Nahender Kipppunkt Schmelzen der Antarktis-Gletscher nimmt gefährlich zu

Schwinden die Gletscher am Südpol noch weiter, lässt sich der Anstieg des Meeresspiegels wohl nicht mehr aufhalten. Besonders große Sorgen bereitet Forschern ein Exemplar von der Größe Floridas.

Teil des Thwaites-Gletschers: Kollaps in 200 bis 600 Jahren
OIB Jeremy Harbeck/ NASA

Teil des Thwaites-Gletschers: Kollaps in 200 bis 600 Jahren

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Das Eis am Südpol schmilzt immer schneller. Bereits Anfang des Monats zeigte eine Studie: Das Meereis der Antarktis erreichte 2017 die geringste Ausdehnung seit 40 Jahren. Nun haben Forscher Gletscher auf dem Kontinent untersucht und kommen zu einem ähnlich düsteren Ergebnis.

Besonders problematisch dabei: Taut das Eis auf dem antarktischen Festland und fließt ins Meer, steigt der Meeresspiegel an. Die Gletscher der Antarktis spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie stabilisieren große Eismassen auf dem Kontinent.

Über Jahrzehnte hinweg hat das Team um Alexander Robel vom Georgia Institute of Technology fünf Antarktis-Gletscher genauer beobachtet. Das Ergebnis: Sie verlieren heute fünfmal so schnell Eis wie noch im Jahr 1990 , schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Setze sich der Trend fort, würden die Gletscher einen Kipppunkt erreichen, an dem sie nicht mehr zu retten seien, selbst wenn der globale Temperaturanstieg gebremst werde. Besonders große Sorgen macht den Forschern der gewaltige Thwaites-Gletscher im Westen des antarktischen Kontinents, der ungefähr so groß ist wie der US-Bundesstaat Florida.

Gletscher könnte den Meeresspiegel um einen halben Meter anheben

Wenn der Gletscher instabil werde, könne er innerhalb von 150 Jahren all sein Eis verlieren, erklärt Helene Seroussi von der Nasa, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Der Meeresspiegel würde dann um einen halben Meter ansteigen. Zum Vergleich: Derzeit liegt er 20 Zentimeter höher als vor der Industrialisierung.

Thwaites-Gletscher: Schwindet er, fließen gewaltige Eismassen vom Festland ins Meer
James Yungel/ NASA

Thwaites-Gletscher: Schwindet er, fließen gewaltige Eismassen vom Festland ins Meer

"Hat der Gletscher den Kipppunkt einmal erreicht, braucht man nicht mehr zu versuchen, die Eisdecke zu retten", ergänzt Robel. "Der Gletscher wird sich dann so oder so auflösen." Mit weltweiten Klimaschutzmaßnahmen könnte man dann höchstens noch die Geschwindigkeit abmildern, mit der das Eis ins Meer fließt.

Wann der Thwaites-Gletscher seine Stabilität verlieren wird, ist allerdings unklar. Die Forscher haben die Gletscherschmelze in 500 verschiedenen Modellen über bis zu 800 Jahre simuliert und kamen auf immer andere Werte. Nach der Analyse gehen sie davon aus, dass dem Gletscher noch 200 bis 600 Jahre bleiben.

Bereits Ende Januar hatten Forscher einen gigantischen Hohlraum im Thwaites-Gletscher entdeckt. Damals verwiesen die Wissenschaftler darauf, dass dem Gletscher eine wichtige Stützfunktion zukommt: Er ist ein Bollwerk gegen weitere Landeismassen, die nicht ins Meer rutschen können, solange Thwaites stabil ist. Würden diese bei einem Verschwinden des Gletschers nachrutschen, würde das den Meeresspiegel laut Nasa um 2,4 Meter anheben.

Am Südpol gibt es ungefähr acht Mal mehr Eis als in der Arktis und fünfzig Mal mehr als auf allen Berggletschern weltweit. Würde das Eis der Westantarktis, wo auch der Thwaites-Gletscher liegt, komplett abschmelzen, wäre ein Meeresspiegelanstieg von sogar fünf Metern die Folge.

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