La Réunion Feuerberg bringt Fischen den Hitzetod

Einer der aktivsten Vulkane der Welt auf La Réunion rumort und spuckt seit letztem Sommer. In den vergangenen Tagen floss immer mehr Lava in den Indischen Ozean - und brachte teils unbekannte Meeresbewohner an die Oberfläche, wenngleich tot. Für Forscher sind Vulkan und Fische ein Glücksfall.


Bisher sind nur Meeresbewohner dem Vulkan zum Opfer gefallen - und das könnte sogar ein Glücksfall für die Wissenschaft sein. Das bunte Durcheinander von silbernen und grauen, roten und rosa Fischen, welches das Aquarium von Saint-Gilles auf der Insel La Réunion ausstellt, lässt ahnen, welchen außergewöhnlichen Einblick Meeresforscher in die Fauna der Küstengewässer der Insel hier erlangen können - wenngleich auf ungewöhnlichem Wege.

Die Fische starben den Hitzetod, weil glühende Lava das Wasser im Indischen Ozean örtlich stärker erhitzte, als sie es vertragen konnten. Nach Angaben des Aquariums sind einige Vertreter unbekannter Arten unter den Opfern des Vulkans - möglicherweise kommen sie gar aus großen Tiefen. Dort sind die Ökosysteme bis heute wenig erforscht.

Der Piton de la Fournaise hat den knapp 800.000 Einwohnern der Pazifikinsel La Réunion eine heiße erste Aprilhälfte beschert. Seit das Observatoire Volcanologique du Piton de La Fournaise (OVPDLF) am 30. März eine 9-stündige Eruption meldete, grummelt, speit und spuckt der mehr als 2600 Meter hohe Berg. Seit einem Ausbruch vom 30. August 2006 kommt der Feuerberg nicht zur Ruhe.

Glühender Strom Richtung Ozean

Anfang April erreichte die Austrittsgeschwindigkeit der Lava dann mit geschätzten 100 Kubikmetern pro Sekunde einen Wert, der auf La Réunion in den vergangen 20 bis 30 Jahren nicht beobachtet worden war, wie das US Geological Survey (USGS) meldete. Vergangene Woche stieß dann ein neuer, großer Lavafluss bis ans Meer vor, in welches das heiße Gestein sich dampfend entlud. In einem "Bulletin exceptionnel" über die Beobachtung des Feuerbergs vom heutigen Dienstag berichten die OVPDLF-Wissenschaftler um den Vulkanologen Thomas Staudacher: Nach wie vor registrierten die Messstationen starke, rhythmische Erschütterungen.

Der Piton de la Fournaise ist einer der größten und aktivsten Vulkane der Erde. Seit dem 17. Jahrhundert sind mehr als 150 Ausbrüche dokumentiert. Die Fülle an Daten und die häufigen Aktivitäten des Feuerbergs in der Gegenwart machen ihn zu einem idealen Forschungsobjekt. Exemplarisch führt er das Verhalten eines Schildvulkans vor - zu denen die größten Feuerberge auf der Erde gehören.

Die Insel La Réuion ist ein französisches Übersee-Departement und aufgrund seiner Lage östlich von Madagaskar die abgelegenste Region der EU.

stx



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