Klimawandel am Pol Russland bekräftigt Anspruch auf Arktis-Rohstoffe

Kreml-Chef Dmitrij Medwedew hat den Anspruch Russlands auf die gewaltigen Rohstoffvorkommen in der Arktis bekräftigt - und vor einer deutlichen Verschärfung der Rivalität um das Gebiet gewarnt.

Russlands Staatschef Medwedew: "Richtungsweisende Grundsatzentscheidung"
dpa

Russlands Staatschef Medwedew: "Richtungsweisende Grundsatzentscheidung"


Moskau - Die Arktis verändert sich mit einer Geschwindigkeit, die selbst Experten verblüfft. Staaten rund um den Pol, aber auch China und die Europäische Union wollen davon profitieren. Nun hat Russland den Wettbewerbern ein Zeichen der Stärke geschickt.

Die Folgen des Klimawandels würden den Streit um Zugang zur Polarregion vermutlich weiter anfachen, sagte Russlands Präsident Dmitrij Medwedew vor dem Sicherheitsrat in Moskau. Das Gremium hatte vor einem Jahr den "aktiven Schutz der russischen Interessen in der Arktis" in einem Strategiepapier als "richtungsweisende Grundsatzentscheidung" bezeichnet.

Sein Land wolle im zunehmendem Wettbewerb seinen Anspruch auf die Rohstoffvorkommen in der Arktis verteidigen, sagte Medwedew. Andere Staaten hätten "aktive Schritte unternommen", um ihre Forschungsarbeit sowie die wirtschaftliche und militärische Präsenz in der Arktis zu verstärken. Außerdem gebe es bereits Versuche, den Zugang Moskaus einzuschränken. Das sei angesichts der geografischen Lage Russlands unfair und aus juristischem Blickwinkel "absolut unzulässig", so der Präsident.

Ein bestimmtes Land nannte Medwedew nicht. Neben den Russen haben Kanada, Dänemark und Norwegen Ansprüche auf die Arktis angemeldet, reiche Vorkommen an Öl und Gas vermutet werden. Die USA als weiterer Polar-Anrainer können im Moment noch keine zusätzlichen Meeresgebiete beanspruchen, weil die Regierung ein dafür nötiges Uno-Abkommen noch nicht unterschrieben hat. Dennoch bereitet Washington eine Landforderung vor. Die Arktisstaaten hatten sich 2008 gegenseitig eine friedliche Lösung möglicher Territorialstreitigkeiten versprochen.

Die Staaten, die große Teile des arktischen Meeresbodens für sich beanspruchen, argumentieren, dass es sich dabei um Verlängerungen ihrer jeweiligen Kontinentalschelfs handle. Im Jahr 2007 setzte eine russische Expedition eine Flagge auf dem Meeresboden am Nordpol ab. In einem Strategiepapier, das Medwedew ein Jahr später unterzeichnete, heißt es, die Polarregion müsse bis 2020 zum wichtigsten strategischen Ressourcen-Fundament Russlands werden.

Bis 2011 sollen demnach geologische Studien abgeschlossen sein, die Moskaus Anspruch auf die dortigen Rohstoffe untermauern. Die Regierung legte ihre Ansprüche bereits 2001 bei den Vereinten Nationen vor, der Antrag wurde wegen fehlender Beweise aber vorerst zurückgestellt. Insgesamt ging es um 1,2 Millionen Quadratkilometer Meeresboden einschließlich des Nordpols.

Nach Schätzung von US-Geologen lagern im nördlichen Polargebiet etwa 25 Prozent der bislang unentdeckten Öl- und Gasvorkommen. Außerdem sollen dort enorme Reserven an Gold, Silber, Eisen, Kohle und Zink schlummern.

chs/dpa/apn



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