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Das Krater-Rätsel: Schlund in der Taiga

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Loch in Sibirien Mysteriöser Krater enthält hohe Methan-Konzentration

Das Rätsel um den Krater in Sibirien scheint gelöst: Messungen haben den Verdacht erhärtet, dass eine Methanexplosion das Loch in die Erde gerissen hat. Und es ist nicht das einzige.

War es ein Meteoriteneinschlag? Oder gar die Landung Außerirdischer? Das Video, das am 10. Juli auf YouTube veröffentlicht wurde und seitdem mehr als neun Millionen Mal angesehen wurde, ließ bunte Theorien gedeihen: Zu sehen war ein gigantisches Loch auf der abgelegenen sibirischen Halbinsel Jamal - so kreisrund und mit so glatten Wänden, als hätte sich ein riesiger Bohrer in das Erdreich gefressen.

Die Meteoriten- und Ufo-Theorien mussten allerdings schnell hinter eine etwas weniger spektakuläre Erklärung zurücktreten: Ein Gasaustritt, vermuteten Wissenschaftler, könnte das Loch verursacht haben. Das scheint sich nun zu bestätigen. Russische Forscher haben die Luft am Boden des Kraters untersucht und eine Methankonzentration von fast zehn Prozent gemessen, berichtet das Fachmagazin "Nature" auf seiner Webseite . Normalerweise liege der Anteil des Gases an der Luft bei nur 0,000179 Prozent.

Andrej Plechanow vom Zentrum für arktische Studien in Salechard vermutet, dass die ungewöhnlich heißen Sommer von 2012 und 2013 die Ursache sein könnten. Der Permafrostboden sei aufgetaut und kollabiert und habe damit das im Untergrund eingeschlossene Methan freigesetzt, das dann irgendwann mit Macht durch die Erdoberfläche schoss.

Methanhydrate finden sich zwar üblicherweise erst ab Tiefen von 100 Metern, doch das könnte durchaus zu dem Krater passen. Plechanow sagte zu "Nature", man habe eine Kamera an einem 50 Meter langen Seil in den Krater hinabgelassen, ohne dass sie den Boden berührt habe. Videoaufnahmen legten nahe, dass bei einer Tiefe von 70 Metern Wasser stehe. Wie weit es von dort aus noch bis zum Grund des Lochs sei, wisse man nicht.

Um letzte Sicherheit über die Kraterursache zu erhalten, müsste man die Methankonzentration in der Luft messen, die in den Kraterwänden eingeschlossen sei, sagte Plechanow. Das aber könnte sich schwierig gestalten: "Die Wände schmelzen und fallen in den Krater." Man könne hören, wie Erdschollen in die Tiefe fielen. "Das ist schon ein bisschen unheimlich."

Zwei weitere Krater entdeckt

Andere Forscher glauben, dass auch die langfristige Erwärmung durch den Klimawandel eine Rolle spielen könnte. "Nature" zitiert den Geochemiker Hans-Wolfgang Hubberten vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven mit der Aussage, in den vergangenen 20 Jahren habe sich der Permafrost in einer Tiefe von 20 Metern um rund zwei Grad erwärmt. Auf der Halbinsel Jamal könnte eine dicke Eisschicht das Methan, das so freigesetzt wurde, eine Weile zurückgehalten haben. Der Druck sei immer weiter gestiegen, bis das Gas sich explosiv seinen Weg durch die darüber liegenden Schichten gebahnt und den Krater geformt habe.

Laut Larry Hinzman, Permafrost-Hydrologe von der University of Alaska in Fairbanks, könnten solche Ereignisse in Zukunft öfter vorkommen, da der Permafrostboden großflächig auftaue. Neue Berichte von der Halbinsel Jamal scheinen ihm Recht zu geben: Die "Siberian Times" berichtete, dass zwei weitere Krater entdeckt  wurden, die dem ersten stark ähnelten, auch wenn sie mit Durchmessern von etwa 13 und fünf Metern deutlich kleiner seien.

Wissenschaftler sehen in Methanfreisetzungen durch auftauenden Permafrost nicht nur die Gefahr eines galoppierenden Klimawandels, da Methan ein hochwirksames Treibhausgas ist. Es bestehe auch eine unmittelbare Bedrohung für die Menschen in den betroffenen Gebieten, sagte Plechanow. Der große Krater liege nur etwa 30 Kilometer vom Gasförderfeld Bowanenkowskoje entfernt. "Falls es dort oder in einem Dorf zu einer Freisetzung kommt, könnte es zu einem Unfall kommen", so der Forscher.

Hinzman schlägt nun vor, Bohrungen vorzunehmen. "Wenn man wüsste, wo sich Methan anstaut, könnte man den Druck ablassen und das Gas vielleicht sogar nutzen."

mbe

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