Klimaforschung Rätsel um stockende Erwärmung

Eine unerwartete Entwicklung beschäftigt Klimaforscher: Die Luft hat sich anscheinend seit 16 Jahren nicht weiter erwärmt. Offenbar überdecken natürliche Phänomene die zunehmende Wirkung der Treibhausgase. Was geht vor?

Gewitter über Florida: Unruhige Zeiten in der Klimaforschung
Corbis

Gewitter über Florida: Unruhige Zeiten in der Klimaforschung

Von


Für die Klimaforschung war 2013 kein gutes Jahr, die Temperaturentwicklung sorgte für Verwirrung: Seit 16 Jahren scheint sich die bodennahe Luft nicht weiter erwärmt zu haben, trotz des ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen - Computermodelle hatten die Pause nicht vorhergesehen. Nur drei von 114 Klimasimulationen könnten den Trend der letzten 15 Jahre wiedergeben, bilanzierte der Uno-Klimarat IPCC im September in seinem fünften Sachstandsbericht. Der Grund für diese Abweichung zwischen Modellen und Beobachtungen sei unklar.

Skeptiker erklärten Vorhersagen einer gefährlichen Erwärmung für die nächsten Jahrzehnten damit für erledigt. Solch grundsätzliche Zweifel jedoch erscheinen angesichts einer Vielzahl plausibler Erklärungen für die unerwartete Entwicklung voreilig. Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Messungen; auch 2013 wird vermutlich in den Top 10 der wärmsten Jahre landen.

Mögliche Ursachen

Das Stagnieren der Bodentemperatur lasse sich mit diversen Effekten erklären, meinen Wissenschaftler. Manche angebliche Ursachen, wie die Austrocknung hoher Luftschichten, wurden zwar nach wenigen Monaten wieder verworfen. Doch folgende Einflüsse könnten laut den Studien der vergangenen Monate zusammengenommen die Wirkung der Treibhausgase vorübergehend übertroffen und die Klimaerwärmung damit gebremst haben:

  • Die pazifische Klimaschaukel mit ihren alle paar Jahre wechselnden Meeresströmungen könnte Wärme ins Meer verfrachtet haben. Simulationen, die den Effekt angeblich bewiesen hatten, gelten mittlerweile allerdings als unzutreffend, weil sie andere Klimaentwicklungen nicht gut darstellen. Messungen im Ozean aber zeigten ebenfalls einen Anstieg der Wassertemperatur. Doch in der entscheidenden Region in mehr als 2000 Meter Tiefe mangelt es an Messungen - der Beweis steht also aus.
  • Eine Schwächephase der Sonne hat Messungen zufolge einen Anteil an der Erwärmungspause.
  • Auch die Partikelwolken aus Vulkanausbrüchen und der Luftverschmutzung in Asien durch Kohlekraftwerke und Autos haben Sonnenstrahlung abgehalten und damit einen Kühleffekt.

Zuletzt meinten Forscher gar belegen zu können, dass die Erwärmung der Luft gar nicht pausiert. Würden Messlücken der Arktis einbezogen, ergäbe sich ein fortdauernder Temperaturanstieg der bodennahen Luft im globalen Durchschnitt. Doch auch diese Studie ist umstritten, weil sie Bodentemperaturen nur indirekt ableitet.

Warnungen ohne Konsequenzen

Gleichwohl weisen die zur Verfügung stehende Daten weiterhin auf einen erheblichen Temperaturanstieg, konstatierte der IPCC im September. Die Wärmewirkung der Treibausgase nehme von Jahr zu Jahr zu, sie werde kurzfristige natürliche Schwankungen in den kommenden Jahrzehnten deutlich übertreffen. Das zeigten auch der ungebremst steigende Meeresspiegel und tauende Gletscher.

Der Uno-Klimarat warnte in seinem Report aufgrund zahlreicher Indizien vor mehr Hitzewellen, mehr Starkregen, Wasserknappheit und Problemen für Tiere und Pflanzen in einer wärmeren Welt.

Im November tagte zum 19. Mal die Weltgemeinschaft, um über Konsequenzen aus den Warnungen zu beraten, diesmal in Warschau. Doch zum 19. Mal konnte sich die Uno nicht auf eine Begrenzung der CO2-Emissionen oder wenigstens einen Fahrplan für dieses Ziel einigen. Stattdessen wurden finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer beschlossen, die sich kaum gegen Wettergefahren schützen können.

