffnungen verabschiedet wurde.

wbr/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 237 Beiträge
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Seite 1
sichersurfen 13.12.2011
1. Klimaziele erreicht
Zitat von sysopKanadas Abschied aus dem Kyoto-Protokoll sorgt für Entrüstung:*Die Opposition beschimpft den Umweltminister als kindisch. China, der größte CO2-Verursacher, fordert ein Umdenken. Deutschland ist von dem Schritt nicht überrascht. Ziehen sich nun weitere Staaten aus dem Vertrag zurück? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803367,00.html
Völlig logischer Schritt. Kanada hat offenbar erkannt, daß die Klimaziele erreicht sind. Die Temperaturen steigen seit 1998 nicht mehr an.
FreieWelt 13.12.2011
2.
Zitat von sichersurfenVöllig logischer Schritt. Kanada hat offenbar erkannt, daß die Klimaziele erreicht sind. Die Temperaturen steigen seit 1998 nicht mehr an.
Kyoto hat noch nie, tut und es jetzt nicht und wird auch in Zukunft nie funktionieren.
maschinchen 13.12.2011
3. Interessant
Zitat von sichersurfenVöllig logischer Schritt. Kanada hat offenbar erkannt, daß die Klimaziele erreicht sind. Die Temperaturen steigen seit 1998 nicht mehr an.
Wie Skeptiker die globale Erwärmung sehen: http://www.skepticalscience.com/pics/SkepticsvRealistsv3.gif
Stelzi 13.12.2011
4. Lass stecken..
Zitat von sichersurfenVöllig logischer Schritt. Kanada hat offenbar erkannt, daß die Klimaziele erreicht sind. Die Temperaturen steigen seit 1998 nicht mehr an.
Solche Räuberpistolen solltest du stecken lassen und stattdessen mal den Artikel lesen...
alterkaufmann 13.12.2011
5. Logischer Schritt
Zitat von sysopKanadas Abschied aus dem Kyoto-Protokoll sorgt für Entrüstung:*Die Opposition beschimpft den Umweltminister als kindisch. China, der größte CO2-Verursacher, fordert ein Umdenken. Deutschland ist von dem Schritt nicht überrascht. Ziehen sich nun weitere Staaten aus dem Vertrag zurück? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803367,00.html
Die Kanadier sagen sich mit Recht, warum sollen wir Strafe bezahlen für das, was die USA und China umsonst tun dürfen.
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