Klimawandel Golfstrom erwärmt sich noch schneller als der Atlantik

Die Temperatur der Ozeane ist gestiegen - doch besonders rasch scheinen sich schnelle Strömungen wie der Golfstrom erwärmt zu haben. Forscher rätseln über die Gründe. Sie fordern eine Art Langzeit-EKG für die Ozeane, um künftige Veränderungen besser zu messen.
Englands Südwestküste: Der Golfstrom sorgt hier für meist milde Winter

Englands Südwestküste: Der Golfstrom sorgt hier für meist milde Winter

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Der Golfstrom hat sich in den vergangenen hundert Jahren zwei- bis dreimal so stark erwärmt wie der Atlantische Ozean. Laut einer im Fachmagazin "Nature Climate Change"  veröffentlichten Studie stieg die Oberflächentemperatur der Meeresströmung um etwa ein Grad Celsius. Der Atlantik wärmte sich in diesem Zeitraum um 0,4 Grad auf. Im weltweiten Mittel stieg die Oberflächentemperatur der Meere um rund 0,6 Grad Celsius, berichtet das internationale Forscherteam.

Das Phänomen ist nach Angaben der Wissenschaftler bei weiteren schnellen Randströmungen in anderen Ozeanen zu beobachten - etwa beim Kuroshio im westlichen Pazifik und beim Brasilstrom im Südatlantik, die sich beide um rund 1,3 Grad Celsius erwärmten. Die Gründe dafür seien noch nicht vollständig klar. Der Analyse der Forscher um Lixin Wu von der Ocean University of China in Qingdao liegen sowohl Beobachtungsdaten als auch Simulationen zugrunde.

Der Golfstrom ist eine der stärksten Meeresströmungen. Die Wärme, die er von Amerika nach Europa transportiert, ist für das vergleichsweise milde Klima in Mittel- und Nordeuropa verantwortlich. Die Strömung hat ihren Ursprung im Golf von Mexiko und transportiert bis zu hundert Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde an der amerikanischen Ostküste entlang nach Norden und dann Richtung Osten.

Langzeit-EKG für die Ozeane

Die Forschergruppe hatte untersucht, inwieweit sich solche warmen Strömungen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts verändert haben. Das Ergebnis: Sie haben sich besonders stark erwärmt und sind zugleich leicht in Richtung der Pole gewandert. Dies könne beeinflussen, wie viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre die Ozeane aufnehmen. Mit steigenden Temperaturen absorbieren die Meere weniger.

"Wir haben insgesamt acht verschiedene globale Beobachtungsdatensätze der Temperatur angeschaut sowie Meeresströmungen mit Hilfe eines hochauflösenden Ozeanmodells unter Nutzung von Beobachtungsdaten simuliert", sagte Martin Visbeck vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar), der an der Studie beteiligt war. "Alles deutet auf eine Veränderung der globalen Ozeanzirkulation durch den Klimawandel hin, mit expandierenden Subtropen."

Zur weiteren Ursachenforschung sagte er: "Der Patient Ozean braucht eine Art Langzeit-EKG, denn mit sporadischen Messungen werden wir die Ursache nur sehr schwer finden."

wbr/dpa
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