Komodowarane Giftcocktail hilft Riesenechsen beim Töten

Komodowarane werden bis zu drei Meter lang, doch ihre Kiefer sind relativ schwach. Damit sie dennoch große Beutetiere wie Büffel oder Ziegen zu Strecke bringen können, setzen die Echsen einen tödlichen Cocktail ein.


Washington - Sie sind die größten lebenden Echsen, und sie lieben das ganz große Fressen: Komodowarane können, wenn sie einmal loslegen, bei einer Mahlzeit bis zu 80 Prozent ihres Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Im Extremfall sind noch nicht einmal Ziegen oder Büffel vor den bis zu drei Meter langen Raubtieren sicher.

Ein internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, wie die Riesenechsen ihre Beute zur Strecke bringen. Dabei konnten sie erstmals nachweisen, dass Gift eine entscheidende Rolle spielt. Komodowarane schwächen ihre Opfer mit der Substanz, um sie dann leichter töten und verspeisen zu können. Bisher gingen die meisten Forscher davon aus, Bakterien im Speichel der Tiere führten bei den Opfern zu Infektionen und schweren Blutvergiftungen. Dadurch würden die Beutetiere innerhalb weniger Tage so geschwächt, dass die Warane sie leicht töten könnten.

Schwache Kiefer, wirksames Gift

Die Wissenschaftler um Bryan Fry von der University of Melbourne fanden nun aber Giftdrüsen an den Echsen und konnten sogar die Zusammensetzung des Giftes analysieren. Die Tiere setzen demnach auf das Gift, um einen entscheidenden Nachteil auszugleichen: Ihre Kiefer sind vergleichsweise schwach. Ähnlich große australische Salzwasserkrokodile zum Beispiel, so konnten die Forscher in Computeranalysen zeigen, beißen mit der sechseinhalbfachen Kraft zu. Ihre Schwäche gleichen die Warane deshalb mit Gift aus, schreiben Fry und seine Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Als sie einen Echsenschädel in einem Magnetresonanztomografen untersuchten, konnten die Wissenschaftler spezielle Giftdrüsen ausfindig machen. Sie sitzen im Unterkiefer und produzieren die Substanz, die beim Biss in ein Beutetier abgegeben wird. Genau genommen stoßen die Warane gleich einen ganzen Giftcocktail aus, wie biochemische Analysen ergaben.

Die Forscher hatten zuvor einem todkranken Waran eine Giftdrüse entnommen und die von ihr produzierten Substanzen näher untersucht. Sie entdeckten eine Mischung aus mindestens fünf Toxinen. Sie bewirkt unter anderem einen Schock durch Absenken des Blutdrucks und durch starke Blutungen. Das könnte auch Beobachtungen erklären, nach denen manche Beutetiere nach einem Biss in eine Art Starre fallen.

Bereits die ausgestorbenen, noch deutlich größeren Verwandten des Komodowarans dürften über die Giftwaffe verfügt haben, glauben die Forscher. Ausgangspunkt dafür sind anatomische Vergleiche. Die Riesenwarane der Gattung Megalania wurden bis zu fünfeinhalb Meter lang, wogen über 500 Kilogramm und starben vor rund 45.000 Jahren aus. In anderen Schätzungen finden sich sogar Massen von bis zu zwei Tonnen und Körperlängen von sieben Metern.

chs/ddp



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