Kolibris Insektenjagd mit dem Biege-Schnabel

Kolibris sind vor allem dafür bekannt, selbst in schmalsten Blüten noch an den Nektar zu gelangen. Neue Studien zeigen jetzt: Die kleinen Vögel verstehen sich auch auf die Insektenjagd.


Kolibri beim Nektartrinken: Der Schnabel ermöglicht auch die Insektenjagd
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Kolibri beim Nektartrinken: Der Schnabel ermöglicht auch die Insektenjagd

Insektenfressende Vögel haben in der Regel kurze Schnäbel, die sich weit öffnen lassen. Die große Oberfläche in der Nähe der Mundhöhle erleichtert die Jagd auf die kleinen Lebewesen. Bei Kolibris nahm man bisher an, dass ihr dünner, langer Schnabel für die Insektenjagd ungeeignet sei. Doch dieser erweist sich nach neuen Erkenntnissen als Wunderwaffe.

So können Kolibris ihren Unterkiefer verbiegen und den Schnabel dadurch wesentlich weiter öffnen. Die Vögel fangen dann ihre Beute - zum Beispiel Fruchtfliegen - indem sie einfach auf sie zufliegen. Über ihre Entdeckung berichten Gregor Yangega und Margaret Rubega von der University of Connecticut im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Band 428, Seite 615).

Möglich wurden die neuen Erkenntnisse über die flinken Vögel durch die Verwendung spezieller Hochgeschwindigkeits-Videoaufnahmen. Ins Visier der Kameras nahmen die Forscher Rubinkehlkolibris, Blaukehlnymphen und Dickschnabelkolibris. Bei allen drei Kolibri-Arten das gleiche Ergebnis: Auf der Jagd biegen die Vögel ihren Unterkiefer kurz hinter dem Schnabelansatz durch.

Diese Fähigkeit ist für Vögel einzigartig. Bislang sind nur einige Arten mit einem flexiblen Oberkiefer bekannt. Die Entdeckung wirft aber gleich neue Fragen auf. Denn die Kolibris haben kein Gelenk im Unterkiefer. Sämtliche Knochen sind miteinander verbunden. Erste Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Die dünnen Knochen werden auf komplizierte Art bei der Jagd verbogen.



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