Großbritannien Klimawandel verleiht Schmetterling Flügel

Ein Schmetterling macht Forschern Hoffnung: Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling, einst nur höchst selten anzutreffen, breitet sich dank des Klimawandels in Großbritannien aus. Und das, obwohl er zuvor als höchst spezialisiert und sesshaft galt.
Kleiner Sonnenröschen-Bläuling: Profiteur des Klimawandels

Kleiner Sonnenröschen-Bläuling: Profiteur des Klimawandels

Foto: Louise Mair/ dpa

Der Klimawandel kennt in der Tier- und Pflanzenwelt nicht nur Verlierer. Zwar macht die Erderwärmung zahlreichen Arten schwer zu schaffen: Die Versauerung der Meere durch den steigenden Kohlendioxid-Eintrag schadet Schalentieren und Fischen, für manche Pflanzen, etwa in den Alpen, werden demnächst die Lebensräume eng. Andere Spezies dagegen profitieren von den höheren Temperaturen. Darunter sind nicht nur Parasiten wie etwa die Tigermücke, die künftig unter anderem in Deutschland anzutreffen sein wird, sondern auch ein Schmetterling in Großbritannien.

Der einst seltene Kleine Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis) breitet sich aufgrund der wärmeren Sommer immer weiter nach Norden aus, berichten britische Forscher im Fachblatt "Science" . Die Schmetterlinge legten ihre Eier früher fast ausschließlich auf Gelben Sonnenröschen ab, die bevorzugt an sonnigen Südhängen wachsen. Seitdem die Sommer wärmer sind, können sie jedoch offenbar auch andere Pflanzen zur Eiablage nutzen.

Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling war noch in den achtziger Jahren nur selten zu finden, die Bestände galten als rückläufig. In den neunziger Jahren beobachteten Schmetterlingsfreunde dann eine deutliche Zunahme der Bläulinge. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Tiere knapp 80 Kilometer in Richtung Norden ausgebreitet, schreiben die Forscher um Rachel Pateman von der University of York. Dies sei ungewöhnlich schnell für eine Art, die als hochspezialisiert und eher sesshaft gilt.

Auffällig war, dass die Bläulinge nun vor allem in Gegenden lebten, in denen die ursprüngliche Hauptwirtspflanze - das Gelbe Sonnenröschen - gar nicht vorkommt. Die Schmetterlinge legten ihre Eier vermehrt auf Storchschnabelgewächsen ab, allen voran auf dem Weichen Storchenschnabel - der weiter verbreitet ist als das Gelbe Sonnenröschen. Die durchschnittlichen Sommertemperaturen sind in Großbritannien deutlich gestiegen: Zwischen 1990 und 2009 lagen sie um 0,78 Grad über dem Durchschnitt der Jahre von 1800 bis 1989.

Die Schmetterlinge waren damit nicht mehr auf die seltenen, sonnigen Standorte des Sonnenröschens angewiesen, sondern fanden auch auf anderen, weiter verbreiteten Pflanzen geeignete Bedingungen. Fachleute gehen häufig davon aus, dass die Anpassung an den Klimawandel besonders für Arten schwer ist, die für ihre Vermehrung auf andere Lebewesen angewiesen sind. Die Studie zeige, dass auch das Gegenteil der Fall sein könne, schreiben die Forscher.

mbe/dpa
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