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Larsen-C-Schelfeis: Schwere Geburt

Foto: Jesse/ REX/ Shutterstock

Antarktis 175 Kilometer langer Eisberg bricht ab

Jetzt ist es passiert: Ein gigantischer Eisberg doppelt so groß wie das Saarland treibt im Meer vor der Antarktis. Die Masse hat sich vom Larsen-C-Schelfeis gelöst.

Das Kalben hatte sich lange angekündigt, immer länger geworden war der Riss durch das Larsen-C-Schelfeis in der Westantarktis. Nun hat sich der riesige Eisberg vollständig gelöst, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) mitteilt. Der Gigant ist ungefähr doppelt so groß wie das Saarland und hat eine Dicke von mehr als 100 Metern.

Der Eisberg treibe nun nach Norden. Es werde wohl zwei bis drei Jahre brauchen, bis er geschmolzen sei. Er ist mit 175 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 50 Kilometern einer der größten Eiskolosse, den Wissenschaftler in den vergangenen drei Jahrzehnten registriert haben. Eine Gefahr für Menschen gehe von dem 6000 Quadratkilometer großen Eisberg nicht aus. Der Bruch ereignete sich zwischen Montag und Mittwoch, teilte das Antarktis-Forschungsprojekt Midas mit .

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Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eismassen, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. Dass davon Eisberge abbrechen, man spricht auch von kalben, ist ein natürlicher Prozess.

Im Januar war der teils zickzackförmige Riss im Schelfeis Larsen C schon 175 Kilometer lang, dann tat sich zunächst nichts mehr. Im Mai wuchs der Riss dann und verzweigte sich. Im vergangenen Monat hatten sich die Berichte über das bevorstehende Ereignis gehäuft.

Durch das Abbrechen des Eisberges, der voraussichtlich den Namen A68 erhalten soll, verringerte sich die Fläche von Larsen C den Forschern zufolge um ein Zehntel. Larsen C ist das nördlichste und größte Eisschelf der Antarktis.

Für die Forscher ist weniger der Abbruch des Eisberges spannend als die Entwicklung des Schelfeises im Anschluss. In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien bereits sieben Schelfeise von insgesamt zwölf an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen, darunter Larsen A (1995) und sieben Jahre später Larsen B. Grund dafür sei vermutlich der Klimawandel, sagte die Glaziologin Daniela Jansen vom AWI.

Der nun abgebrochene Eisriese wird den Meeresspiegel kaum verändern, weil er ja zuvor bereits auf dem Wasser geschwommen ist. Die Frage ist, ob sich als Folge des Abbruchs in Zukunft der Fluss des Gletschereises von der Antarktis Richtung Meer beschleunigt. Falls dies geschieht, wäre das relevant für den Meeresspiegel.

brt/dpa/AFP
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