Klimawandel Mangroven enthalten gigantische Kohlenstoff-Mengen

Mangroven machen weniger als ein Prozent aller tropischen Wälder aus - aber ihr Einfluss auf das globale Klima ist enorm, wie eine Studie jetzt ergeben hat. Die Zerstörung der Sumpflandschaften ist demnach für ein Zehntel der Kohlendioxid-Emissionen durch Entwaldung verantwortlich.
Ausgetrockneter Mangrovensumpf (in Cancún, Mexiko): riesige Kohlenstoffspeicher

Ausgetrockneter Mangrovensumpf (in Cancún, Mexiko): riesige Kohlenstoffspeicher

Foto: dpa

Mangroven haben sich an das Leben im Gezeitenbereich der Meeresküsten angepasst - und sind deshalb vom Menschen besonders bedroht. Ein großer Teil der sumpfigen Wälder ist der Erschließung von Küstengebieten bereits zum Opfer gefallen. Welcher Schaden dadurch verursacht wurde, wird erst jetzt deutlich. Denn Mangroven wurden in ihrer Bedeutung für das globale Klima bislang offenbar unterschätzt, wie eine Studie ergeben hat.

Ein internationales Forscherteam hat 25 Mangrovenwälder im indo-pazifischen Raum genauer untersucht. Die Bodenproben aus den regelmäßig vom Meerwasser überfluteten Wäldern offenbarten sehr hohe Kohlenstoffkonzentrationen. 49 bis 98 Prozent des Kohlenstoffs kam in Bodenschichten von einem halben Meter bis drei Metern Tiefe vor, schreiben die Forscher um Daniel Donato vom US-amerikanischen Forest Service (USDA) auf Hawaii in ihrer Studie, die sie in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience"  veröffentlicht haben. Die Pflanzen wandeln Kohlendioxid per Photosynthese in organisches Material um, das sich zum Teil als Humus im Boden ablagert.

Die Berechnungen ergaben, dass die weltweit etwa 15 Millionen Hektar Mangrovenwälder durchschnittlich 1023 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar enthalten. Obwohl Mangroven nur 0,7 Prozent aller tropischen Wälder ausmachten, landeten durch ihre Zerstörung jedes Jahr 20 bis 120 Millionen Tonnen Kohlenstoff zusätzlich in der Atmosphäre, so die Forscher. Das entspreche bis zu zehn Prozent der globalen Kohlendioxid-Emissionen durch Entwaldung. Mangroven müssten in Zukunft deshalb stärker für Klimamodelle und Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Zudem seien die Wälder ein Lebensraum für zahlreiche Tierarten und schützen Küstenerosionen vor Flutwellen.

Fast die Hälfte der Mangrovenwälder bereits zerstört

In den vergangenen 50 Jahren wurden laut Donato und seinen Kollegen 30 bis 50 Prozent der weltweiten Mangrovenwälder unter anderem durch den intensiven Ausbau von Garnelenfarmen zerstört. "Unsere Daten zeigen, dass die Bedeutung tropischer Überschwemmungswälder für den Klimawandel signifikant zunehmen könnte", schreiben Donato und seine Kollegen. Mangrovenwälder müssten daher wirksamer geschützt werden als heute.

Der Schutz von Mangroven alleine greife allerdings zu kurz, sagte Tim Rixen vom Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen. "Mangroven sind Teil der tropischen Küstenzone, die zusammen mit tropischen Torfen, Seegraswiesen und Korallenriffen häufig eine Einheit bilden, die auch als solche geschützt werden sollte."

Nach Meinung von Donato und seinen Kollegen könnte ihre Studie wichtige Aspekte für das globale Waldschutzabkommen REDD+ (Reduced Emissions from Deforestation and Degradation) liefern, auf das sich die Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen auf dem Klimagipfel 2010 in Cancún geeinigt hatte.

mbe/dpa/dapd
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