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Tiger und Leoparden: Das langsame Sterben der Großkatzen

Foto: NOAH SEELAM/ AFP

Lebensraum-Prägung Wie Raubkatzen zu ihrem Fellmuster kommen

Manche Raubkatzen sind gefleckt, andere gestreift, die nächsten einfarbig. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass die Zeichnung des Raubkatzen-Fells davon abhängt, wie dicht der Lebensraum des Tiers bewachsen ist. Allerdings scheint das nicht der einzige Faktor zu sein.

Die typischen Zeichnungen einiger Katzenarten wirken auf den ersten Blick ausgesprochen auffällig. Doch wer schon einmal versucht hat, einen Leoparden in einem dicht bepflanzten Zoogehege zu entdecken, weiß: Die Fellzeichnung ist ein äußerst effektives Mittel, sich unsichtbar zu machen. In ihrem Lebensraum löst die Musterung die Konturen des Körpers optisch auf. Die Fellzeichnung lässt das Tier mit seiner Umgebung eins werden, damit ein potentielles Beutetier den Räuber erst so spät wie möglich entdeckt.

Eine Studie hat jetzt ergeben, dass eine sehr starke Musterung dabei besonders in dichter Vegetation sowie bei schwachem Licht effektiv zur Tarnung beiträgt. Dieser Zusammenhang gilt auch für dämmerungsaktive Katzenarten, die im Spiel von Licht und Schatten auf die Jagd gehen, berichten die Forscher um Will Allen von der University of Bristol im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" . Zu dieser Faustregel kamen die Wissenschaftler, nachdem sie Fellmuster von 35 Katzenarten miteinander verglichen und in Bezug zu den jeweiligen Lebensgewohnheiten der Tiere gesetzt hatten.

Dies biete auch eine Erklärung für das Phänomen, dass Leoparden getupft und auch als komplett schwarze Panther vorkommen: Anders als viele andere Katzenarten können Leoparden in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen - sowohl im offenen Grasland als auch in dichter Vegetation. Das hat nach Meinung der Wissenschaftler dazu geführt, dass die Veranlagungen zum typischen Leoparden-Muster sowie zur Einfarbigkeit bei dieser Tierart nebeneinander zu finden sind.

Die teilweise sehr unterschiedlichen Fellzeichnungen bei entwicklungsgeschichtlich nahen Verwandten lassen nach Angaben der Forscher auch einen Rückschluss auf die Evolutionsgeschichte der Katzen zu: In dem Moment, in dem eine Gruppe ein neues Territorium eroberte, passte sich das Aussehen ihres Fells offenbar sehr schnell an die jeweiligen Umweltbedingungen an.

Ähnliche Phänomene wurden auch schon bei ganz anderen Tierarten festgestellt. So haben Forscher bei Experimenten mit Guppys herausgefunden, dass sich das Punktmuster auf den Körpern der kleinen Fische innerhalb weniger Generationen verändern kann - je nachdem, ob sie in einem Aquarium mit einem Boden aus grobem oder feinem Sand leben und wie stark die Bedrohung durch Raubfische ist.

Allen und seine Kollegen räumen allerdings auch die Existenz von Ausnahmen ihrer Regel ein: Unklar bleibe beispielsweise, warum der Gepard ein Fleckenmuster entwickelt habe, obwohl er im offenen Grasland jagt. Auch der Hintergrund des charakteristischen Musters der Tiger bleibt mysteriös: Warum diese Raubkatzen ausgerechnet Streifen besitzen, andere Katzenarten dieses Muster hingegen gar nicht entwickelt haben, können die Forscher bisher nicht beantworten.

mbe/dapd
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