Klimawandel Europas Vögel brüten immer weiter im Norden

Die Erderwärmung zwingt Brutvögel in andere Regionen. Manche Arten aus dem Mittelmeerraum wurden nun teils in Großbritannien gesichtet.
Eine Wasseramsel (Cinclus cinclus) sitzt auf einem Stein am Bachufer mit Beute im Schnabel

Eine Wasseramsel (Cinclus cinclus) sitzt auf einem Stein am Bachufer mit Beute im Schnabel

Foto: W. Rolfes / McPHOTO / blickwinkel / imago images

In Europa brüten rund 600 verschiedene Vogelarten. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Brutvogelatlas  (EBBA2) des European Bird Census Council (EBCC). 539 der festgestellten Arten sind demnach heimisch, 57 stammen ursprünglich aus anderen Teilen der Welt. Die meisten dieser Spezies seien aber nur in kleinen Gebieten Europas verbreitet, heißt es in einer Mitteilung.

Hinter dem Brutvogelatlas steckt eines der größten Projekte in Europa zur Biodiversität. Das bislang detaillierteste Bild der Verbreitung von Vögeln in Europa ergibt sich, weil rund 120.000 Freiwillige ihre Feldbeobachtungen zwischen 2013 und 2017 aus ganz Europa zur Verfügung gestellt haben.

Im Vergleich zur Erhebung für den ersten Brutvogelatlas, dessen Daten aus den Achtzigerjahren stammen, stellt der neue Bericht verschiedene Änderungen bei den Populationen fest. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Ornithologen: Viele Vögel zieht es zum Brüten immer weiter Richtung Norden. In den letzten drei Jahrzehnten verlagerten sich die Brutgebiete der europäischen Populationen jedes Jahr um durchschnittlich etwa einen Kilometer. Im Vergleich zu den älteren Daten liege die Kinderstube vieler Vögel heute etwa 28 Kilometer weiter nördlich. Manche Arten wie der Seidenreiher (Egretta garzetta) oder der Bienenfresser (Merops apiaster), die eigentlich den mediterranen Raum bevorzugen, erreichen aufgrund milder Temperaturen nun auch Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande.

Rund 35 Prozent aller heimischen Brutvogelarten konnten ihr Areal in den vergangenen 30 Jahren vergrößern. Darunter seien etwa Waldvögel und Tiere, die durch internationales Recht geschützt würden. Ein solcher Gewinner ist laut Bericht die Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus). Sie lebt vorwiegend an den Küsten Mitteleuropas, fliegt aber manchmal auch ins Landesinnere. Insgesamt zeige sich, dass es Arten, die geschützt sind, besser gehe als solchen, die nicht unter Schutz stehen. Das sei eine wichtige Nachricht innerhalb der Europäischen Union. 

Klimawandel und Landnutzung sind die Ursachen

Ein Viertel aller Arten hat inzwischen ein kleineres Brutgebiet. Darunter sind laut den Autoren viele Vögel, die vor allem auf Ackerland zu finden sind, aber auch die Blauracke (Coracias garrulus), die in Baumhöhlen brütet. Diese Verluste seien insbesondere im Mittelmeerraum sowie West- und Mitteleuropa festgestellt worden, sagte Sergi Herrando vom EBBA2-Koordinationsteam. »Regionen im Norden des Kontinents haben an Arten zugenommen, während die Gebiete im Süden Verluste erlitten haben.«

Als Hauptursachen für die Veränderungen sehen die Experten den Klimawandel und eine geänderte Landnutzung. Durch weniger Grünflächen verschwindet der Lebensraum von Tieren. Der Bedarf an Ackerland und urbanen Flächen steigt. Zu den eher positiven Ergebnissen, die der Atlas aufzeigt, gehört: Komplett verschwunden seien trotz des Wandels aber nur wenige heimische Arten.

joe/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.