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Katastrophe in Italien: Das Beben von L'Aquila

Foto: ALESSANDRO BIANCHI/ REUTERS

L'Aquila-Katastrophe Gericht spricht verurteilte Erdbebenforscher frei

Es war ein Schock für Wissenschaftler in aller Welt: Ein Gericht verurteilte sieben Forscher zu Haftstrafen, weil sie das Erdbeben von L'Aquila nicht vorhergesagt hatten. Jetzt sind die Experten in zweiter Instanz freigesprochen worden.

L'Aquila - Mehr als fünf Jahre nach dem verheerenden Erdbeben von L'Aquila mit mehr als 300 Toten sind sieben Experten in zweiter Instanz freigesprochen worden. Das entschied ein Berufungsgericht in der mittelitalienischen Stadt am Montagnachmittag, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Das neue Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In einem ersten Verfahren waren die Fachleute im Oktober 2012 zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der Vorwurf: Sie hätten "ungenaue, unvollständige und widersprüchliche" Aussagen darüber getroffen, ob die kleineren Erdstöße in den Wochen vor dem großen Beben Grundlage für eine konkrete Warnung sein sollten.

Die Verurteilten waren Mitglieder der sogenannten Risikokommission. In den Wochen vor dem Beben vom 6. April 2009 hatte es viele leichte Erschütterungen gegeben, weshalb die Kommission sechs Tage vor dem Beben getagt hatte. Die Experten erklärten nach dem Treffen, es bestehe kein erhöhtes Beben-Risiko. Sie handelten damit im Einklang mit dem Stand der Wissenschaft: Erdbeben lassen sich nicht vorhersagen. Regelmäßiges Bodenzittern sei in der Region normal, hatten die Forscher erklärt - auch das ist eine unbestreitbare Tatsache. Auf Gefahrenkarten ist die Region als stark erdbebengefährdet eingestuft, L'Aquila leuchtet auf ihnen krebsrot .

Der Richterspruch hatte seinerzeit heftige Empörung in der Fachwelt ausgelöst. Forscher und Verteidigung hatten darauf hingewiesen, dass es bislang nicht möglich sei, größere Erdbeben präzise vorherzusagen. Von einem "skandalösen Urteil" war die Rede. Zudem warnten Forscher davor, dass Experten sich künftig aus Angst vor juristischen Folgen gar nicht mehr über die Risiken von Erdbeben äußern würden. Die Folgen eines solchen Schweigens könnten aber besonders in Italien beträchtlich sein, da das Land sowohl von Erdbeben als auch von Vulkanen bedroht ist.

Das Erdbeben von L'Aquila hatte laut unterschiedlichen Messungen eine Stärke von 5,8 bis 6,3. Neben mehr als 300 Todesopfern gab es über 1600 Verletzte und rund 50.000 Obdachlose. In der 70.000-Einwohner-Stadt L'Aquila - etwas mehr als hundert Kilometer von Rom entfernt - wurden mehr als 10.000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. Ganze Wohnblocks stürzten ein. Im historischen Stadtkern mit seinen barocken Palazzi und Kirchen blieben von vielen Bauten nur Trümmerberge.

mbe/dpa