Klimawandel Regenbogenforelle profitiert von wärmeren Flüssen

Die Regenbogenforelle ist ein leckerer Speisefisch und wurde deshalb in Nordamerika künstlich eingeführt. Jetzt aber sorgt der Klimawandel dafür, dass die Fremdlinge sich mit einer heimischen Art vermischen - und diese womöglich verschwinden lassen.
Westslope-Cutthroat-Forelle: Bei wärmeren Temperaturen wird sie von der Regenbogenforelle verdrängt

Westslope-Cutthroat-Forelle: Bei wärmeren Temperaturen wird sie von der Regenbogenforelle verdrängt

Foto: Jonny Armstrong

Wenn es warm wird, freut sich die Regenbogenforelle: Dann ist der beliebte Speisefisch aktiv und vermehrt sich. Anders die nordamerikanische Westslope-Cutthroat-Forelle - sie reagiert empfindlich auf Temperaturerhöhungen. Teilen sich diese beiden Fischarten einen warmen Lebensraum, dann beginnen sie, sich zu paaren. So haben es zumindest Clint Muhlfeld von der University of Montana in Polson und Kollegen im Flathead River im US-Bundesstaat Montana beobachtet.

Dort gab es in den vergangenen 30 Jahren mit dem Anstieg der Temperatur und geringeren Niederschlägen drastisch mehr Paarungen zwischen der heimischen Westslope-Cutthroat-Forelle und der eingeführten Regenbogenforelle. Dies gefährde die Artenvielfalt im Allgemeinen und speziell die ohnehin bedrohten Bestände der heimischen Forelle, deren ursprüngliches Erbgut verloren gehe, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change" .

Die Regenbogenforelle ist im Flathead River nicht heimisch: Über 20 Millionen von ihnen wurden zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und dem Jahr 1969 vor allem in den niedrig gelegenen Teilen des Flusses ausgesetzt, um sich dort als Speisefische zu vermehren. Trotzdem sei es bis in die frühen 1980er Jahre nur an zwei von 20 untersuchten Stellen zu einer Hybridisierung zwischen Regenbogenforelle und der heimischen Westslope-Cutthroat-Forelle gekommen - also zu Paarungen zwischen beiden Arten. Anfang 2000 jedoch stellten Wissenschaftler bereits in der Hälfte der untersuchten Regionen eine Hybridisierung fest.

Weniger Niederschläge, rasanter Temperaturanstieg

Die Forscher zeigten nun mit Hilfe von Rechenmodellen, dass geringere Niederschläge und der rasante Temperaturanstieg vermutlich die Ursachen dafür sind. In den vergangenen 30 Jahre habe sich die mittlere Lufttemperatur pro Jahrzehnt um 0,36 Grad Celsius erhöht - dreimal mehr als in den Jahrzehnten davor. Dies habe zur Folge, dass die Schneeschmelze im Frühjahr eher einsetze und die Wasserstände danach niedriger seien. Dadurch erhöhe sich letztendlich die Wassertemperatur.

Gerade wenn es im späten Frühjahr wenig Niedersachläge gab und die Wassertemperaturen über zehn Grad Celsius lagen, breiteten sich die Regenbogenforellen besonders stark aus und vermischten sich mit Cutthroat-Forellen. Dieser Trend, befürchten die Forscher, dürfte künftig noch zunehmen: Da Regenbogenforellen mit warmen Temperaturen besser zurechtkommen als Cutthroat-Forellen, erobern sie immer größere Teile des gemeinsamen Lebensraums.

Langfristig sehen die Wissenschaftler die Westslope-Cutthroat-Forelle durch die Hybridisierung gefährdet. Schon heute lebt die Unterart in Nordamerika nur noch in zehn Prozent ihres historischen Verbreitungsgebietes. "Naturschützer werden zunehmend mit einem zweischneidigen Schwert konfrontiert", schreiben die Autoren der Studie. "Die heimische genetische Intaktheit durch Isolationsmaßnahmen zu bewahren und dafür genetische Diversität zu verlieren, oder das weitere Eindringen zu erlauben - samt der Auslöschung heimischer Genome, die sich über Jahrtausende entwickelt haben."

anf/dpa
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