Seltener Kragenhai gefangen Nur echt mit 300 Zähnen

Eigentlich lebt er weitgehend unbeobachtet in der Tiefsee - doch vor Portugal ist Wissenschaftlern jetzt ein Kragenhai ins Netz gegangen. Ein faszinierender Fang.

Marián Torres

Ein Hai mit so in etwa 300 Zähnen, gefischt in den Gewässern eines klassischen Urlaubsgebiets. Klingt bedrohlich? Ist es aber nicht. Und trotzdem ist der Fang portugiesischer Forscher etwas Besonderes. Bei dem Tier handelt es sich um einen seltenen Kragenhai. Das 1,5 Meter lange Tier wurde bei einer Forschungsexpedition vor Portimao an der Algarve in Portugal ans Tageslicht geholt - aus 700 Metern Tiefe.

Eigentlich arbeiteten die Wissenschaftler an Bord des Trawlers an einem EU-Projekt, um unerwünschten Beifang in der kommerziellen Fischerei zu verringern und höchstens als solchen bekommen Menschen den schlanken, an eine Schlange erinnernden Kragenhai eigentlich auch nur zu sehen. Und auch das nur sehr selten. Ein erster Fang ist im Jahr 1870 vor Japan dokumentiert, seitdem sind die Tiere nur sporadisch beobachtet worden. Filmaufnahmen existieren erst seit zehn Jahren.

Fotostrecke

3  Bilder
Kragenhai: Auge um Auge, Zahn um Zahn

Seinen Namen verdankt der Kragenhai seinen markanten Kiemenspalten. Davon hat er sechs Paar, deren Erscheinungsbild an eine Halskrause erinnert. Andere Haiarten verfügen nur über fünf Kiemenspalten.

"Lebendes Fossil"? Vielleicht, vielleicht auch nicht

Über das Leben der Kragenhaie ist nicht allzu viel bekannt. Nach allem was Forscher bisher wissen, ernähren sich die Tiere von Tintenfischen und anderen Kopffüßern, aber auch von Tiefsee-Knochenfischen. Und wenn man sich die markanten Zahnleisten ansieht, scheint klar: Beutetiere, die einmal vom Kragenhai geschnappt worden sind, dürften kein leichtes Entkommen haben.

In manchen Veröffentlichungen wird der Kragenhai als "lebendes Fossil" bezeichnet. Das liegt daran, dass es eine Ähnlichkeit seiner Zähne mit denen bestimmter fossiler Haiarten gibt, die vor 80 Millionen und mehr Jahren lebten. Doch ob der Kragenhai tatsächlich mit diesen Tieren verwandt ist, lässt sich derzeit nicht sagen.

chs

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.