Weltrisikobericht Wo der Klimawandel am gefährlichsten ist

Extreme Hitze und Dürren, aber auch schwere Regenfälle und Überflutungen: Der Weltrisikobericht hat untersucht, wo der Klimawandel die größten Folgen haben könnte. Besonders Inselstaaten stehen unter Druck.

Von Hochwasser umschlossenes Haus im Süden von Bangladesch: Die Regionen mit der höchsten Gefährdung befinden sich in Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika sowie in West- und Zentralafrika
Mohammad Saiful Islam/ NurPhoto/ Getty Images

Von Hochwasser umschlossenes Haus im Süden von Bangladesch: Die Regionen mit der höchsten Gefährdung befinden sich in Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika sowie in West- und Zentralafrika


Der Klimawandel verursacht paradoxe Effekte: Auf der einen Seite gehen Forscher davon aus, dass er für Hitzerekorde und Dürren verantwortlich ist. Auf der anderen Seite bringt er wohl auch immer häufiger extreme Regenfälle - die Folgen sind Überschwemmungen.

In der Summe verschärft der Klimawandel so Probleme der Wasserversorgung. Das stellt Menschen rund um den Erdball vor eine Fülle von Herausforderungen. Zu diesem Schluss kommt der neue Weltrisikobericht, den das "Bündnis Entwicklung Hilft" und die Ruhr-Universität Bochum in Berlin vorstellten.

Das "Bündnis Entwicklung Hilft", bei dem sich mehrere Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, veröffentlicht den Weltrisikobericht seit sechs Jahren. Die Forscher berücksichtigen bei der Analyse nicht nur, wie häufig Länder statistisch betrachtet von Naturkatastrophen heimgesucht werden, sondern auch, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

Laut dem Weltrisikoindex, der in diesem Jahr das Katastrophenrisiko von 180 Ländern durch eine kombinierte Analyse von Naturgefahren und Verwundbarkeit der Gesellschaft analysiert, befinden sich die Regionen mit der höchsten Gefährdung in Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika sowie in West- und Zentralafrika.

Bündnis Entwicklung Hilft

Die drei Länder mit dem höchsten Katastrophenrisiko infolge extremer Naturereignisse sind demnach die Inselstaaten Vanuatu, Antigua und Barbuda sowie Tonga. Insgesamt gehören zehn Inselstaaten zu den 15 Ländern mit dem höchsten Katastrophenrisiko, da sie Naturgefahren wie dem Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen, Wirbelstürmen und teilweise Erdbeben besonders ausgesetzt sind.

Das Land mit dem niedrigsten Katastrophenrisiko weltweit ist Katar, der Kontinent mit dem niedrigsten Risiko Europa. Deutschland belegt Platz 163.

Von den Ländern mit der höchsten gesellschaftlichen Verwundbarkeit liegen 13 in Afrika. Das bedeutet, in diesen Ländern können Probleme im Wasserkreislauf die verheerendsten Folgen für das Zusammenleben der Menschen haben. An erster Stelle steht die Zentralafrikanische Republik, gefolgt vom Tschad, der Demokratischen Republik Kongo sowie Eritrea.

Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen laut Bericht wasserbedingte Probleme nicht nur in trockenen Gebieten, sondern weltweit. Extreme Naturereignisse wie Dürren am Horn von Afrika, Zyklone mit Überschwemmungen im südlichen Afrika oder in Asien brächten über Jahrzehnte etablierte Abläufe in der Wasserversorgung an ihre Grenzen.

Im Fall extremer Naturereignisse und gewaltsamer Konflikte kann es demnach je nach Situation noch weitaus schwieriger als in krisenfreien Zeiten werden, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten.

Der Weltrisikoindex macht erneut deutlich, dass eine sehr hohe Gefährdung durch Naturereignisse nicht notwendigerweise ein sehr hohes Risiko bedeutet. So sind beispielsweise die Niederlande in besonderem Maße durch den Meeresspiegelanstieg bedroht, haben aber gute Möglichkeiten, etwa durch Küstenschutz, ihr Risiko zu begrenzen. Dadurch liegt das Land im Index nur auf Platz 77.

Um das Risiko der am meisten betroffenen Länder zu senken, fordern die Autoren des Berichts nicht nur Maßnahmen auf lokaler Ebene, sondern auch mehr internationale Zusammenarbeit.

"Ohne den Willen der internationalen Gemeinschaft, die in Paris vereinbarten Klimaziele einzuhalten, werden Katastrophenschutzbehörden und lokale Initiativen wie etwa die Pflanzung von Mangrovenwäldern zur Eindämmung der Erosion von Küsten, lokale Frühwarnsysteme und Evakuierungsübungen von lokalen Gruppen nur eingeschränkt erfolgreich sein", heißt es in dem Bericht weiter. Maßnahmen müssten zudem flächendeckend umgesetzt werden und insbesondere den Ärmsten der Armen zur Verfügung stehen.

