Knochen-Schatzkammer Höhle verschluckte Vorzeit-Tiere

Verhängnisvolles Loch im Boden: Im Süden Australiens stürzten vorzeitliche Tiere in eine Höhle, wo Forscher nun ihre Überreste fanden. Die Knochen gehören zu nicht weniger als 70 Tierarten, darunter unbekannte Känguru-Arten und ein ausgestorbener Beutellöwe.

Die Landschaft ist karg. Nullarbor heißt die Wüste an der Großen Australischen Bucht im Süden des Landes, Bäume gibt es hier nicht. Auch andere Pflanzen sind nur spärlich gesät, auf Tiere stößt man hier kaum. Wer würde hier eine Schatzkammer der Naturgeschichte erwarten? Doch die sogenannten Thylacoleo-Höhlen in dieser Gegend zeigen: Früher sah es hier ganz anders aus. Sie beherbergen die vielfältigste Fauna aus dem Pleistozän - dem Erdzeitalter, das vor 1,8 Millionen begann und vor rund 11.500 Jahren endete.

Eine Gruppe von Paläontologen aus Australien und den USA hat in den Höhlen erstaunlich gut erhaltene Überreste von 70 Tierarten entdeckt. Darunter befanden sich acht bislang unbekannte Känguru-Arten sowie ein vollständiges Skelett eines Beutellöwen. Über ihre Funde berichten Gavin Prideaux vom Western Australian Museum in Perth und sein Team in der Wissenschaftszeitschrift "Nature".

Nach ihren Berechnungen lebten die Tiere vor etwa 100.000 bis 270.000 Jahren. Aufgrund der Lage der Fossilien vermuten die Fachleute, dass die Tiere durch eine Öffnung in die Höhle gefallen und dann gestorben waren.

Zu den bemerkenswerten Funden von Prideaux und seinen Kollegen gehören 69 Wirbeltierspezies sowie eine Schneckenart. Darunter sind beispielsweise ein Riesen-Wombat, ein hundeähnlicher Beutelwolf und insgesamt 23 Känguru-Arten. Die acht bislang unbekannten Känguru-Spezies schließen ein ungewöhnliches Wallaby mit großen Augenbrauenwülsten ein sowie zwei Baumkängurus, deren heutige Nachfahren ausschließlich in dichten Regenwäldern leben.

Großes Sterben nach Ankunft des Menschen

20 der in den Höhlen entdeckten Tierarten sind heute ausgestorben. Dazu zählt der Beutellöwe, den es seit etwa 50.000 Jahren nicht mehr gibt. Da auch von vielen der anderen Tiere die Skelette komplett erhalten sind, können die Forscher nun bereits zuvor entdeckte, aber bisher unbekannte Skelettteile den jeweiligen Arten zuordnen.

Viele der von den Paläontologen entdeckten Arten waren Pflanzenfresser. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass das Gebiet der heutigen Nullarbor-Wüste im Pleistozän eine höhere Pflanzenvielfalt aufgewiesen haben muss als heute. Zwar seien wohl keine geschlossenen Wälder vorgekommen. Der Fund von zwei Papageienarten und Baumkängurus lasse allerdings die Existenz einzelner Bäume wahrscheinlich erscheinen, betont Prideaux.

Den Untersuchungen zufolge herrschte in Südaustralien im Pleistozän ein ähnliches Klima wie heute. Die Tiere waren demnach an trockene Verhältnisse angepasst, weshalb ein Klimawandel als alleinige Ursache für das Aussterben der Arten nicht infrage kommt, schlussfolgern die Autoren. Sie vermuten vielmehr, dass im Süden ebenso wie in anderen Teilen Australiens die großen Pflanzenfresser etwa zu der Zeit verschwanden, als der Mensch den Kontinent eroberte.

hei/ddp