Zurück zur Übersicht

boj

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
günter1934 26.12.2013
1.
Zitat von sysopCorbisEine unerwartete Entwicklung beschäftigt Klimaforscher: Die Luft hat sich anscheinend seit 16 Jahren nicht weiter erwärmt. Offenbar überdecken natürliche Phänomene die zunehmende Wirkung der Treibhausgase. Was geht vor? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-erderwaermung-macht-pause-a-939942.html
Die FAZ schreibt zu dem Thema: "Wer die Welt simuliert, hat die Wahrheit nicht gepachtet" "Das Problem an schönen Simulationen ist, dass man irgendwann anfängt, selbst daran zu glauben"
günter1934 28.12.2013
2.
Zitat von günter1934Die FAZ schreibt zu dem Thema: "Wer die Welt simuliert, hat die Wahrheit nicht gepachtet" "Das Problem an schönen Simulationen ist, dass man irgendwann anfängt, selbst daran zu glauben"
Das ist schon komisch, - war mein Beitrag hier der letzte, abschliessende?
elgatorojo 28.12.2013
3.
Nun ja, es ist halt alles sehr schön klar zusammengefasst: die Temperaturen stagnieren trotz steter Zunahme der CO2-Konzentration, plausible und von Messungen gestützte Erklärungen dafür im Rahmen der AGW-Hypothese sind nicht in Sicht, und auf der Simulation des Treibhauseffektes basierende Prognosen haben sich durch die Bank als falsch herausgestellt. Bleibt noch die Warnung vor den katastrophalen Konsequenzen der CO2-Emissionen, aber das muss man ja dann eigentlich nicht mehr kommentieren, oder?
tatsache2011 28.12.2013
4. Simulation
Zitat von günter1934Die FAZ schreibt zu dem Thema: "Wer die Welt simuliert, hat die Wahrheit nicht gepachtet" "Das Problem an schönen Simulationen ist, dass man irgendwann anfängt, selbst daran zu glauben"
Die FAZ hat abschließend formuliert. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Vielleicht noch: Das Problem an Simulationen ist das gewünschte Ergebnis. > steht im Artikel. Irgendwann glaubt man, dass höhere Temperaturen vor Beginn der Messungen mit Thermometer nicht beachtet werden müssen.
thomasroll1966 07.01.2014
5. Klimawandel was ist das denn ?
Wer glaubt nach den Kälterekorden in den USA noch eigentlich an das Märchen das uns die Medien so gerne als Tatsache verkaufen wollen ? Anscheinend weis niemand mehr das Co2 weder für uns schädlich ist,sondern für uns ale Lebensnotwendig! Entziehen wir der Umwelt das Co2 ganz so werden wir das nicht lange Überleben! Also macht einfach weiter mit der CO2 Reduzierung es werden sich darüber all unsere Nutzpflanzen bei denen bedanken die für eine Weltweite CO2 "gewollte Reduzierung" verantwortlich sind bedanken mit weniger Wachstum ! Co2 ict nichts anderes als Dünger für unsere Pflanzen,dies brauchen sie Lebensnotwndig für die Umsetzung für die Phtosynthese! Sollte sich also nach all den Märchenerzählern die behaubten das CO2 schädlich für unsere Umwelt sein sollte bzw. sich eine zu hohe Konzentration in dieser befinden,würden unsere Pflanzen immer weiter wachsen d.h. immer Größer und Überdinsioniert wachssen als wir es kennen. Weshalb werden CO2 Begasungsgeräte für den Unterglasbau verkauft ? Diese Geräte erhöen den Ertrag des Gärtners der es in seinem Gewächshaus einsetzt! Ich hätte auch gerne mal Erklärt wie die Klimaerwärmung überhaubt Physikalisch funktionieren soll? Ich beaubte einfach mal das dies gar nicht möglich ist! Oder seit wann wird es plötzlich wärmer wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt,na klar es wird trotzdem Wärme Ha,Ha,Ha einfach Töller! Oder Nachts na klar da wird es auch immer Wärmer,tolle Physik wie das alles so Funktioniert und das alles ohne Wärmequelle! Ach so und das Wetter können wir seit neustem auch schon lange Beeinflussen,oder hat das eine mitdem anderen nichts zu tun ?!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.