joe/AFP



insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SummseMann 12.09.2019
1. Fakten ohne Polemik
Könnte mir einer mal bitte ohne Polemik erklären warum das ansteigen des Meeresspiegel als unnatürlich angesehen wird. Wird sind am Ende einer Eiszeit (beide Pole sind noch eisbedeckt), etwas was schon sehr oft in der Erdgeschichte passiert ist. Natürlich steigt der Meeresspiegel. Auch ohne den vom Menschen verursachten Schaden würden die Meere ansteigen, wie es irgendwann auch wieder nur einen Kontinent geben wird. Ich habe das Gefühl dass manche wirklich denken Klima wäre etwas statisches was immer gleich bleibt.
richey_edwards 12.09.2019
2. Nicht nur in Bangladesh nimmt die Landmasse zu
und obwohl auch Erdbeben in den Gefärdungen auf der Karte enthalten sind sind wohl 90% lediglich mittel bis sehr gering gefärdet. Im Grunde zeigt die Karte wie ungefährlich der Klimawandel insgesamt ist.
Beat Adler 12.09.2019
3. Gruenes Frankreich: Kartoffelpreise 2019 PLUS 40%!
Gruenes Frankreich: Kartoffelpreise 2019 PLUS 40%! Rotes DRKongo, wo ich seit ein paar Jahren bin, keinen Rueckgang der Ernten. Erwarteter Zusammenbruch der Getreide- und Kartoffelernten auf der Nordhalbkugel, wegen den Aenderungen in der Arktis, dem Ueberschreiten des Schwellenwertes, Kippunktes der mangelnden Meereisbedeckung im Sommer, welche unseren Airconditioner der Nordhalbkugel, der seit ueber 300'000 Jahren uns, die modernen Menschen, versorgte, nun ausfallen laesst. Die Temperaturen der Arktis, in den verschiedenen Luftschichten, im Boden, im Eis, besonders auf der freien Meeresoberflaeche, stiegen schneller wie sonst wo auf Erden an. In der Folge aendert sich der Jetsream, der wiederum fuer die Grosswetterlagen der Nordhalbkugel verantwortlich ist, zu Extremwetter, Duerren, Hitze -und Kaeltewellen, Strakregenereignisse, Stuerme fuehrt und damit landwirtschaftliche Ernten vernichtet. Ist das in diesen Studien beruecksichtigt? mfG Beat
karl-felix 12.09.2019
4. Weil
Zitat von SummseMannKönnte mir einer mal bitte ohne Polemik erklären warum das ansteigen des Meeresspiegel als unnatürlich angesehen wird. Wird sind am Ende einer Eiszeit (beide Pole sind noch eisbedeckt), etwas was schon sehr oft in der Erdgeschichte passiert ist. Natürlich steigt der Meeresspiegel. Auch ohne den vom Menschen verursachten Schaden würden die Meere ansteigen, wie es irgendwann auch wieder nur einen Kontinent geben wird. Ich habe das Gefühl dass manche wirklich denken Klima wäre etwas statisches was immer gleich bleibt.
die Verbrennung von fossilen Rohstoffen durch den Menschen nicht natürlich ist . Diese Verbrennung führt zur zusätzlichen globalen Erwärmung und damit zum einen zum Schmelzen des Inlandeises, zum anderen zur Ausdehnung des wärmeren Wassers. Zusammen ergibt das den Anstieg der Meeresspiegel der weite dicht besiedelte Regionen des Globus bedroht und unbewohnbar machen kann. Die Folge wären Milliarden "Klimaflüchtlinge" . Wir sollten also aufhören , sinnlos alles zu verbrennen was uns in die Finger fällt und unsere Atmosphäre- Ihre Atemluft ist Ihr wichtigstes Lebensmittel - nicht weiterhin als billige/kostenlose Abgasmülldeponie missbrauchen . Saubere Luft schadet dem Klima nur indirekt und wir können unsere Häuser heizen , Auto fahren und Strom erzeugen ohne Kohle/Öl zu verbrennen . Wir müssen das nur wollen und tun .
HeisseLuft 12.09.2019
5. Der Ausgangspunkt ist schon falsch
Zitat von SummseMannKönnte mir einer mal bitte ohne Polemik erklären warum das ansteigen des Meeresspiegel als unnatürlich angesehen wird. Wird sind am Ende einer Eiszeit (beide Pole sind noch eisbedeckt), etwas was schon sehr oft in der Erdgeschichte passiert ist. Natürlich steigt der Meeresspiegel. Auch ohne den vom Menschen verursachten Schaden würden die Meere ansteigen, wie es irgendwann auch wieder nur einen Kontinent geben wird. Ich habe das Gefühl dass manche wirklich denken Klima wäre etwas statisches was immer gleich bleibt.
Die Prämisse ist schon falsch. Wir sind erstens nicht am Ende einer Eiszeit oder eines Glazials. Das Ende ist bereits im Zeitraum vor 20.000 bis 10.000 Jahren eingetreten. Wir sind derzeit in einem Interglazial, also einer Zwischenwarmzeit, und eigentlich eher an deren Ende: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaltzeit#/media/Datei:Atmospheric_CO2_with_glaciers_cycles.png Daher wäre im Zweifel eher eine Abkühlung zu erwarten, so wie es in den 70ern des vorigen Jahrhunderts auch noch prognostiziert wurde. Ergo ist die weitere Erwärmung und der Anstieg des Meeresspiegels sehr wohl etwas sehr ungewöhnliches.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.