Tiere und Klimawandel Spezialisten haben's besonders schwer

Auf einem Museumsdach haben Forscher Hunderttausende Insekten gesammelt und ihre Reaktion auf den Klimawandel untersucht. Einige Arten verlassen bereits bei geringen Temperaturanstiegen ihre Heimat.
Spezialisierte Käfer: Tiere mit besonderem Beuteschema haben es besonders schwer

Spezialisierte Käfer: Tiere mit besonderem Beuteschema haben es besonders schwer

Foto: Corbis/ Paul Starosta

Auf dem Dach des Zoologischen Museums in Kopenhagen haben Forscher 18 Jahre lang Insekten gesammelt. Mehr als 254.000 Tiere von 1543 verschiedenen Arten kamen so zusammen, berichten sie im "Journal of Animal Ecology" . Ziel der Aktion war es, die Entwicklung der Artenvielfalt zu beobachten.

An Erderwärmung hatten die Forscher dabei zunächst gar nicht gedacht, berichten sie. Doch schließlich bestätigte die Arbeit die Prognose vieler Ökologen: Der Klimawandel wird sich - ähnlich wie große Umweltveränderungen in der Vergangenheit - vor allem auf stark spezialisierte Arten auswirken.

Zwei Mitarbeiter des Museums waren von 1992 bis 2009 jeweils von Frühling bis Herbst wöchentlich auf das 17,5 Meter hohe Dach gestiegen. Dort hatten sie Insekten gesammelt und bestimmt, die in eine Lichtfalle - eine Apparatur zum Fangen nachtfliegender Insekten - geraten waren. Die erfassten Tiere repräsentierten 42 Prozent der in Dänemark vorkommenden Nachtfalter- und 12 Prozent der Käferarten.

Nahrungsspezialisten ziehen gen Norden

Veränderungen habe es mit steigenden Durchschnittstemperaturen vor allem bei den auf eine Futterquelle spezialisierten Insekten gegeben, berichten die Forscher. Der im nördlichen Europa und ausschließlich von Haselnüssen lebende Haselnussbohrer (Curculio nucum) wurde beispielsweise nur in der ersten Hälfte der Beobachtungszeit erfasst. Sein ursprünglich weiter südlich lebender Verwandter, der Eichelbohrer (Curculio glandium), tauchte dagegen erst in den letzten Jahren auf.

Eichelbohrer: Wird es wärmer, zieht er nach Norden

Eichelbohrer: Wird es wärmer, zieht er nach Norden

Foto: Klaus Bek Nielsen

Offensichtlich zögen solche Spezialisten immer weiter gen Norden - was ihnen irgendwann nicht mehr möglich sein werde, so die Forscher. Auf lange Sicht würden die Arten regelrecht aus dem Lebensraum herausgedrängt. "Die Ergebnisse untermauern, dass der Klimawandel die Biodiversität schon jetzt beeinflusst. Das ist nichts, was in der Zukunft passieren wird oder nur dann, wenn wir einen Anstieg um zwei Grad erreichen", so Peter Søgaard Jørgensen von der Universität Kopenhagen.

Auf den gesamten Verbreitungsraum bezogen gab es demnach für die spezialisierten Falterarten einen Temperaturanstieg um 0,14 Grad zwischen 1993 und 2008 und für die Nahrungsspezialisten unter den Käfern um 0,42 Grad zwischen 1995 und 2008.

Am vielfältigsten und zahlreichsten sei die Insektenwelt auf dem Dach stets im Juli gewesen, ergab die Analyse weiter. Zwischen eher kalten und eher warmen Jahren gab es dabei bei den Gesamtzahlen immense Unterschiede.

Invasive Arten entdeckt

Zudem entdeckten die Forscher acht Arten, die bislang nicht in Dänemark heimisch waren: sechs Falter- und zwei Käferarten - darunter der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis), der sich inzwischen im gesamten Land ausgebreitet hat und als invasive Art gilt. Auch in Deutschland bedrohte die Art bereits den bei uns heimischen Siebenpunkt Marienkäfer.

Mehr als sieben Punkte: Marienkäfer aus Asien bedrohen heimische Art

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Foto: n.a.t.u.r.e / flickr.com

Welche Folgen es für Lebewesen haben kann, wenn sich seit Jahrtausenden bestehende biologische Rhythmen verändern, hatten Forscher im Oktober zusammengefasst. Dies könne weitreichende Folgen nicht nur für Ökosysteme, sondern auch für die Gesundheit der Menschheit und die Nahrungsmittelversorgung haben, warnten sie in im Fachmagazin "Proceedings B" .

Beeinflusst wird demnach zum Beispiel die Bestäubung von Agrarpflanzen und die Ausbreitung von Schädlingen. Analysen wiesen zudem auf ein wachsendes Risiko für den Sprung von Erregern auf neue Wirte hin. Eine Gefahr für nördliche Gebiete sei, dass mehr Schädlinge und Überträger gefährlicher Tropenkrankheiten die milder werdenden Winter überleben.

Auch Meeresbewohner treibt der Klimawandel polwärts und lässt die Lebensräume vieler Arten schrumpfen. Viele Fische wichen in kühlere Gewässer oder in größere Tiefen aus, berichteten Forscher bereits 2013 im Fachblatt "Science" .

jme/dpa
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