Kuh-Nachwuchs Mehr Milch für Mädchen
Im Angesicht der Milchkuh: Weiblicher Nachwuchs wird besser versorgt
Foto: Peter Kneffel/ picture-alliance/ dpaKühe produzieren mehr Milch, wenn sie weiblichen Nachwuchs erwarten. Vermutlich stellten Hormone weiblicher Föten die Milchdrüsen der Mutter auf höhere Leistung ein, berichten US-Forscher im Fachblatt "PLoS ONE" . Die gezielte Zeugung weiblicher Tiere durch künstliche Befruchtung könne die Produktionsmengen von Milchbauern erheblich steigern.
Die Forscher um Barry Bradford von der Kansas State University in Manhattan (US-Staat Kansas) haben knapp 2,4 Millionen Trächtigkeiten von 1,5 Millionen Holstein-Milchkühen in den USA untersucht. Ihre Analyse zeigt, dass bei erstmals trächtigen Kühen weibliche Kälber das Brustgewebe der Mutter auf höhere Leistung zu programmieren scheinen. Dann bekomme später auch männlicher Nachwuchs mehr Milch als etwa ein erstgeborener Bulle. Die Milchproduktion einer Kuh in zwei aufeinanderfolgenden Schwangerschaften sei um 445 Kilo höher, wenn sie zuerst ein weibliches Kalb zur Welt gebracht habe.
Milchmenge steigt bei stabilem Nährgehalt
Ein im Mutterleib heranwachsendes Kalb könne die Milchmenge dann noch zusätzlich erhöhen, wenn die Mutter während der Trächtigkeit bereits ein Kalb säuge, berichten die Forscher weiter. Die Qualität der Milch, etwa Protein- oder Fettgehalt, werde vom Geschlecht des Nachwuchses allerdings nicht verändert.
Vermutlich schicke ein weiblicher Fötus andere Hormone in den mütterlichen Blutkreislauf als ein männlicher, schreiben die Wissenschaftler. Diese Botenstoffe beeinflussten dann die milchproduzierenden Zellen in den Brustdrüsen der Mutter. Denkbar sei auch, dass die bessere Versorgung des weiblichen Nachwuchses eine evolutionäre Anpassung sei, damit die Kühe schneller heranwachsen und selbst Nachwuchs bekommen könnten.
Die Milchwirtschaft könnte demnach über die Auswahl weiblicher Samenzellen und künstliche Befruchtung gezielt den Anteil von weiblichem Nachwuchs in der ersten Schwangerschaft erhöhen. Ohne Berücksichtigung der Kosten für diese Technologie könnten die US-Milchbauern so ungefähr 200 Millionen US-Dollar mehr Gewinn machen, berechneten die Forscher. Interessant sei dies vor allem für Biolandwirte, da diese Art der Produktionssteigerung gemäß der Richtlinien erlaubt sei.