Konzept gegen Klimawandel Die Welt soll weiß werden

Weiße Autos, weiße Dächer, hellere Straßen - der amerikanische Energieminister Steven Chu will die Welt umfärben, um die Erderwärmung zu bekämpfen. Der Vorschlag klingt verrückt - ist aber durchaus ernst gemeint.
Von Christian Schwägerl

Mit Farbe das Klima retten - diese Idee hat jetzt US-Energieminister Steven Chu vorgestellt. Möglichst alle Dächer in Amerika und sogar weltweit sollten mit weißer Farbe gestrichen werden, sagte Chu bei einem Nobelpreisträgertreffen in London. Dadurch würde deutlich mehr Sonnenlicht reflektiert als bei normalen Dächern. "Die Energie geht zurück in den Weltraum statt in den Stein", sagte Chu.

Die Gebäude müssten dadurch weniger klimatisiert werden, was erheblich zum Energiesparen beitrage. Zudem werde weniger Wärme in Bodennähe gespeichert.

Auch Straßen sollten heller gestrichen werden, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, forderte der Physik-Nobelpreisträger. "Wenn man das konsequent durchzieht, spart man so viel Kohlendioxid ein, wie alle Autos weltweit in elf Jahren ausstoßen", sagte Chu. Er forderte zudem Autohersteller auf, Autos hauptsächlich in weißer Farbe zu vermarkten. Dann könnten die Klimaanlagen kleiner dimensioniert werden, was Sprit spare. "Das wären im wahrsten Sinn coole Autos", sagte Chu.

In London haben sich bis Donnerstag Nobelpreisträger zu einer Konferenz über die Gefahren des Klimawandels versammelt. Sie wollen ein Memorandum verfassen, das die politischen Verhandlungen im Vorfeld des Uno-Weltklimagipfels im Dezember in Kopenhagen beeinflussen soll.

Chus Vorschlag reiht sich ein in eine ganze Reihe von Ideen zum sogenannten Geoengineering. Dazu gehören unter anderem eine ganze Armada von Geisterschiffen, die Wolken heller machen soll, und ein gigantischer Teppich aus Sonnensegeln im All, der die Sonnenstrahlung Richtung Erde verkleinert. Auch das gezielte Verteilen von Aerosolen in hohen Atmosphärenschichten, etwa Schwefelpartikel, gehört dazu, wobei die Nebenwirkungen der Methode jedoch enorm sein dürften. Ein Experiment zur Ozeandüngung mit Eisen brachte nur enttäuschende Ergebnisse .

Zum Auftakt der Konferenz in London forderte der deutsche Initiator Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Chu auf, Amerika müsse bei den Uno-Klimaverhandlungen eine Führungsrolle übernehmen.

Chu sagte, die USA seien bereit, beim Klimaschutz vor Ländern wie China mit stark wachsenden Kohlendioxidemissionen zu handeln und so ein Vorbild zu geben. "Chinas Emissionen als Entschuldigung dafür zu nutzen, nichts zu tun, geht nicht mehr", sagte Chu mit Bezug auf die frühere US-Regierung von George W. Bush. Aber die chinesische Führung wisse selbst, dass sie die Zukunft ihres Landes gefährde, wenn sie nicht selbst gegen den Klimawandel vorgehe. "Wir hoffen, dass China handeln wird, wenn die USA vorangehen", sagte der Energieminister.

Er räumte zugleich ein, dass es schwer sei, die wissenschaftlich angemessenen Kohlendioxidreduktionen in den USA durchzusetzen. "Wir müssen darauf setzen, dass wir die Ziele, die wir politisch durchsetzen können, in Wirklichkeit noch deutlich übertreffen", sagte Chu. Erst vor wenigen Tagen hatte Chu ein Scheitern der ambitionierten Klimarettungspläne in den USA nicht ausgeschlossen. Präsident Barack Obama will mit seinem Klimagesetz ein wichtiges Wahlversprechen einlösen.

Nobelpreisträger warnten auf der Londoner Tagung vor den katastrophalen Folgen eines ungebremsten Klimawandels.

Konferenz-Initiator Schellnhuber verglich mit der Situation vor über 50 Jahren, als Bertrand Russell und Albert Einstein ein Manifest gegen das atomare Wettrüsten der Supermächte USA und Sowjetunion verfasst hatten. "Die Bedrohung ist anders, aber ebenso gravierend", sagte Schellnhuber.

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