Finale Version Der deutsche Plan zum Klimaschutz

Er soll Deutschlands Beitrag zur Eindämmung der Klimaerwärmung sein: Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung steht offenbar kurz vor dem Abschluss.


Der Klimaschutzplan der Bundesregierung soll bis zur nächsten Uno-Klimakonferenz in knapp sechs Wochen stehen. "Unser Ziel ist, den Klimaschutzplan vor dem Klimagipfel in Marrakesch zu verabschieden", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter am Dienstag in Berlin.

Mit dem Klimaschutzplan 2050 würde Deutschland als eines der ersten Länder eine langfristige Strategie zur Minderung des Treibhausgasausstoßes vorlegen, ergänzte sie. Der derzeit diskutierte Plan der Bundesregierung müsse dazu beitragen, weltweit "Treibhausneutralität in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts" zu erreichen.

Die Staatministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer (CDU), versicherte, die Bundesregierung arbeite derzeit "mit Hochdruck und Nachdruck" an der Umsetzung der Ziele des globalen Klimaschutzabkommens, das vergangenes Jahr bei der Uno-Klimakonferenz in Paris beschlossen worden war. Von "zentraler Bedeutung" sei dabei der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung.

Protest der Umweltorganisationen

Die Vorlage von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für den Klimaschutzplan 2050 befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung der Bundesregierung. Der ursprüngliche Entwurf von Hendricks war auf Druck anderer Ministerien bereits verändert worden.

Einige große Umweltschutzorganisationen, darunter Greenpeace und WWF, hatten daher am Montag angekündigt, die für Dienstag angesetzte Verbändeanhörung zu dem Plan zu boykottieren. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) kritisierten sie, der Text setze weder ehrgeizige Ziele noch sehe er starke Maßnahmen vor.

Der Welt-Klimavertrag ist das erste Abkommen, in dem alle Staaten eigene Beiträge im Kampf gegen die Erderwärmung zusagen. Diese soll auf "deutlich unter zwei Grad" begrenzt werden, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.

Prüfungen alle fünf Jahre

Da die bislang vorliegenden nationalen Emissionsziele zum Erreichen dieser Ziele nicht ausreichen, sollen sie ab 2023 alle fünf Jahre überprüft werden. Laut einer ebenfalls beschlossenen ergänzenden Entschließung soll es zudem bereits 2018 eine erste informelle Bestandsaufnahme geben.

In der zweiten Jahrhunderthälfte soll die Menge an Treibhausgasen in der Luft nicht weiter steigen. Festgeschrieben wird auch das Versprechen der Industriestaaten, den Ländern des Südens jedes Jahr hundert Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung an Umweltveränderungen zur Verfügung zu stellen.

Alle Staaten, die den Klimavertrag ratifiziert haben, müssten jedoch noch Taten folgen lassen, um die Vorgaben umzusetzen - also in ihren Ländern dafür sorgen, dass tatsächlich weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. In Deutschland soll der Klimaschutzplan 2050 dazu dienen.

boj/AFP

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karljosef 27.09.2016
1. Speziell in Deutschland werden sehr große, sehr starke, sehr umweltverschmutzende PKWs gebaut?
Speziell in Deutschland ist nicht nur der ÖPNV sehr teuer? Nicht nur in Deutschland sind Flüge sehr billig, teilweise billger als die Bahn? Herzliche Grüße an Dobrindt und unsere Klimakanzlerin!
Planetenauswanderer 27.09.2016
2.
Deutlich unter 2°? Möglichst auf 1,5°? Hab ich nicht irgendwie (wahrscheinlich hier) mal gelesen, dass dieses Ziel schon ins Reich der Märchen entschwunden ist, sprich nicht mehr erreichbar? Wie dem auch sei und egal wieviele Probleme und Paradoxa der Politik es generell und auch in Deutschland gibt - das ist und bleibt mal ein starkes Signal, mehr als die vielen Klimagipfel und -konferenzen bislang je gebracht haben. Was rauskommt bleibt noch abzuwarten, aber dass überhaupt mal irgendeine Einigung so vieler Länder zustandegekommen ist, ist schon mal Grund zur Hoffnung.
jamguy 27.09.2016
3. Sie müssen mal reden
Noch nie hat aber Jemand erzählt wie schädlich Ol fürs Klima ist den vermutlich schlimmer als FCKW?
tin-pot 27.09.2016
4. On the road to nowhere ...
»Deutlich unter 2°? Möglichst auf 1,5°? Hab ich nicht irgendwie (wahrscheinlich hier) mal gelesen, dass dieses Ziel schon ins Reich der Märchen entschwunden ist, sprich nicht mehr erreichbar?« Unerreichbar wohl nicht, aber auch nicht gerade wahrscheinlich. Wenn die bisher eingegangenen Zusagen (INDCs) eingehalten werden (wie wahrscheinlich das ist, mag jeder selbst beurteilen), sind wir auf einem Pfad, der mit über 90% Wahrscheinlichkeit die 2°C Erwärmung überschreitet, und mit (nur) 66% Wahrscheinlichkeit in diesem Jahrhundert unter 3°C bleibt- vielmehr eher in der Gegend von 2,7°C landet. Dieser Pfad weist2100 immerhin noch etwa 35GtCO2eq jährliche Emissionen auf - ein Level, das auf demjenigen Pfad schon um2030(!) herum unterschritten werden müsste, der mit einiger Sicherheit (also mehr als 66% Wahrscheinlichkeit) unter 2°C zum Ende des Jahrhunderts führt. Ein Wert, der vor fünf Jahren bereits eher als Grenze zwischen "gefährlicher Klimaänderung" und "extrem gefährlicher Klimaänderung" gesehen wurde: http://rsta.royalsocietypublishing.org/content/369/1934/20 Wie die Geschichte mit 1,5°C aussieht, mag man selber nachsehen: http://climateactiontracker.org/global.html "Et hät noch immer joot jegange!" ;-)
Robert M 28.09.2016
5. Vorschläge:
Also wenn es denn so ist, dass die 10 größten Containerschiffe so viel Abgas ausstossen wie ALLE AUTOS auf der Welt zusammen, dann.... 1. Alle Schiffsmotoren besteuern, Anfangen bei Kreuzfahrt und Handelsschiffahrt - Zufahrten zu Nord & Ostsee und naürlich Mittelmeer nur noch mit 'sauberen', versteuerten Schiffen. 2. Wenn ich sehe was sich auf Berliner und anderen Gewässern sich so an Freizeitkapitänen tummelt; da können es auch nicht genug PS sein. Ergo alle diese Boote und Schiffe nach Motor (Hubraum, PS, Verbrauch und Sauberkeit) besteuern. 3. Klar ist es prima für 19,- nach London zu jetten >> Muss aber nicht sein, kann ruhig auch 58,- kosten. Also Flugverkehr besteuern, wer nicht mitmacht darf nicht mehr in der EU landen. Aber es ist viel leichter den kleinen Autofahrern in die Tasche zu greifen als die größten (sagen wir 1000) Handelsschiffe auf's Korn zu nehmen. Und gar das Gejammer der 250.000€ Freizeitkapitäne wenn Sie denn mal noch 500,- Steuern im Jahr zahlen müssten....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.