Klimawandel Der Mensch verändert auch den Luftdruck

Nicht nur am Thermometer, auch am Barometer lässt sich der Klimawandel ablesen. Forscher wollen erstmals einen womöglich folgenreichen Einfluss des Menschen auf den Luftdruck nachgewiesen haben.


Dürre in Sizilien: Klimawandel durch veränderten Luftdruck?
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Dürre in Sizilien: Klimawandel durch veränderten Luftdruck?

Vom Menschen freigesetzte Treibhausgase lassen nicht nur die Temperaturen steigen, sie beeinflussen das weltweite Klima zusätzlich noch auf einem anderen Weg. Kanadische und britische Wissenschaftler haben den menschlichen Einfluss jetzt auch aus Daten zum Luftdruck aus den vergangenen fünf Jahrzehnten herausgelesen.

Die Schwankungen auf dem Barometer, die in bisherigen Klimamodellen nicht genügend berücksichtigt worden seien, könnten nach Ansicht der Forscher die Luftzirkulation empfindlich stören und so zu regionalen Veränderungen des Klimas auch in Europa führen. Seine Studie präsentiert das Team um Nathan Gillet von der kanadischen University of Victoria in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachmagazins "Nature".

Gillet und seine Kollegen hatten Messungen des Winterluftdrucks auf Höhe des Meeresspiegels ausgewertet, die von 1948 bis 1998 reichten. Mit Hilfe dieser Daten und vier Klimamodellen stellten die Forscher fest, dass der Luftdruck über den Polregionen und dem Nordpazifik in den letzten Jahrzehnten gesunken ist. Über Südeuropa, Nordafrika und dem subtropischen Nordatlantik hat er hingegen zugenommen.

Die beobachteten Luftdruckveränderungen waren dabei, so die Forscher, deutlich ausgeprägter als die Ergebnisse von Klimasimulationen. Das Team um Gillet vermutet deshalb, dass die bisherigen Modelle diesen Effekt unterschätzen - und damit möglicherweise auch die Auswirkungen der vom Menschen freigesetzten Treibhausgase auf das Weltklima.

Denn mit den Schwankungen des Luftdrucks ändert sich auch die Luftzirkulation und somit die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. Für das europäische Klima könnte das gravierende Folgen haben: Hier sorgen Störungen des wetterbestimmenden atmosphärischen Phänomens, der Nordatlantischen Oszillation, vermutlich bereits für stärkere Regenfälle in Schottland und einen Niederschlagsrückgang in Spanien. Nach Ansicht der Forscher könnten diese Auswirkungen jedoch noch stärker ausfallen als von den Modellen vorhergesagt.



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