Lazarus-Effekt Plötzlich ist das Voeltzkow-Chamäleon wieder da

Das Voeltzkow-Chamäleon galt seit mehr als hundert Jahren als ausgestorben. Nun fanden Forscher die Tiere bei einer Expedition auf Madagaskar.
"Eintagsfliegen unter den Wirbeltieren": männliches Voeltzkow-Chamäleon

"Eintagsfliegen unter den Wirbeltieren": männliches Voeltzkow-Chamäleon

Foto: Frank Glaw / dpa

Das Verschwinden von immer mehr Tier- und Pflanzenarten sorgt Biologen. Allein mehr als 500 Landwirbeltiere sind laut einer Studie akut bedroht, manche Experten glauben, dass sich die Erde mitten in einem historischen Massensterben befindet. Das Sumatra-Nashorn oder den Stummelfußfrosch und den Buntbock – sie alle könnte es bald nicht mehr geben.

Doch manchmal taucht ein Tier wieder auf, das Experten schon längst abgeschrieben hatten. Sie prägten dafür einen schönen Begriff: Wenn Totgesagte wieder auftauchen, sprechen sie vom Lazarus-Effekt. Die Namensgebung geht auf die gleichnamige Figur aus der Bibel zurück, die von Jesus wieder zum Leben erweckt wurde.

Im Nordwesten Madagaskars sind Forscher nun Zeugen eines solchen Funds geworden. Mehr als hundert Jahre lang hatte kein Wissenschaftler mehr ein Voeltzkow-Chamäleon gesehen. Eine Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) spürte diese farbenprächtigen Tiere wieder auf. Die Wissenschaftler vermuten, dass Furcifer voeltzkowi, so die lateinische Bezeichnung, nur wenige Monate während der Regenzeit lebt.

Weibliche Voeltzkow-Chamäleons färben sich besonders prächtig, wenn sie unter Stress stehen, Männchen begegnen oder trächtig sind

Weibliche Voeltzkow-Chamäleons färben sich besonders prächtig, wenn sie unter Stress stehen, Männchen begegnen oder trächtig sind

Foto: Kathrin Glaw / dpa

"Diese Tiere sind gewissermaßen die Eintagsfliegen unter den Wirbeltieren" erläuterte Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der ZSM. "Daher muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um diese Chamäleons nachweisen zu können. Und das ist während der Regenzeit gar nicht so einfach, da viele Straßen dann nicht befahrbar sind. Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum das farbenfrohe Reptil so lange übersehen wurde."

Nach derzeitigem Kenntnisstand sei die Chamäleonart nicht akut vom Aussterben bedroht. Da viele Trockenwälder jedoch abgeholzt würden, verkleinere sich auch der Lebensraum dieser Art immer weiter. Bei ihrer Expedition fanden die Forscher erstmals Weibchen. Die Tiere färben sich besonders prächtig, wenn sie unter Stress stehen, Männchen begegnen oder trächtig sind. Die Studie zu den Funden erschien am Freitag in der Fachzeitschrift "Salamandra". 

Verschollene Arten gibt es überall auf der Welt. Um mehr über ihren Gefährdungszustand herauszufinden und sie vor dem Aussterben zu bewahren, hat die Naturschutzorganisation Global Wildlife Conservation im Jahr 2017 eine weltweite Initiative gestartet. Das Ziel ist es, die 25 am meisten gesuchten Arten aufzuspüren. Im Zuge dieses Programms wurde mit dem Voeltzkow-Chamäleon nun die sechste wiederentdeckt.

joe/dpa
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