Erderhitzung Bundesregierung warnt vor Verlust von Fischgründen in den Tropen

Eine bislang wenig beachtete Folge des Klimawandels: Wo es dem Fisch zu warm wird, zieht er weiter gen Norden. Leidtragende sind die Menschen in den Tropen, die eine wichtige Nahrungsquelle verlieren.

Fischer vor der Küste von Senegal (Archivfoto)
Nic Bothma/EPA-EFE/REX

Fischer vor der Küste von Senegal (Archivfoto)


Die Bundesregierung warnt vor den Auswirkungen des Klimawandels auf Fischpopulationen in den Tropen und damit auf die Nahrungsgrundlage der dort lebenden Menschen. "Es ist davon auszugehen, dass Fischpopulationen in Richtung der Pole wandern, so dass in den Tropen mit dem lokalen Aussterben von Arten zu rechnen ist", heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Diese "Verschiebung der Artenverteilung" gefährde die Existenzgrundlage der Bevölkerung dort, heißt es in der Antwort weiter. Verwiesen wird auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach die Erwärmung "weiterhin eine massive Korallenbleiche mit hohen Sterblichkeitsraten bis hin zum Aussterben" verursachen werde. Der bereits seit Jahrzehnten zu beobachtende Rückgang der Korallen habe sich durch eine höhere Wassertemperatur und die fortschreitende Versauerung der Ozeane weiter beschleunigt.

Australien beispielsweise hat den Bedrohungsstatus des Great Barrier Reefs im vergangenen Sommer erstmals von "schlecht" auf "sehr schlecht" heraufgestuft. Das einzigartige Riff ist schon seit Jahren bedroht. Zuletzt hatten Experten herausgefunden, dass allein 2016 knapp ein Drittel aller Korallen vor der Nordostküste des australischen Bundesstaates Queensland gestorben waren. Das Great Barrier Reef beherbergt etwa 400 Korallenarten, 1500 Fischarten und Tausende Weichtierarten. Viele Arten sind bedroht.

Der drohende Verlust solcher Korallenriffe "führt zu drastischen ökologischen und sozialen Konsequenzen weltweit", erklärte dazu die Grünen-Naturschutzexpertin Steffi Lemke. "Millionen von Menschen drohen überlebenswichtige Nahrungsquellen zu verlieren und die artenreichsten Ökosysteme unserer Meere werden unwiederbringlich zerstört", warnte sie weiter.

Lemke verwies auf Analysen der Organisation Brot für die Welt, wonach Fischgründe für fast eine Milliarde Menschen Einkommen bieten und für 2,5 Milliarden Menschen einen wichtigen Beitrag zur Deckung ihres täglichen Bedarfs an Eiweiß leisten. Die Grünen-Politikerin warf in diesem Zusammenhang der Bundesregierung vor, nur unzureichend gegen den Klimawandel vorzugehen. Besonders drängte Lemke auf eine Umsetzung von Kohleausstieg und Verkehrswende.

Nach langem Streit hatte die Regierungskoalition am Freitag mit den Stimmen von Union und SPD ein Klimaschutzgesetz verabschiedet. Die Oppositionsfraktionen im Bundestag lehnten die Vorlage, die Emissionsvorgaben für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche enthält, dagegen ab. Die Grünen nannten das Gesetz bestenfalls unzureichend und an vielen Stellen kontraproduktiv. "Sie sind an der Menschheitsaufgabe Klimaschutz gescheitert", kritisierte Fraktionschef Anton Hofreiter die Große Koalition.

oka/AFP



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Seite 1
mha1982 16.11.2019
1. Vielleicht...
... wäre da ein vernünftiges Klimapaket die Antwort und nicht dieses Larifari-Getue wie in den letzten Wochen. Noch habt ihr eine Mehrheit, liebe GroKo. Nutzt sie, bevor sie weg ist...
salomon17 16.11.2019
2. Schlimm genug, ...
dass man dieses Problem nur unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt betrachtet. Jeder, der schon mal an einem Riff getaucht ist, wird verstehen, was ich meine.
tinnytim 16.11.2019
3.
Zitat von mha1982... wäre da ein vernünftiges Klimapaket die Antwort und nicht dieses Larifari-Getue wie in den letzten Wochen. Noch habt ihr eine Mehrheit, liebe GroKo. Nutzt sie, bevor sie weg ist...
Ich bin mir leider einigermaßen sicher, dass nicht unerhebliche Teile unserer Regierung noch nicht verstanden haben, dass der Klimawandel schon sehr bald nicht mehr linear weiter gehen wird sondern die durchschnittliche Temperatur und die Anzahl und Stärke der Wetterextreme demnächst progressiv verlaufen werden. Von unserer tollen schwarzen Null und unserer hervorragenden Bonität, die wir gerade götzengleich anbeten, werden wir uns dann auch nichts mehr kaufen können, weil dann längst die ersten Kipppunkte gerissen sein werden und selbst Emissionen, die gegen Null gehen, das System nicht mehr schnell genug ausgeln werden können.
MichaelundNilma 16.11.2019
4. In Zusammenhängen denken lernen
Was das Leben auf der Erde anbelangt, so wird es schneller ungemütlich als wir uns eingestehen wollen. Die Bundesregierung warnt vor den Auswirkungen des Weltklimas auf die Fischpopulation und läßt außen vor, daß die Regierungen vieler, besonders afrikanischer Staaten, Fischgründe vor ihren Küsten an andere Nationen verkaufen und damit den Zugang der eigenen Bevölkerung zu benötigten Nahrungsquellen jetzt schon vorenthält. Das Gleiche gilt für landwirtschaftliche Flächen. Dynamitfischerei, besonders in Asien zerstört Korallen und Fischgründe. Zugleich findet eine Überfischung durch Raubfischerei statt, der ca. ein Drittel aller Fänge zum Opfer fallen. Auch Touristenströme zerstören oftmals wertvolle Ressourcen durch Hobbytaucher, Küstenbebauung und ungeklärte Abwässer. Dies alles kann und muß die Staatengemeinschaft sofort abstellen, was aber mangels Einsicht vieler Staatenlenker eine Hercules Aufgabe sein dürfte. Ein Hebel wäre das die EU und USA Nahrungsmittellieferungen in Hungergebiete von der Kooperationsbereitschaft betroffener Länder abhängig machen. Verschärft wird der Mangel an Fisch durch das ungebremste Bevölkerungswachstum. Bis 2040 sollen in Afrika doppelt so viele Menschen leben wie derzeit. Der Klimawandel ist nur noch schwer aufzuhalten. In beiden Fällen bedarf es dramatischer Eingriffe aller Regierungen, ähnlich wie die "Einkind" Politik Chinas.
Duffy73 16.11.2019
5.
unsere Bundesregierung warnt also vor dem Klimawandel. Und wenn es darum geht, sinnvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen, dann halten sie sich dezent zurück. Heuchlerischer geht's fast nicht...
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