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02. April 2012, 15:36 Uhr

Trotz Atomausstieg

Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland geht zurück

Trotz Atomausstieg und starker Konjunktur: Industrie und Energieversorger in Deutschland haben 2011 weniger Kohlendioxid ausgestoßen als im Vorjahr - und blieben unter der erlaubten Grenze.

Berlin - Erfreuliche Meldungen im Bereich Klimaschutz sind selten, die Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt (UBA) hatte am Montag eine solche: Nach Angaben der Experten aus Dessau ist der Kohlendioxid-Ausstoß der deutschen Industrieanlagen im vergangenen Jahr trotz des vergleichsweise hohen Wachstums gesunken. Die Menge in den vom Emissionshandel erfassten Bereichen ging um ein Prozent zurück. So konnte auch die in Deutschland starke Wirtschaftstätigkeit offenbar durch bessere Energieeffizienz ausgeglichen werden.

Die 1640 handelspflichtigen Anlagen hätten "trotz sehr starker Konjunktur und Atomausstieg" rund 450 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen und seien damit knapp unter der erlaubten deutschen Obergrenze von 452,8 Millionen Tonnen geblieben.

Damit setze sich der Rückgang seit 2008 fort. UBA-Präsident Jochen Flasbarth wertete das als Zeichen, dass auch der Emissionshandel zur Verbesserung der Lage beigetragen habe. Der Trend belege "den Spielraum für eine mögliche Anpassung des europäischen Klimaziels".

Industrie und Energieversorger bekommen im Zuge des EU-Handels mit Verschmutzungsrechten einen bestimmten Anteil von Rechten zugeteilt. Produzieren sie weniger oder umweltfreundlicher, können sie überschüssige Rechte an der Börse verkaufen. Umgekehrt müssen Betriebe, die ihr Budget ausgeschöpft haben, zukaufen. Der Preis pro Tonne CO2 war zuletzt auf rund sieben Euro zurückgegangen. Auch die Strompreise werden auf diesem Weg von den CO2-Emissionen beeinflusst, da sie in die Tarife mit einfließen.

Löwenanteil der Emissionen entfällt auf Kohlendioxid

Bis 2020 will Deutschland die Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent vermindern. Knapp zwei Drittel des Weges seien also geschafft - und man könne feststellen, dass von der Klimaschutzpolitik gleichzeitig Impulse für Wirtschaftswachstum, Innovation und Beschäftigung ausgehen würden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Der größte Teil der deutschen Treibhausgas-Emissionen fällt auf Kohlendioxid (CO2) - es nimmt einen Anteil von 87,4 Prozent ein, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Der Ausstoß geht größtenteils auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurück. Die Emission anderer Treibhausgase sei dagegen weiter gesunken.

Der Ausstoß von Methan machte laut Bericht 5,1 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus. Das Gas entsteht unter anderem in der Tierhaltung. Knapp sechs Prozent gehen auf Lachgas zurück, das unter anderem in der Landwirtschaft, bei industriellen Prozessen sowie bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht.

nik/dpa/dapd

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