Korrigierte Gewichtsangaben Forscher diskutieren über Light-Dinosaurier

Waren Dinosaurier in Wirklichkeit Leichtgewichte? US-Forscher haben ein neues Rechenmodell vorgestellt, nachdem die Masse zahlreicher Dinosaurierarten drastisch nach unten korrigiert werden müsste - in einem Fall zum Beispiel von 38 auf 18 Tonnen.

London - Viele Menschen werden ihn als Brontosaurus kennen. Doch tatsächlich handelt es sich bei dem pflanzenfressenden Riesen, der im Oberjura durch Nordamerika stampfte um einen Apatosaurus. Sein Entdecker Othniel Charles Marsh hatte ihn versehentlich für eine eigene Art gehalten und ihm deswegen einen eigenen Namen verpasst. Später zeigte sich dann, dass der korrigiert werden muss.

Apatosaurus-Modell (in New York, 2005): Gewichtskorrektur nötig

Apatosaurus-Modell (in New York, 2005): Gewichtskorrektur nötig

Foto: SETH WENIG/ REUTERS

Eine neue Studie legt nun nahe, dass es bei den prähistorischen Riesen der Apatosauren weiteren Korrekturbedarf gibt - mit möglicherweise weitreichenden Folgen auch für andere Arten. Gary Packard von der Colorado State University berichtet zusammen mit Kollegen im Fachmagazin "Journal of Zoology" über eine neue Gewichtsabschätzung für die Tiere. Ihre Erkenntnisse legen nahe, dass die Dinosaurier möglicherweise nur halb so massig waren wie vermutet. Packard und seine Kollegen haben sich ein Modell zur Abschätzung des Körpergewichts von Dinosauriern angesehen, das in den achtziger Jahren publiziert wurde und noch heute verwendet wird.

Die Forscher haben nun allerdings bei der Analyse der Originaldaten festgestellt, dass das Modell mit Fehlern behaftet ist. Deswegen schlagen sie einen neuen Ansatz zur Massenbestimmung vor. Er basiert auf der Annahme, dass sich aus den Umfängen bestimmter Knochen indirekt die Maße von Tieren bestimmen lassen. Um das neue Verfahren zu testen, fütterten die Forscher ihr System mit der Summe vom Umfang des Oberarm- und des Oberschenkelknochens heute lebender Tiere und verglichen sie mit der von Skeletten.

Bei der Analyse der Daten mit dem alten und mit dem neuen Modell stellten die Wissenschaftler dann fest, dass das alte Modell die Tiere schwerer macht, als sie tatsächlich sind: Es berechnet beispielsweise für einen heute lebenden Elefanten ein Körpergewicht von rund neun Tonnen. Tatsächlich wiegen jedoch selbst besonders große Elefanten nicht viel mehr als fünf Tonnen. Das neue Modell sagte hingegen Werte von rund sechs Tonnen voraus, was dem tatsächlichen Wert näher kommt.

Doch was heißt das nun für die Dinosaurier? Nach dem neuen Modell wäre ein Exemplar von Apatosaurus louisae nurmehr 18 Tonnen schwer gewesen - und nicht die bislang geschätzten 38 Tonnen. Die Ergebnisse könnten weitreichende Folgen haben - schließlich gibt die Körpergröße von Dinosauriern Aufschluss über deren Lebensweise: Wie viel Energie brauchten sie? Was haben sie gefressen, und wie haben sie sich bewegt? Das neue Modell soll nun genauere Daten liefern und damit eine Neubewertung solcher Fragen ermöglichen. Klar dürfte sein, dass leichtere Dinosaurier auch einen geringeren Energieverbrauch gehabt hätten.

chs/ddp
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