Kultur Wissen verbreitet sich bei Schimpanse und Mensch gleich

Die Weitergabe von wichtigen Fähigkeiten über Generationen hinweg gilt als entscheidend für den evolutionären Erfolg der Menschheit. Doch auch bei Schimpansen ist dies offenbar weit verbreitet. Beide Gruppen setzen auf das gleiche Muster.

Angeln nach Ameisen: Kulturtechniken wie diese geben Schimpansen an ihre Artgenossen weiter
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Angeln nach Ameisen: Kulturtechniken wie diese geben Schimpansen an ihre Artgenossen weiter


Bei der Entwicklung von Kulturtechniken gibt es erstaunliche Parallelen zwischen Menschen und Schimpansen. Sie teilen einen bestimmten Mechanismus, wie sie Kulturtechniken weitergeben, darunter Sprache ebenso wie Tricks zur Nahrungsbeschaffung.

In diesen gemeinsamen Mustern unterschieden sich Menschen und Schimpansen eindeutig von anderen Arten wie Orang-Utans, berichtet ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Ihr Ergebnis werten die Forscher als einen Hinweis darauf, dass bereits der letzte gemeinsame Vorfahr von Schimpanse und Mensch Kulturtechniken auf diese Art weitergeben konnte.

Die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten über Generationen hinweg gilt als entscheidender Faktor für den evolutionären Erfolg der Menschheit. Doch auch bei Schimpansen ist dies offenbar weit verbreitet. Die Tiere bringen einander bei, Werkzeuge geschickt einzusetzen. Lernbereit sind sie jedoch nur, wenn ihre eigene Strategie nicht aufgeht.

Von Ameisenangeln bis Korbflechten

In den vergangenen Jahrtausenden haben räumlich getrennte Menschengruppen eigene Kulturen entwickelt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Beispielsweise beeinflussen die Lebensumgebung und die Bevölkerungsgröße die unterschiedliche Entwicklung. Diese Fähigkeiten werden auch zwischen Gruppen ausgetauscht und weitergegeben.

Die Wissenschaftler um Jason Kamilar von der Midwestern University in Glendale stellten fest, dass dieser Mechanismus bei Schimpansen ganz ähnlich funktioniert. Sie hatten die Weitergabe kultureller Vielfalt bei indigenen Völkern in Nordamerika und Neu Guinea sowie bei Schimpansen- und Orang-Utan-Populationen untersucht.

Dabei analysierten sie beispielsweise, wie Schimpansen einander beibrachten, bestimmte Werkzeuge zu gebrauchen - etwa Stöckchen, mit denen sie nach Ameisen angeln, oder Steine, mit denen sie Nüsse knacken. Bei den indigenen Völkern standen Kulturtechniken wie das Korbflechten und Töpfern im Mittelpunkt der Studie.

che/dpa



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