Kurioser Winzling Wasserwanze musiziert in Rekordlautstärke

Ein kleines Insekt fasziniert Biologen: Die Wasserwanze zirpt extrem laut. Berechnet man die Körpergröße mit ein, schlägt das Tierchen sogar Wale, Singvögel und Grillen. Wie die Winzlinge so viel Krach machen können, ist den Forschern noch ein Rätsel.

Micronecta scholtzi: Zirpen in Rekordlautstärke
PLoS One

Micronecta scholtzi: Zirpen in Rekordlautstärke


Nur gut zwei Millimeter misst ein Männchen der Art Micronecta scholtzi. Doch die kleinen Insekten können unter Wasser erstaunlich laute Töne von sich geben. Ihre Lieder, mit denen sie um Weibchen werben, hören am Bach- oder Seeufer spazierende Menschen problemlos; die Tierchen werden deshalb auch als Wasserzikaden bezeichnet. Französische und schottische Forscher haben nun festgestellt: Setzt man die produzierte Lautstärke in Bezug zur Körpergröße, schlägt M. scholtzi alle 227 Arten, mit denen die Wissenschaftler die Wanzen verglichen haben.

Wie Jérôme Sueur vom Naturkundemuseum in Paris und seine Kollegen im Fachmagazin "PLoS ONE" berichten, ist die Kommunikation vieler an Land und im Wasser lebender Tiere schon gut erforscht. Jedoch bestehen aus ihrer Sicht noch Wissenslücken bei in Süßwasser lebenden Arten, wozu auch die nun studierten Ruderwanzen zählen.

Für ihr Experiment sammelten die Forscher einige Insekten in einem Fluss und einem See ein. In kleinen Tanks maßen sie anschließend die Lautstärke der von den Männchen produzierten Geräusche mit Hilfe von unter Wasser angebrachten Hydrophonen. Ihr Zirpen kann demnach von der Lautstärke her problemlos mit lautem Telefonklingeln oder Autohupen mithalten.

Die Lautstärke des von M. scholtzi produzierten Zirpens verglichen die Forscher anschließend mit der von Kommunikationssignalen unterschiedlichster Tierarten - darunter Amsel, Waldkauz, Nilpferd, Schwertwal, Elefant, Gottesanbeterin und Feldgrille. Dazu waren einige Berechnungen nötig, um etwa die Begebenheiten an Land und unter Wasser vergleichbar zu machen und um Schalldruck und Körpergröße in Bezug zu setzen.

Am Ende zeigte sich: Viele Tiere können zwar noch deutlich lauter sein als die Wasserwanzen. Dennoch stehen die Winzlinge einsam an der Spitze, sobald die Körperlänge Teil der Gleichung ist, in der auch der Schalldruck eine Rolle spielte. Der Durchschnitt aller 228 Arten lag nach dieser Berechnung bei einem Wert von 6,9. Micronecta scholtzi brachte es auf 31,5. Der zweite in der Liste ist der Pistolenkrebs Synalpheus parneomeris mit 19,6.

Wieso die Wasserwanze so laut zirpen kann, darüber können die Biologen derzeit nur rätseln. Denn das Insekt ist so klein, dass eine Untersuchung sehr schwer is. Bisher wissen die Forscher, dass Wanzen einen Teil ihrer Genitalien über eine Kante im achten Segment ihres Hinterleibs reiben. Der Bereich, mit dem sie Geräusche erzeugen, misst den Angaben zufolge nicht mehr als 50 Mikrometer und die Wanze verfügt auch nicht über offensichtliche Resonanzräume, welche die Töne verstärken könnten. Ein Teil ihres Unterleibs ist wahrscheinlich von Luft umgeben, die sich in feinen Härchen verfängt, wenn die Insekten abtauchen - das würde die Akustik auf jeden Fall beeinflussen.

Einen Hinweis auf ihre Lebensumstände gibt indes der laute Gesang: Das Verhalten kann sich nur durchgesetzt haben, wenn es keine Raubtiere gibt, die durch das Zirpen die Wanzen lokalisieren und angreifen. Oder aber wenn die lärmenden Wanzen extrem gut darin sind, solchen Feinden trotzdem zu entkommen.

wbr



insgesamt 2 Beiträge
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fahrgast07 20.06.2011
1. Flohsprünge, Hundejahre und ähnlicher Unsinn
Schalldruckpegel auf die Körperlänge umrechnen - das ist jetzt nicht Ihr Ernst? Warum nicht auf die Oberfläche oder aufs Volumen? Und was ist eigentlich mit dem Schall-Medium Wasser, dass doch immer die gleichen Eigenschaften hat, sprich sich nicht umrechnen lässt? Das erinnert an den Unfug, ein Elefant könne über einen Wolkenkratzer springen, wenn er so toll wie ein Floh wäre. Oder die Umrechnung von "Menschenjahren" in "Hundejahre". Und warum baut man Autos nicht so robust wie Spielzeugauts, dann gingen sie bei Unfällen nicht mehr kaputt. Sowas sind nette Spielchen im Kindergarten - aber wissenschaftlich ist es einfach Kokolores. Warum kann man die Faszination von Wissenschaft und Natur nicht einfach genießen, ohne Geschwurbel dazuzudichten?
l/d 20.06.2011
2. ?
"Warum kann man die Faszination von Wissenschaft und Natur nicht einfach genießen, ohne Geschwurbel dazuzudichten?" @ fahrgast07 Weil der normale Mensch das Erstaunliche an der Natur erst an sinnfälligen Vergleichen erkennt und nicht an einer Zahl und einer Einheit dahinter. Dass die Foschund nicht in mm pro Dezibel rechnet, davon können Sie ausgehen. Laute Töne mit kleiner Ursache sind z.B. durch positive Interferenz möglich - eine Art akustischer Freakwave, wenn der Vergleich gestattet ist :-) Gruss l/d
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