Kostbare Luftfracht Meteoriten sollen Edelmetalle zur Erde gebracht haben

Eigentlich dürfte es Gold, Platin und andere Edelmetalle gar nicht an der Erdoberfläche geben - jedenfalls nach den gängigen Theorien zur Bildung der Erdkruste. Forscher glauben, dass kosmischen Altmetalltransporter die komplette Menge der wertvollen Elemente zu uns gebracht haben.


Ehering aus Gold? Autokatalysator mit Platin-Elementen? Edel-Sonnenbrille mit UV-Filter aus Iridium? Das dürfte es eigentlich alles gar nicht geben. Schuld daran sind die Vorgänge bei der Entstehung unserer Erde vor gut viereinhalb Milliarden Jahren - und die chemischen Präferenzen bestimmter Stoffe. Metalle wie Gold, Platin und Iridium verbinden sich unter bestimmten Bedingungen sehr gern mit Eisen. Deswegen sind sie auf der Ur-Erde im geschmolzenen Zustand in den eisenreichen Kern gewandert - und müssten deswegen von der Oberfläche unseres Planeten komplett verschwunden sein.

Meteorit ("Neuschwanstein 3", Archivbild): Weltweit sind 175 Meteoritenkrater bekannt
DPA

Meteorit ("Neuschwanstein 3", Archivbild): Weltweit sind 175 Meteoritenkrater bekannt

Dass es dort trotzdem immer einmal wieder Vorkommen der raren Metalle gibt, dafür machen Wissenschaftler seit jüngstem Meteoriten verantwortlich. Sie sollen die preziöse Fracht auf die Erde gebracht haben. Der Mainzer Forscher Gerhard Schmidt stellte am Montag eine Studie vor, in der er das gesamte oberflächennahe Vorkommen der Edelmetalle auf der Erde mit Meteoriteneinschlägen erklärt.

Seiner Meinung nach hätten 160 metallische Meteoriten von jeweils 20 Kilometer Durchmesser genügt, um die an der Erdkruste zu beobachtende Konzentration der Edelmetalle zu erklären. Sie könnten 20 bis 30 Millionen Jahre nachdem sich die Erde geformt hat auf der Erde eingeschlagen sein. Auch der Zusammenstoß mit einem besonders großen Himmelskörper, etwa von der Größe des Mars könnte die oberflächennahen Edelmetallvorkommen erklären. Forscher glauben, dass bei solch einem Mega-Zusammenstoß auch der Mond entstanden sein könnte.

Nach Angaben der Forscher sind weltweit 175 Meteoritenkrater bekannt. Allerdings hat man nur rund 40 dazugehörige Meteoriten gefunden. Die Hälfte von ihnen ist aus metallischem Material. Innerhalb von zwölf Jahren hatte Schmidt zusammen mit Kollegen die Konzentration von Edelmetallen an Einschlagstellen von Meteoriten rund um den Globus gemessen. Die Ergebnisse hatten die Forscher dann mit Proben der Erdkruste an anderen Stellen sowie mit Daten von Mondgestein und Marsmeteoriten verglichen.

Keiner der bekannten Meteoriten spiegelte genau die Konzentration der wertvollen Metalle an der Erdoberfläche wieder. Doch Schmidt und seine Kollegen haben dafür eine Erklärung: Sie glauben, dass die für den Metalltransport entscheidenden Meteoriten aus dem Bereich des Sonnensystems zwischen Merkur und Venus gekommen sein müssen. Und genau aus diesem Bereich gibt es noch keine bekannten Fundstücke auf der Erde.

Die chemischen Elemente im Meteoriten kommen je nach kosmischer Entstehungsregion in bestimmten charakteristischen Verteilungen vor. Die Wissenschaftler interessieren sich für Meteoriten, die wenigstens zu einem Teil aus Metall bestanden haben. Sie gelten unter Forschern als Überreste von noch größeren Himmelskörpern. Diese müssen bei ihrer Bildung innerhalb unseres Sonnensystems zumindest zeitweise so warm gewesen sein, dass sich bei ihnen ein metallischer Kern - wie der unserer Erde - geformt hat.

Beim Einschlag auf der Erde versorgten die kosmischen Altmetallfrachter dann die Erdkruste mit genau den Elementen, die diese zuvor an den Kern verloren hatte. Und nur deswegen, so könnte man Schmidts Forschungsergebnisse vereinfacht formulieren, gibt es Sonnenbrille, Dreiwegekatalysator und Ehering. Auf dem Mars sollen übrigens ähnliche Prozesse abgelaufen sein.

chs



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