Ein Netz der Artenvielfalt Korallenriffe können untereinander kommunizieren

Korallenriffe gelten als Hotspots der Artenvielfalt. Dabei sind die schillernden Unterwasserwelten keine separierten Naturwunder, zeigt eine Studie – sondern durch ein cleveres Netzwerk miteinander verbunden.
Korallenriff in Französisch-Polynesien

Korallenriff in Französisch-Polynesien

Foto: Joao Paulo Krajewski / dpa

Korallenriffe sind so etwas wie die Rummelplätze der Meere: bunt bis grell, strotzen sie nur so vor Leben und bieten Raum für unzählige Arten. Zudem sichern die Unterwasserschauplätze auch den Menschen im Umfeld den Lebensunterhalt, indem sie Tourismus und Fischerei ermöglichen. Eine Studie zeigt nun, dass Korallenriffe keine separierten Lebensräume sind, sondern rund um die Erde miteinander im Austausch stehen.

Denn bei vielen Fischarten treiben die Larven entlang der Meeresströmungen von den Laichgebieten zu ihren Kinderstuben – sodass manche Korallenriffe eher Quellgebiete der Artenvielfalt sind, andere Durchgangszonen und wiederum andere Empfängerregionen.

Mehr als 70 Prozent der für diese Netzwerke wichtigen Riffe stünden nicht unter Schutz, berichtet das internationale Forschungsteam um Luisa Fontoura von der Macquarie University in Sydney in der Zeitschrift »Science« . Angesichts der überragenden Rolle von Korallenriffen für die Artenvielfalt und oft auch für die lokale Wirtschaft müsse die Rolle solcher Zonen bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten stärker berücksichtigt werden.

»Weltweit liegen derzeit 29 Prozent der Verteilungskorridore, 26 Prozent der Empfängergebiete von Larven und 24 Prozent der Quellregionen in Meeresschutzgebieten«, stellt das Team fest. Allerdings gebe es große regionale Schwankungen. Ausgerechnet im Indopazifik, der viele besonders wichtige und artenreiche Riffe enthalte und wo besonders viele Menschen von der Fischerei abhingen, gebe es nur wenige Schutzgebiete. Lediglich fünf bis 8,5 Prozent der bedeutenden Funktionsräume stünden dort unter Schutz, schreibt das Team und verweist vor allem auf Südostasien.

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Anhand von Modellierungen der Ozeanströmungen und Charakteristika verschiedener Fischgruppen untersuchten die Forscher die Rolle von 272 Korallenriffen in den äquatornahen Regionen rund um die Erde. Gerade jene Korallenriffe, die besonders viele Larven empfangen, enthalten demnach nicht nur extrem viele Arten, sondern entwickeln grob doppelt so viel Biomasse wie die Ursprungsregionen. Daher seien sie auch besonders widerstandsfähig gegen Eingriffe des Menschen, sofern nachhaltig gefischt werde. Ursprungsregionen von Larven reagierten dagegen empfindlicher und sollten daher besonders geschützt werden.

Fische an einem Korallenriff

Fische an einem Korallenriff

Foto: Joao Paulo Krajewski / dpa

»In Korallenriffen tragen verschiedene Fischgruppen auf unterschiedliche Weise zu den Funktionen der Ökosysteme bei«, wird Fontoura in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. »Während große fleischfressende Fische mit einer relativ kurzen Laichsaison einen deutlichen Beitrag zur lokalen Fischerei leisten, sind kleine Rifffische, die sich regelmäßiger über das Jahr fortpflanzen, für einen Großteil der erstaunlichen Fischvielfalt verantwortlich, die wir heute an Korallenriffen beobachten.«

In den letzten Jahren hatten Forscher mehrfach auf den schlechten Zustand vieler Korallenriffe weltweit hingewiesen. Ursachen sind vor allem die Überfischung, die Verschmutzung der Meere sowie der Klimawandel. Dieser kann über steigende Wassertemperaturen zur berüchtigten Korallenbleiche führen. Durch solche Korallenbleichen hat etwa das Great Barrier Reef vor der Küste von Australien – das größte Korallenriff der Welt – binnen weniger Jahrzehnte einen großen Teil seiner Korallen verloren.

joe/dpa