Kritische Marke beim Klimawandel 1,5-Grad-Schwelle könnte bald überschritten werden

Der Trend der letzten Hitzejahre setzt sich weltweit fort: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur in den nächsten fünf Jahren zeitweise die 1,5-Grad-Marke übersteigen wird.
Waldbrand in einem Kiefernforst in Brandenburg: Durch Hitze- und Trockenperioden könnten Feuer häufiger werden

Waldbrand in einem Kiefernforst in Brandenburg: Durch Hitze- und Trockenperioden könnten Feuer häufiger werden

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Das dritte Jahr in Folge drohen weiten Gebieten Europas Dürren und Wasserknappheit. Laut dem Copernicus Climate Change Service waren die vergangenen zwölf Monate fast 0,7 Grad wärmer als im Durchschnitt. Damit setzt sich der Trend der Hitzejahre fort.

Die Weltwetterorganisation (WMO)  warnt nun davor, dass die globale Durchschnittstemperatur bereits in einem der kommenden Jahre auf 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau steigen könnte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Jahre im Zeitraum 2020 bis 2024 diesen Wert erreicht, liege bei 20 Prozent. Dass die Durchschnittstemperatur in diesem Zeitraum mindestens in einem Monat mehr als 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau steigt, liege sogar bei bis zu 70 Prozent.

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Warnung vor gefährlichen Kettenreaktionen

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatten sich die Länder darauf geeinigt, die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert auf unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und sich um ein Limit von 1,5 Grad zu bemühen.

Klimaforscher warnen davor , dass sich ab 1,5 Grad irreversible Kippelemente einstellen: So könnte es zu Kettenreaktionen kommen, die die globale Erderwärmung unkontrollierbar verstärken - Beispiele sind das Abschmelzen der Arktis und das Verschwinden der nordischen Nadelwälder.

Der WMO-Bericht prognostiziert zudem, dass die globale Durchschnittstemperatur in diesem und jedem der nächsten vier Jahre um mindestens ein Grad höher liegen wird als im vorindustriellen Zeitalter - damit ist der Zeitraum 1850 bis 1900 gemeint.

Arktis besonders betroffen

Eine besonders drastische Prognose geben die Experten für die Arktis ab: Die Region dürfte sich in diesem Jahr schon um mehr als das Doppelte des globalen Mittelwerts erwärmt haben.

Bei den Berechnungen unter Federführung des britischen Wetterdienstes Met Office  seien natürliche Klimavariationen und menschlicher Einfluss berücksichtigt worden, berichtet die WMO. Nicht eingeflossen seien mögliche Rückgänge der Treibhausgasemissionen durch den weltweiten Wirtschaftseinbruch infolge der Coronavirus-Pandemie.

"Wegen der Langlebigkeit von CO2 in der Atmosphäre ist nicht davon auszugehen, dass durch einen Rückgang der Emissionen in diesem Jahr die CO2-Konzentration in der Atmosphäre abnimmt, die zu der Erwärmung führt", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Pandemie dürfe keine Ausrede sein, um den Klimawandel nicht zu bekämpfen.

Häufigere Hitzesommer in Deutschland

Das Jahr 2020 ist laut Meteorologen auch in Europa bisher wieder zu heiß und zu trocken: Die Monate Januar bis März sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren. Vor allem die Grundwasserspiegel haben sich durch die vielen trockenen Jahre immer noch nicht erholt - auch wenn es gerade in Norddeutschland derzeit etwas mehr regnet.

Der DWD erkennt für Deutschland, Österreich und die Schweiz einen "Trend zunehmender Hitze-Extrema" in den vergangenen 40 Jahren. Die drei heißesten Sommer der Messgeschichte gab es seit dem Jahr 2000: Besondere Hitzehöhepunkte waren demnach 2003, 2018 und 2019.

Bei der Bestimmung der Hitzejahre zählen Meteorologen unter anderem die Tage im Sommer, an denen mindestens 30 Grad gemessen werden. Diese Zahl stieg in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an, so der DWD.

So gab es beispielsweise in Berlin und Brandenburg zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich nur 6,5 Hitzetage pro Jahr, zwischen 1990 und 2019 waren es bereits 11,5 Hitzetage - Rekordjahr war 2018 mit 28 Hitzetagen.

Laut den Messungen des Deutschen Wetterdienstes lagen die wärmsten Sommer seit der ersten Wetteraufzeichnung in den vergangenen 20 Jahren

Laut den Messungen des Deutschen Wetterdienstes lagen die wärmsten Sommer seit der ersten Wetteraufzeichnung in den vergangenen 20 Jahren

Foto: DWD

Die Folgen lassen nicht lange auf sich warten: Durch die Hitze steigt die Gefahr von Waldbränden. In Deutschland hat die von Waldbrand betroffene Fläche laut einem Bericht des Umweltbundesamtes  im Zeitraum 1991 bis 2017 signifikant zugenommen.

Bei einem weiter fortschreitenden Klimawandel ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Tage mit hoher bis sehr hoher Waldbrandgefahr weiter erhöhen wird. Auch Seen und Flüsse würden wärmer werden - mit allen Folgen für die natürlichen Ökosysteme, so der DWD.

sug/dpa-AFX
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