Studie mit 70.000 Tieren Wie der Klimawandel die Vögel verändert

40 Jahre lang haben Forscher in Chicago tote Vögel gesammelt und vermessen. Ihre Studie zeigt, dass sich die Tiere dem Klimawandel anpassen - ihre Flügel werden größer, ihre Körper kleiner.
Das Logbuch von Forscher Dave Willard, seine Vermessungsinstrumente und ein toter Singvogel, ein Tennessee Warbler (Brauen-Waldsänger)

Das Logbuch von Forscher Dave Willard, seine Vermessungsinstrumente und ein toter Singvogel, ein Tennessee Warbler (Brauen-Waldsänger)

Foto: Kate Golembiewski/ Field Museum

Klimawandel? Als die Vogelkundler des Field Museum in Chicago in den Siebzigerjahren mit ihrer Arbeit begannen, war der Begriff allenfalls in Fachkreisen populär. Seit 1978 haben die Wissenschaftler gemeinsam mit Freiwilligen jedes Frühjahr tote Zugvögel gesammelt, vermessen und katalogisiert. Etwa 70.000 Tiere lagern inzwischen im Magazin des Museums. Sie gehören zu 52 verschiedenen Arten.

Vögel im Magazin des Field Museums in Chicago: Die Körper der Tiere schrumpften im Schnitt um 2,4 Prozent

Vögel im Magazin des Field Museums in Chicago: Die Körper der Tiere schrumpften im Schnitt um 2,4 Prozent

Foto: Ben Marks/ Field Museum

Heute, 40 Jahre später, können die Wissenschaftler mit ihrer einzigartigen Sammlung am Beispiel der Zugvögel zeigen, wie die Erderwärmung die Tiere verändert. "Damals wollten wir mit der Sammlung einfache Fragen zu saisonalen Veränderungen bei den Tieren beantworten", sagt Dave Willard, einer der beteiligten Forscher. Die Auswertung der Daten haben die Wissenschaftler nun im Fachmagazin "Ecology Letters"  veröffentlicht. Es sei die größte Studie dieser Art, schreiben sie.

Die Untersuchung zeigt, dass die Tiere im Laufe der Jahre kleiner geworden sind. Ihre Körper schrumpften im Schnitt um 2,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum vergrößerten sich jedoch die Flügel der Tiere. Die Ornithologen verzeichneten einen Zuwachs von 1,3 Prozent.

Verantwortlich für den veränderten Körperbau könnte der Klimawandel sein, lautet die Erklärung der Forscher. Die kleineren Rümpfe seien ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Körper von Tieren an wärmere Temperaturen anpassten.

Nach einer bekannten Theorie, der Bergmannschen Regel, haben sich in warmen Gefilden vor allem Spezies entwickelt, deren Körperform im Verhältnis zu ihrem Volumen eine große Oberfläche aufweist. Weil die Vögel kleiner werden, während ihre Flügelspannweite zunimmt, können sie ihre Körper bei Hitze besser herunterkühlen, weil mehr Wärme abgegeben werden kann. In kälteren Regionen sind die Tiere dagegen meist größer und kompakter. Deshalb sind Pinguine von den Galapagosinseln kleiner als Kaiser-Pinguine in der kälteren Antarktis.

Schon 2014 stellten Forscher fest, dass Ziegen aufgrund der Erderwärmung anscheinend schrumpfen. Eine weitere Untersuchung stellte einen ähnlichen Effekt bei Salamandern fest.

Dass der Klimawandel Einfluss auf die Reisen von Zugvögeln hat, konnten auch frühere Untersuchungen schon zeigen. Demnach müssen die Tiere weitere Strecken zurücklegen, zeigte eine Studie 2009. Erst im Juli hatte eine Untersuchung vor den Folgen des Klimawandels auf heimische Vogelarten gewarnt. Demnach können sich manche Arten kaum an die Temperaturveränderungen anpassen und brüten zu Zeiten, in denen die Natur zu wenig Nahrung bereitstellt.

joe
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