Extremwetter, Wassermangel, Waldsterben Wie Deutschland sich gegen die Klimarisiken wappnen sollte

Die Welt erwärmt sich, schon jetzt zeigen sich die Folgen auch in Deutschland, so eine neue Analyse von 25 Bundesbehörden. Sie fordern: Straßen, Städte und Landwirtschaft müssen sich anpassen – so schnell wie möglich.
Talsperre im Harz unter Wassermangel

Talsperre im Harz unter Wassermangel

Foto: Jacob Maibaum / Getty Images

Wälder unter Stress, mehr Extremwetter: Mit dem Klimawandel drohen in Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zunehmend Schäden in den Kreisläufen der Natur, aber auch an der Infrastruktur und für das Wirtschaftssystem.

Während die Auswirkungen der Erderwärmung bisher regional sehr unterschiedlich zu spüren sind, drohen dann Folgen im gesamten Bundesgebiet von den Küsten und Flussufern bis in die Gebirge, wie die in Berlin veröffentlichten Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021  für Deutschland (KWRA 2021) zeigt. Schon jetzt unvermeidbar ist demnach die Anpassung an den Klimawandel.

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Die Analyse wird im Auftrag der Bundesregierung alle sechs Jahre durchgeführt – zuletzt 2015 – und wird als deutschlandweit umfassendste Untersuchung dazu bezeichnet. Beteiligt waren Experten aus 25 Bundesbehörden und -institutionen sowie aus neun Ressorts, die im Behördennetzwerk »Klimawandel und Anpassung« zusammenarbeiten.

»Viele Risiken sind im Vergleich zu 2015 deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind unsere natürlichen Lebensgrundlagen, wie Böden, wie Wälder und Gewässer«, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). »Im Szenario eines starken Klimawandels werden bis zur Mitte des Jahrhunderts sehr viel mehr Regionen und immer mehr Lebens- und Wirtschaftsbereiche betroffen sein.«

Hundert Wirkungen des Klimawandels

Und irgendwann betrifft diese Veränderung wohl auch den Menschen direkt. »Am Anfang der Wirkungsketten stehen dabei fast immer Veränderungen der natürlichen Systeme und Ressourcen und am Ende vieler Wirkungsketten oft die menschliche Gesundheit«, wird festgestellt.

Die Autoren haben hundert Wirkungen des Klimawandels und deren Wechselwirkungen betrachtet. Untersucht wurden zwei Szenarien für die Zeit bis zum Jahr 2100. Ein pessimistischer Fall geht von einem starken Klimawandel aus: plus 3 Grad zur Mitte des Jahrhunderts als Jahresmittelwert und gegenüber der frühindustriellen Zeit. Ein optimistischer Fall beschreibt einen schwächeren Klimawandel mit einem Anstieg der Temperatur um 2,4 Grad. Die Analyse beschäftigt sich mit den Folgen für Natur, Lebensgrundlagen, Gesundheit, Alltag und Wirtschaft.

»Um 1950 herum gab es in Deutschland im Schnitt drei Tage im Jahr, an denen es heißer als 30 Grad Celsius wurde. Aktuell sind es schon zehn Tage«, so Schulze. Das bedeute: Hitzewellen, Waldbrände, Dürren, Wasserknappheit, Starkregen, Überflutungen. »Das sind erste und teilweise auch verheerende Folgen, die uns zeigen, dass wir dem Klimawandel eben nicht einfach nur freien Lauf lassen dürfen und uns an die Folgen anpassen.«

Der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, sagte, wichtigste Maßnahme sei die Verringerung der Treibhausgasemissionen. »Wir haben wirksame Maßnahmen, um diese Krise managen zu können. Solange wir im Bereich und im Korridor von zwei Grad globaler Erwärmung bleiben, glauben wir, gut gewappnet zu sein, wenn wir jetzt tatsächlich handeln«, sagte er und nannte andere Methoden in der Landwirtschaft, den Umbau hin zu klimastabilen Mischwäldern und einen besseren Schutz der Küsten sowie eine drastische Verringerung der Verschmutzung und Übernutzung von Wasser.

Schwammstädte mit vielen Bäumen

Straßenbeläge müssten hitzebeständiger sowie wasser- und luftdurchlässig sein. »Es gibt Grenzen der Anpassung«, warnte er. »Wenn es uns nicht gelingt, den Klimawandel um zwei Grad herum zu stabilisieren, dann könnten wir in Situationen kommen, wo Anpassung entweder immer teurer wird oder uns schlicht und einfach überfordern könnte.«

Maßnahmen seien auch in Siedlungsgebieten nötig. »Wir müssen anders bauen. Wir brauchen Städte, die sich dank vieler Grünflächen und Entsiegelungen ohne Schäden an Häusern und Infrastrukturen wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen wollen. Schwammstadt!«, sagte er. »Deutschland braucht mehr Bäume in den Städten, mehr Grün auf den Dächern, mehr Raum für die Flüsse und vieles mehr«, so Schulze. Dabei müsse es schnell gehen, denn viele Maßnahmen bräuchten Zeit, bis sie wirken. »Es dauert, bis ein Stadtbaum gewachsen ist und Schatten spendet in überhitzten Städten«, mahnte sie.

joe/dpa/AFP
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