Klimawandel Blair warnt Politiker vor Folgen des Nichtstuns

Tony Blair liest seinen Kollegen in Sachen Klimaschutz die Leviten: Die Welt könne einen hohen Preis für die Inaktivität bezahlen, sagte der britische Ex-Premierminister. Trotz der Unsicherheiten der Klimaprognosen müssten die CO2-Emissionen gesenkt werden.

Tony Blair: "Ich hatte niemals absolute Gewissheit"
AFP

Tony Blair: "Ich hatte niemals absolute Gewissheit"


Auf dem Klimagipfel von Kopenhagen sollte der Kampf gegen die Erderwärmung zur Chefsache werden. Doch die eingeflogenen Regierungschefs und Präsidenten konnten sich nicht auf verbindliche Ziele einigen - die Konferenz endete praktisch ergebnislos. Wer wie viel CO2 weniger ausstoßen soll, darüber konnten sie die Gipfelteilnehmer nicht einigen. Ein geheimer Tonmitschnitt, der dem SPIEGEL vorliegt, zeigt im Detail, wie der Klimagipfel in einem Fiasko endete.

Nun greift Tony Blair, der britische Ex-Premier, seine Kollegen scharf an. Man dürfe nicht warten, bis sich das Klima dramatisch verändere. Handeln sei jetzt nötig, ansonsten könne die Menschheit einen hohen Preis für ihre Inaktivität zahlen, warnte er in einem Radiointerview mit BBC 4.

Die Gefahren, die drohten, wenn man nichts tue, seien so groß, dass man handeln müsse, sagte Blair. Der ehemalige Premierminister räumte ein, dass es schon immer schwierig gewesen sei, die Unsicherheiten der Klimaforschung zu erklären. Man könne kaum sagen, um welchen exakten Wert sich die Temperatur erhöhen werde und wie hoch die maximal möglichen Emissionen seien.

Blair erklärte, er habe sich in seiner Zeit als Premierminister von dem Präsidenten der Royal Society, Lord May, und dem Chefwissenschaftler der Regierung, David King, beraten lassen. "Sie haben klipp und klar gesagt, dass Unsicherheiten bestehen", sagte Blair. Die Forscher hätten jedoch zugleich gesagt, dass der Ausstoß von Treibhausgasen ein ernstes Problem sei und dass man weltweit handeln müsse, um es zu lösen.

"Wir brauchen keine endgültige Gewissheit, um zu handeln", sagte Blair in dem Radiointerview. Es reiche, wenn der Klimawandel wahrscheinlich sei. "Wenn wir 2030 oder 2040 feststellen, dass man das Problem hätte angehen müssen, dann würden wir einen hohen Preis bezahlen."

Nach dem gescheiterten Gipfel in Kopenhagen richten sich die Hoffnungen nun auf Cancún. Dort findet im Dezember die nächste Klimakonferenz statt. Doch die Vorzeichen sind nicht gut. Eine fünftägige Uno-Klimakonferenz Anfang August in Bonn brachte keine Fortschritte. Eigentlich hätte zumindest ein Minimalkompromiss für den Weltklimagipfel in Cancún ausgehandelt werden sollen. Doch am Ende gab es nur frustrierte Diplomaten.

hda

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