Uno-Umweltprogramm Globaler CO2-Ausstoß auf Rekordstand

Die Uno-Staaten drohen die Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung kolossal zu verfehlen, warnen Forscher vor der anstehenden Klimakonferenz. Bisher lägen nur Brasilien, China und Japan im Soll.
Smog über den Alpen

Smog über den Alpen

Foto: DPA/ ESA/ NASA/ Alexander Gerst

Von der kommenden Woche an treffen sich die Uno-Staaten zum Klimagipfel im polnischen Katowice. Nun erhöht das Uno-Umweltprogramm (Unep) den Druck auf die Staaten, möglichst strenge Regeln zu vereinbaren. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten die Länder ihre bisherigen Anstrengungen mindestens verdreifachen.

Theoretisch ist es zwar dem Uno-Umweltprogramm   zufolge immer noch möglich, das Ziel von höchstens zwei Grad durchschnittlicher Erwärmung bis 2100 einzuhalten. Wenn die Länder allerdings so weitermachten wie bisher, wird sich die Erdtemperatur um etwa 3,2 Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erhöhen - und dann noch weiter steigen, heißt es in dem sogenannten 9. Emissions Gap Report , den das Umweltprogramm am Dienstag in Paris vorgestellt hat.

"Die Länder müssen jetzt handeln"

Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch ein Sonderbericht des Uno-Weltklimarates (IPCC) gekommen. Das Zwischenzeugnis der Unep-Experten gibt nun Hinweise darauf, inwiefern die Klimaschutzziele im Pariser Abkommen mit den bisherigen Versprechungen der Staaten erreicht werden können. Damit sind die Studienergebnisse ein Weckruf vor der anstehenden Uno-Klimakonferenz, die vom 3. bis 14. Dezember im polnischen Katowice stattfindet. "Mehr als jemals zuvor müssen die Länder jetzt handeln", warnen die Autoren in ihrem Bericht.

Das Ziel von höchstens zwei Grad durchschnittlicher Erwärmung der Erdtemperatur gilt als äußerste Grenze, um katastrophale Klimafolgen abzuwenden. Wenn möglich, sollte die Erderwärmung dem Pariser Abkommen zufolge aber schon bei 1,5 Grad begrenzt werden. Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, müssten die Länder ihre bisherigen Bemühungen verdreifachen - um die 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten, sogar verfünffachen.

Laut vielen Wissenschaftlern könnten schon bei einem Plus von 1,5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts das Schmelzen der Eiskappen, der Anstieg der Meeresspiegel und mehr Wetterextreme die Folge sein.

CO2-Ausstoß weiter gestiegen

Nach drei relativ stabilen Jahren sei der weltweite CO2-Ausstoß 2017 wieder gestiegen, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht. Mit 53,5 Gigatonnen CO2 sei der Ausstoß alarmierend hoch. Der Hauptgrund: Die Wirtschaft wächst und gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch nur langsam - vor allem mit Blick auf Kohle.

"Die Emissionen müssen bis 2030 um ein Viertel verringert werden, um die Erwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius zu begrenzen - für 1,5 Grad müssten die Emissionen sogar halbiert werden", sagte Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Momentan seien die G20-Länder aber nicht auf dem Weg, ihre national festgelegten Ziele für 2030 zu erfüllen - nur Brasilien, China und Japan liegen im festgelegten Rahmen.

Die Wissenschaftler fordern entschlossene Maßnahmen:

  • Reduzierung der Subventionen für fossile Brennstoffe
  • Förderprogramme für erneuerbare Energien
  • E-Mobilitätsprogramme
  • Emissionsvorgaben bei schweren Nutzfahrzeugen

Besonders die Steuerpolitik könne Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung nehmen. So könnten fossile Brennstoffe hoch besteuert werden, während emissionsarme Alternativen mit Subventionen gefördert werden. Bislang ziele die Steuerpolitik in vielen Ländern allerdings noch nicht auf einen Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft. Dabei sei das gerade in den Bereichen nötig, wo private Unternehmen bislang zurückschrecken. Vorbild könnten beispielsweise Schweden oder die Schweiz sein, wo bereits jetzt pro Tonne CO2 120 Euro beziehungsweise 80 Euro fällig werden.

Erst in der vergangenen Woche hatten zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs vor der Weltklimakonferenz in Katowice größeren Ehrgeiz bei der Begrenzung der Erderwärmung gefordert. Deutschland und 15 weitere Länder hatten eine Erklärung unterzeichnet, die mehr Engagement bei der Verringerung von Treibhausgasemissionen fordert.

Deutschland verfehlt Klimaziele

Auch Deutschland ist allerdings weit davon entfernt, die selbst gesteckten Klimaziele einzuhalten. Eigentlich sollten die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Doch bisher sind davon erst 32 Prozent geschafft, so steht es im aktuellen Klimaschutzbericht der Regierung.

Laut eine Studie, die von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde, wären die Klimaschutzziele nur noch zu erreichen, wenn die ältesten Braunkohleblöcke ganz oder teilweise abgeschaltet und Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart ausgebaut werden.

koe/dpa
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