Klimawandel Regenwälder speichern bis zu 30 Prozent weniger CO2

Die Erde könnte wichtige Treibhausgas-Puffer verlieren. Laut einer aktuellen Studie absorbieren Regenwälder in Amazonien und Afrika deutlich weniger Kohlendioxid als noch in den Neunzigerjahren.
Laut Schätzungen binden die Regenwälder etwa 250 Milliarden Tonnen CO2

Laut Schätzungen binden die Regenwälder etwa 250 Milliarden Tonnen CO2

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Noch können Regenwälder einen Teil der menschengemachten Treibhausgasemissionen abfedern. Doch diese Pufferfunktion gerät zunehmend ins Wanken, berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachblatt "Nature" . Demnach speichern Regenwälder deutlich weniger CO2 als noch in den Neunzigerjahren.

Hält die Entwicklung an, könnten sich Regenwälder schon in den kommenden 15 Jahren von einer CO2-Senke zu einem CO2-Emittenten entwickeln. Für ihre Analyse hatten die Wissenschaftler 300.000 Bäume in den Regenwäldern von Amazonien und Afrika über Jahrzehnte hinweg untersucht.

"Selbst pessimistischsten Klimamodellen um Jahrzehnte voraus"

Wälder sind dann CO2-Senken, wenn sie durch Baumwachstum mehr Treibhausgas speichern, als durch das Verrotten abgestorbener Bäume frei wird. Laut Schätzungen binden Regenwälder weltweit etwa 250 Milliarden Tonnen CO2. Das entspricht dem 90-fachen der aktuellen globalen menschengemachten Treibhausgas-Emissionen pro Jahr. Bisher gehen viele Klimamodelle davon aus, dass dieser Speichereffekt noch über Jahrzehnte anhalten wird.

Laut der aktuellen Analyse speicherten die Regenwälder in den 2010er-Jahren jedoch bereits ein Drittel weniger Kohlenstoffdioxid als noch in den Neunzigerjahren. "Die Entwicklung eilt selbst den pessimistischsten Klimamodellen um Jahrzehnte voraus", sagte Hauptautor der Studie Wannes Hubau vom Royal Museum for Central Africa im belgischen Tervuren.

In den Neunzigerjahren konnten intakte Regenwälder noch 17 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen abfedern, mittlerweile sind es laut den aktuellen Berechnungen nur noch etwa sechs Prozent. Das liegt laut den Forschern daran, dass der Anteil intakter Regenwälder um fast ein Fünftel gesunken ist, während die weltweiten CO2-Emissionen um fast die Hälfte zugenommen haben.

Dabei kann zusätzliches CO2 das Wachstum von Pflanzen sogar anregen. Durch Fotosynthese wandeln sie Kohlendioxid mithilfe des Blattgrüns Chlorophyll, Sonnenlicht und Wasser in Zucker um - mit dem Pflanzen ihre Zellen bilden.

CO2-Düngereffekt ausgehebelt

Doch der Düngereffekt greift offenbar nicht mehr: "Dieser Effekt wird zunehmend von negativen Einflüssen unterwandert, wie steigenden Temperaturen und Trockenheit, die das Wachstum verlangsamen oder sogar zum Tod von Bäumen führen", sagte Hubau.

In den Neunzigerjahren banden tropische Regenwälder demnach noch etwa 46 Milliarden Tonnen CO2 neu aus der Atmosphäre, in den 2010er-Jahren waren es nur noch etwa 25 Milliarden Tonnen. Diese Lücke entspricht laut den Forschern den CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern, die Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada gemeinsam in einem Jahrzehnt ausstoßen.

Für ihre Analyse untersuchten die Forscher 244 Waldstücke in elf Ländern im Kongobecken und Zentralafrika. Innerhalb der Testflächen erfassten sie zwischen den Jahren 1968 und 2015 alle Bäume, deren Stamm dicker als zehn Zentimeter war. Um abschätzen zu können, wie gut die Bäume gedeihen, kehrten sie alle paar Jahre zurück, vermaßen die Stämme erneut und dokumentierten, welche Bäume abgestorben waren.

Die Ergebnisse verglichen sie mit 321 weiteren Testflächen im Amazonas. Aus diesen Daten konnten sie hochrechnen, wie viel Kohlenstoffdioxid in den Wäldern gespeichert wurde.

Demnach schwächelt die Senkfunktion des Amazonasregenwaldes bereits seit Mitte der Neunzigerjahre. In afrikanischen Regenwäldern zeichnete sich der Effekt erst ab dem Jahr 2010 ab. Die Forscher erklären das damit, dass die Regenwälder im Amazonas inzwischen häufiger Dürren ausgesetzt sind.

Zudem wachsen Bäume in Amazonien im Schnitt schneller und sterben auch schneller ab. Sie speichern CO2 deshalb über einen kürzeren Zeitraum. Die Auswirkungen des Klimawandels könnten sich dadurch im Amazonas schneller bemerkbar machen. Ob die Verfügbarkeit von Nährstoffen eine Rolle gespielt haben könnte, haben die Forscher allerdings nicht untersucht.

Hält die Entwicklung an, könnte die CO2-Speicherfähigkeit der Regenwälder bis zum Jahr 2040 um weitere 14 Prozent sinken. Im Amazonas könnte diese bereits im Jahr 2035 auf null sinken. Ab diesem Zeitpunkt würden absterbende Bäume mehr Treibhausgase ausstoßen, als durch nachwachsende Bäume gebunden werden können.

Solche Hochrechnungen sind grundsätzlich mit großen Unsicherheiten verbunden, gehen aber weit über Werte hinaus, von denen die meisten Klimamodelle derzeit ausgehen. "Die unmittelbaren Bedrohungen für tropische Wälder sind Abholzung und Brände", sagte Lewis. "Diese erfordern dringende Maßnahmen."

koe