Warnsignal aus dem Ozean Korallenbleichen folgen in immer kürzeren Abständen

Korallenbleichen sind eine Katastrophe für Riffe - doch im Idealfall können sie sich davon erholen. Inzwischen treten die Probleme aber so häufig auf, dass die Regeneration immer seltener möglich ist.
Korallenbleiche am Great Barrier Reef (im Mai 2016)

Korallenbleiche am Great Barrier Reef (im Mai 2016)

Foto: DPA / XL Catlin Seaview Survey

Korallenriffe bleichen immer häufiger aus. Die Abstände zwischen zwei dieser katastrophalen Ereignisse hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verkürzt. Betrug der Abstand an einem Standort zu Beginn der achtziger Jahre im Schnitt noch 25 bis 30 Jahre, so sind es seit 2010 nur noch 6 Jahre.

Die Zahlen stammen von einem Team um Terry Hughes von der James Cook University in Townsville (Australien). Die Abstände seien zunehmend "zu kurz für eine komplette Erholung der vollentwickelten Gemeinschaften" am Riff, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" . Die Erholung dauere 10 bis 15 Jahre für die schnellsten Arten und weit länger für die gesamte Gesellschaft.

Korallenriffe bieten Schutz, Nahrung und Jagdgründe für zahlreiche Meereslebewesen. Das Absterben von Korallen gilt deshalb vielen Wissenschaftlern als ein Warnsignal, dass sich die Artenvielfalt im Ozean künftig stark verringern könnte.

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Great Barrier Reef: Das große Sterben

Foto: AFP/ Kerry Bell/ ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies

Bei einer Korallenbleiche sterben winzige Algen ab, die mit den Korallen in einer Lebens- und Nahrungsgemeinschaft, einer Symbiose, leben. Die Koralle erhält von ihnen gewöhnlich Nährstoffe, dafür bietet sie ihnen unter anderem Halt und Schutz. Sterben die Korallenbewohner ab, wird das helle Korallenskelett sichtbar. Wenn eine solche Bleiche länger andauert, sterben die Korallen ganz ab. Als Hauptursache gelten steigende Wassertemperaturen.

Weltweit haben die Riffe mit solchen Problemen zu kämpfen. Bei einer großen Bleiche am Great Barrier Reef vor Australien sind mehr als ein Viertel der Flachwasserkorallen gestorben. Das Ereignis gilt als schlimmste Bleiche in der bekannten Geschichte des Riffs. Hier gehen Forscher davon aus, dass sich das Ökosystem nicht mehr erholen kann. Auch von Japans größtem Riff werden massive Probleme gemeldet, zwei Drittel der Fläche sollen betroffen sein.

Hughes und Kollegen haben Messdaten von 100 Korallenbänken rund um den Globus zusammengetragen, zwischen 31 Grad nördlicher und südlicher Breite. Eine Standardisierung sorgte dafür, dass die Daten von 1980 bis 2016 vergleichbar wurden. Unterschieden wurde auch nach der Intensität der Korallenbleiche: Waren weniger als 30 Prozent eines Riffs betroffen, ordneten die Forscher das Ereignis als moderat ein. Bei einer höheren Prozentzahl galt die Bleiche als schwerwiegend. An nur 6 der 100 untersuchten Orte hat es bisher noch keine schwerwiegende Bleiche gegeben.

"Die Massensterblichkeit von Korallen ist weltweit zur Norm geworden, während die Temperaturen weiter steigen", so Hughes in einer Mitteilung seiner Universität. Dabei beschränken sich die schweren Bleichen nicht mehr auf die Zeiten des Klimaphänomens El Niño, das in zahlreichen Meeresregionen für überdurchschnittliche Wassertemperaturen sorgt. "Jetzt sehen wir das Aufkommen von Bleichen in jedem heißen Sommer", sagt Co-Autor Mark Eakin von der National Oceanic and Atmospheric Administration in College Park (US-Bundesstaat Maryland).

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Global gesehen ist das Risiko einer Korallenbleiche zwischen 1980 und 2016 jedes Jahr um knapp vier Prozent gestiegen. Dabei stellten die Forscher jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen den durchschnittlichen Meerestemperaturen und Korallenbleichen fest.

Arbeit an Rettungsstrategien

Vielmehr ereignen sich die Bleichen während Perioden großer Hitze. Die globale Erwärmung lässt Hitzewellen jedoch wahrscheinlicher werden. "Wir hoffen, dass unsere deutlichen Ergebnisse dazu beitragen werden, Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase in Australien, den USA und anderswo voranzutreiben", so Forscher Hughes.

Weltweit arbeiten Forscher an Techniken, um beschädigte Korallenriffe zumindest teilweise wiederherstellen zu können. Am Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie etwa züchten Biologen besonders widerstandsfähige Exemplare. Sie haben herausgefunden, dass die nördlichen Korallen aus dem Roten Meer womöglich mehr Stress aushalten, als ihre Artgenossen am Äquator und in südlicheren Regionen.

Forscher um Valerie Chamberland, die für die Korallenschutzorganisation "Secore" arbeitet, haben gerade im Fachmagazin "Scienfific Reports"  berichtet, wie sich im Labor gezüchtete Korallen besonders effektiv an Riffen ausbringen lassen: Larven siedeln dabei zunächst auf etwa zehn Zentimeter messenden Betonteilen. Diese werden dann in Spalten des gefährdeten Riffs abgeworfen - und breiten sich von dort aus.

chs/dpa
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