Kognitive Fähigkeiten Krähen sind extrem clevere Werkzeugnutzer

Krähen können komplizierte Aufgaben mit Hilfe von Werkzeugen lösen - und legen dabei ein verblüffendes Abstraktionsvermögen an den Tag. Wissenschaftler in Neuseeland haben in einem Experiment gezeigt, dass die Tiere ihre Hilfsmittel höchst strategisch zum Einsatz bringen.
Krähe beim Spielen: Vögel besitzen hohes Abstraktionsvermögen

Krähe beim Spielen: Vögel besitzen hohes Abstraktionsvermögen

Foto: HANS EDINGER/ ASSOCIATED PRESS

London - Der Versuchsaufbau erinnert an ein Geschicklichkeitsspiel: Um an die Belohnung heranzukommen, muss man eine Kiste mit einem Loch öffnen. Dafür braucht man einen langen Stock. Doch, oh weh, der liegt in einer Gitterbox. Und nur mit Hilfe eines zweiten, kleineren Stocks lässt er sich dort herausmanövrieren. Dumm nur, dass dieses so dringend benötigte Hölzchen an einer Schnur von der Decke hängt…

Um an ein Stück Fleisch zu kommen, können Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) diese Aufgaben jedoch durchaus bewältigen, wie Forscher um Alex Taylor von der neuseeländischen University of Auckland nun gezeigt haben. Die Wissenschaftler hatten sieben der Tiere in freier Wildbahn gefangen und anschließend ihre kognitiven Fähigkeiten untersucht. Im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B"  berichten sie über ihre Ergebnisse.

Vier Krähen waren demnach bereits aus früheren Aufgaben damit vertraut, einen mit einer Schnur verbundenen Stock zu benutzen, um an Nahrung heranzukommen. Die zweite Gruppe war noch weiter: Diese Krähen hatten zusätzlich schon Schnur oder Stock einzeln verwendet, um ein zweites Werkzeug zu erreichen. Diese Fortgeschrittenen mussten also nur noch die einzelnen Handlungen gedanklich verbinden. Die "Anfänger" aus der ersten Gruppe mussten dagegen neue Verhaltensweisen erlernen.

Alle drei fortgeschrittenen Krähen konnten die komplizierte neue Aufgabe problemlos im ersten Versuch lösen. Dies gelang auch zwei Krähen aus der Vierer-Gruppe - die beiden anderen mussten drei- bis viermal üben, bis sie es schließlich auch schafften.

Ähnliche Experimente hatten bereits zuvor die erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten der Vögel bewiesen. Einige Forscher waren aber der Ansicht, dass die Krähen dabei keine kausalen Überlegungen machten, wie etwa "ein erstes Werkzeug ist nötig, um in den Besitz eines zweiten zu kommen, was dann der Schlüssel zur Nahrung ist". Vielmehr würden die Rabenvögel von unerreichbaren Dingen wie einem langen Stock in einer Box angezogen, diesen deshalb mit einem anderen kürzeren Stock herausangeln und dann erst bemerken, dass mit dem langen Stock die Nahrung erreichbar werde.

In der aktuellen Studie konnten die Handlungen der Krähen aber nicht mit einem solchen Lernmodell erklärt werden. Die Wissenschaftler hatten nämlich vor dem Experiment den kurzen Stock für die Krähen zu einem unattraktiven Objekt gemacht: Sie ließen die Krähen mehrmals erfolglos versuchen, mit diesem Werkzeug das Fleischstück zu erreichen.

Nach Ansicht von Taylor und seinen Kollegen stellten die Krähen dadurch eine gedankliche Verbindung her: "kurzer Stock gleich ungeeignetes Werkzeug". Erst eine bewusste Erkenntnis, dass der kurze Stock als Mittel nötig ist, an die begehrte Nahrung zu kommen, konnte dann diese Assoziation wieder löschen und so zum erfolgreichen Lösen der Aufgabe verhelfen, glauben die Wissenschaftler.

chs/ddp
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.