Wichtiger Batterierohstoff Forscher gewinnen Kobalt aus Bergbau-Abfall

Die Nachfrage nach Kobalt steigt – weil der Rohstoff zum Beispiel für die Batterien von Elektroautos benötigt wird. Bei Laborversuchen konnte das Metall nun aus Bergbaurückständen aus dem Harz gewonnen werden.
Bohrplattform im Bergeteich bei Goslar (Archivbild)

Bohrplattform im Bergeteich bei Goslar (Archivbild)

Foto: Swen Pförtner / dpa

Der Rohstoff Kobalt ist auf den Weltmärkten zurzeit stark nachgefragt – und das dürfte auch auf absehbare Zeit so bleiben. Grund dafür ist seine Verwendung unter anderem für die Batterieproduktion von Elektrofahrzeugen. Forscher arbeiten zwar daran, den Kobaltgehalt der Akkus zu reduzieren und stattdessen eher auf Alternativen wie Nickel zu setzen. Doch damit steigt im Zweifel auch das Brandrisiko, weswegen man auf Kobalt nicht ganz verzichten können wird .

Ein Großteil des weltweit gehandelten Kobalts wird in Afrika gefördert, in manchen Fällen auch unter problematischen Bedingungen. Doch nun ist einem deutsch-chinesischen Forscherteam zumindest im Labor ein interessantes Experiment geglückt: Sie haben Kobalt aus Bergbaurückständen im Harz gewinnen können.

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Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) berichtet über die Versuche mit Proben aus einem Gewässer bei Goslar. Mit dem Verfahren der sogenannten Biolaugung seien 91 Prozent des in den dort vorkommenden Rückständen enthaltenen Kobalts extrahiert worden, so die Behörde. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse in einem Fachartikel im Magazin »International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology«  zusammengefasst.

Das Kobalt wird mithilfe von säureliebenden Bakterien aus Gesteinen gelöst, die beim jahrhundertelangen Bergbau in der Region gefördert und dann weggeworfen wurden. Die Mikroorganismen gehören zur Gattung Sulfobacillus, die auch zur Metallgewinnung aus anderen Erzen und Reststoffen eingesetzt werden. Mit ihrer Hilfe werden bei der sogenannten Biolaugung unlösliche Metallverbindungen in eine wasserlösliche Form umgewandelt. Diese kann dann weiterverarbeitet werden.

Bei den Untersuchungen entdeckten die Forschenden eine neue Bakterienart, die den Namen Sulfobacillus harzensis erhielt. Die winzigen Organismen mampften sich durch Proben, die das Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik der Technischen Universität (TU) Clausthal zur Verfügung gestellt hatte.

Mehr als tausend Tonnen Kobalt enthalten

Bereits seit einigen Jahren wird erforscht, wie die im sogenannten Bergeteich Bollrich gesammelten mineralischen Reste des stillgelegten Erzbergwerks Rammelsberg im Harz aufbereitet und veredelt werden können. Im Fokus standen zunächst Sondermetalle wie Indium und Kobalt, aber auch Kupfer, Blei, Zink, Silber und Gold. Nun hat der Ansatz auch beim Kobalt Erfolge gebracht.

Ob das Verfahren tatsächlich im großen Maßstab eingesetzt wird, muss sich zeigen. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage, zu welchem Preis der Kobalt auf diese Weise produziert werden kann – und wo eine Aufbereitung des Rohstoffs möglich wäre. Die potenzielle Ausbeute wäre jedenfalls nicht klein: Nach Angaben der TU Clausthal sollen in den Rückständen allein am Rammelsberg rund 1221 Tonnen Kobalt enthalten sein.

chs/dpa