Langzeitstudie Forscher lauern Säugetieren weltweit mit Fotofallen auf

420 Kameras haben Biologen in sieben Naturschutzgebieten der Erde aufgebaut. Von 2008 bis 2010 sind so 52.000 beeindruckende Aufnahmen von Säugetieren entstanden. Sie dokumentieren einen Verlust der Artenvielfalt vor allem in kleineren Waldgebieten.

AP/ Wildlife Conservation Society

Arlington/Berlin - Der Aufwand war gewaltig: Sieben Schutzgebiete in tropischen Regionen der Erde wählten die Forscher aus. In jedem bauten sie 60 Fotofallen auf, um zwei Jahre lang Säugetiere zu beobachten. 52.000 Aufnahmen machten die Apparate - und nun haben die Forscher um Jorge Ahumada eine Studie darüber im Fachblatt "Philosophical Transactions of the Royal Society" veröffentlicht.

105 verschiedene Säugetiere wurden von den über drei Kontinente verteilten Kameras erfasst. Das kleinste Tier, ein Opossum, wog gerade mal 26 Gramm. Das Schwerste, ein afrikanischer Elefant, brachte es auf knapp vier Tonnen. Beeindruckend sind auch Fotos von Pumas, Gorillas und Ameisenbären - siehe Fotostrecke.

Den Forschern ging es in der Fotofallenstudie jedoch nicht um hübsche Schnappschüsse allein. Das Hauptziel war, die Auswirkungen schwindender Lebensräume auf Artenvielfalt und die Variabilität von Körpergrößen zu untersuchen. Und die Auswertung der Fotos belegte, was die Biologen schon immer vermutet, aber im großen Maßstab bislang nur schlecht beweisen konnten: Je kleiner der Lebensraum, umso geringer sind auch Artenvielfalt und die Schwankungen der Körpergröße innerhalb einer Art.

"Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass die Zerstörung von Lebensräumen langsam aber sicher die Artenvielfalt von Säugetieren verringert", sagte Ahumada. Eine der wichtigsten Erkenntnisse sei, dass es auf Schutzgebiete ankomme. Je größer diese seien, umso besser sei dies für die Vielfalt der darin lebenden Tiere. Zudem habe sich gezeigt, dass beispielsweise Insektenfresser viel stärker durch immer kleinere Lebensräume unter Druck gerieten als Pflanzenfresser.

Hinter der Studie steht das Tropical Ecology Assessment and Monitoring (TEAM) Network - eine Kooperation mehrerer Umwelt- und Tierschutzorganisationen wie Conservation International und der Wildlife Conservation Society. Die 420 Fotofallen standen in folgenden sieben Waldgebieten:

  • Bwindi Impenetrable Forest (Uganda)
  • Udzungwa Mountains National Park (Tansania)
  • Bukit Barisan Selatan National Park (Indonesien)
  • Nam Kading National Protected Area (Laos)
  • Central Suriname Nature Reserve (Suriname)
  • Manaus (Brasilien)
  • Volcan Barva Transect (Costa Rica)

Um die Tiere ungestört beobachten zu können, verwendeten die Forscher keinen Blitz. Die Studie sei bahnbrechend, sagte Ahumada. Erstmals habe man vergleichbare Daten mehrerer Kontinente vorliegen. Nur so können man dokumentieren, was mit den Populationen geschehe.

hda



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