Satellitenbild der Woche Am See der Enttäuschung

Mitten in Zentrum von Australien liegt der Lake Disappointment. Sein Entdecker und Namensgeber erlebte einst eine heftige Enttäuschung am Ufer des Sees. Und die hatte mit dem Wasser zu tun.

Satelliten-Aufnahme vom Lake Disappointment
ESA

Satelliten-Aufnahme vom Lake Disappointment


Ein Salzsee - mitten in der Wüste, mitten in Australien: Es braucht nun wirklich nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie der Lake Disappointment (zu Deutsch: See der Enttäuschung) zu seinem Namen gekommen sein könnte.

Und tatsächlich sind die Assoziationen beim Namen in diesem Fall Realität: 1897 war der Viehzüchter und Entdecker Frank Hann in Pilbara unterwegs, einer Regionen im Nordwesten des Kontinents. Auf der Suche nach Wasser in der knochentrockenen und kargen Region keimte wohl Hoffnung in ihm auf, als er ein trockenes Flusstal fand. Er folge dem Lauf ins Landesinnere durch Dünenfelder und Sandebenen.

Irgendwann sah er dann tatsächlich einen riesigen See in einer gewaltigen Senke vor sich. Aber: Es war kein Süßwasser-, sondern ein Salzwassersee. Seine Enttäuschung muss auch für spätere Generationen noch so nachfühlbar gewesen sein, dass sich der Name, dem er dem Gewässer gab, bis heute gehalten hat: Lake Disappointment.

Doch ganz so trübe, wie es der Name vermuten lässt, ist die Lage an dem 160 Kilometer langen See nicht. Er ist Heimat von zahlreichen Wasservögeln, die hier brüten, zudem leben auch Fische im Wasser. Ganz anders als im extrem salzhaltigen Toten Meer im Jordangraben, wo nur wenige Algen und Bakterien zu finden sind.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Auch wirtschaftlich gibt der See der Enttäuschung etwas her. Seit vielen Jahren werden hier Kalisalze gefördert, die für die Düngemittelherstellung verwendet werden. Allerdings kam es zuvor zum Streit um Abbaulizenzen zwischen den hier lebenden Martu-Aborigines und einem Bergbauunternehmen, doch 2011 konnte man sich wohl einigen.

Das Bild hat einmal mehr der Esa-Satellit "Sentinel-2A" aus dem Copernicus-Programm gemacht, der dieser wöchentlichen Kolumne ein verlässlicher Lieferant von spannenden Aufnahmen ist. Es handelt sich um ein sogenanntes Falschfarbenbild - dabei verwenden Forscher gezielt Farben, die von den natürlichen abweichen, um bestimmte Daten besser oder überhaupt erst sichtbar zu machen.

Das Copernicus-Programm

Hier spiegeln die Unterschiede in den Blautönen im See die verschiedenen Wassertiefen wieder. Je dunkler das Blau ist, desto tiefer ist das Wasser. Unterschiedlich hohe Salzkonzentrationen dürften die weißlichen Farben an den Rändern des Sees erklären. Und die roten Stellen im Bild zeigen die karge Vegetation am Rand der Gibson-Wüste an, die hier beginnt.

Der Karlamilyi-Nationalpark, der größte und abgelegenste Nationalpark Westaustraliens, liegt nördlich des Sees. Der Park erstreckt sich über fast 13.000 Quadratkilometer zwischen der Great Sandy Desert und der Little Sandy Desert.

Nur Menschen sind hier, im Verwaltungsgebiet Shire of East Pilbara, kaum zu finden. 2017 wurden auf der etwa 380.000 Quadratkilometer großen Fläche nur knapp 12.000 Einwohner registriert.

joe

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