Landwirtschaft Vielen Milchkühen in Deutschland geht es schlecht

Eine Studie von Tierärzten stellt in Deutschland Mängel bei der Milchkuhhaltung fest. Manche Landwirte erkennen nicht einmal, dass ihre Tiere Hilfe brauchen.
Milchkühe auf einer Weide in Ostfriesland

Milchkühe auf einer Weide in Ostfriesland

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa / picture alliance

Um die Gesundheit von Milchkühen ist es in manchen landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland schlecht bestellt. Das geht aus einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover hervor. Demnach lahmen im Osten von Deutschland gut 40 Prozent der Tiere. Hier ist jede zweite bis dritte Kuh betroffen, schreiben die Forscher um Martina Hoedemaker in ihrem Bericht . In Nord- und Süddeutschland waren es jeweils rund 23 Prozent. Insgesamt seien aber in allen drei Regionen der Studie viele Fälle aufgetreten.

Das Ergebnis zeige, dass im Bereich der Gliedmaßengesundheit von Kühen eine große Herausforderung für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung bestehe, so die Forscher. Die Lahmheit geht meist auf Klauenerkrankungen zurück und zu lange Zeit, die zwischen dem Auftreten dieser Krankheiten und einer Behandlung vergeht. Derartige Erkrankungen schränken Kühe in ihrer Bewegungsfreiheit ein und verursachen ihnen meist länger anhaltende Schmerzen. Auffällig war, dass es einige Betriebe gab, die keine lahmen Kühe aufwiesen, während auf manchen Höfen sehr viele Tiere betroffen waren. Sowohl kleine als auch große Betriebe hatten lahme Tiere.

In Interviews mit den Landwirten zeigte sich, dass die Mehrheit der Bauern mit der Gesundheit ihrer Tiere zufrieden war und die Einschränkung womöglich nicht bemerkte. Die Veterinäre sehen deshalb großen Handlungsbedarf. In einigen Fällen liege ein tierschutzrelevantes Problem vor, wenn die Halter für keine entsprechende Behandlung der Kühe sorgten, heißt es. Die Forscher empfehlen, in Zukunft Schulungen für Viehhalter und Mitarbeiter landwirtschaftlicher Betriebe einzuführen, in denen sie lernen, lahme Kühe zu erkennen.

Das Problem ist in der Kuhhaltung schon länger bekannt. Im Durchschnitt leiden rund 25 Prozent aller Kühe daran, hatten frühere Untersuchungen gezeigt. Zu den Ursachen für die Klauenerkrankungen gehören auch schlechte Haltungsbedingungen – beispielsweise unhygienische oder enge Ställe, ungeeignete Böden mit Spalten oder zu kurze Liegezeiten der Tiere. Das zeigte sich auch in der Studie: Ostdeutsche Bauern, die ihre Tiere auf der Weide hielten, hatten nur etwas mehr als fünf Prozent lahme Kühe. Bei der Stallhaltung waren es dagegen über 40 Prozent. Die weiche Erde auf der Weide hat einen positiven Effekt auf die Milchkuhgesundheit. Deshalb sollten sich die Tiere regelmäßig im Freien bewegen, empfehlen die Forscher.

Auch bei der Fütterung zeigten sich Mängel. Das Silofutter, die sogenannte Silage, hatte häufiger nicht die angestrebte Qualität. Dieses durch Milchsäuregärung konservierte Futtermittel wird speziell für Wiederkäuer hergestellt und auf den Höfen gelagert. Aber bei jedem dritten Hof zeigten sich Spuren von Verderb. Hier müsse nachgebessert werden. Mängel fanden die Forscher auch bei der Zusammensetzung des Futters. 39 Prozent der Betriebe im Süden gaben den Tieren in Phasen, in denen sie nicht gemolken wurden, Futter mit einem niedrigeren Energiegehalt als empfohlen.

Bisher größte Studie zur Gesundheit von Milchkühen

Für die vom Bundesagrarministerium finanzierte Studie untersuchten die Forscher über drei Jahre lang 186.000 Rinder aus 765 Milchkuhbetrieben und befragten die Viehhalter. Erfasst wurden viele Indikatoren der Rindergesundheit, beispielsweise Infektionskrankheiten, Euter- oder Stoffwechselgesundheit oder die Fütterungen. Die Höfe lagen in der Region Nord in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, in der Region Ost in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt und in der Region Süd in Bayern. Beteiligt waren neben den Wissenschaftlern aus Hannover auch Experten der Freien Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

»Insgesamt gab es viele gut wirtschaftende Betriebe, aber leider auch einen beträchtlichen Anteil an Betrieben, in denen die verschiedenen Aspekte einer guten landwirtschaftlichen Praxis nicht eingehalten wurden, mit Konsequenzen für die Tiergesundheit«, schreiben die Forscher.

joe
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