Leguane Damen mit Bart sind unbeliebt, aber in der Mehrzahl

Eigentlich setzt sich in der Evolution durch, was beim anderen Geschlecht beliebt ist. Bei weiblichen Zaunleguanen gilt ein feminines Äußeres als besonders attraktiv. Dennoch tragen drei von vier Leguandamen männliche Merkmale.

Echter Kerl: Dieser Zaunleguan trägt die typische blaue Halsfärbung (Archiv)
DPA/ Langkilde lab/ Penn State University

Echter Kerl: Dieser Zaunleguan trägt die typische blaue Halsfärbung (Archiv)


Es ist so eindeutig wie paradox: Männliche Zaunleguane meiden Weibchen, die männliche Züge tragen, sie bevorzugen bei ihren Partnerinnen ein klar feminines Aussehen. Dies haben zwei US-Forscherinnen von der Pennsylvania State University herausgefunden. Die weniger femininen Weibchen müssen nicht nur häufiger mit einer Abfuhr klarkommen, sie produzieren auch leichtere Gelege und das auch noch zu einem ungünstigen Zeitpunkt, schreiben die Wissenschaftlerinnen im Fachblatt "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Männliche Züge bestehen bei den Zaunleguanen (Sceloporus undulatus) etwa aus einer stärkeren Körperbehaarung oder einer eher männlichen Körperfärbung. So haben einige Weibchen eine blau gefärbte Kehle, die eigentlich den Männchen zugeschrieben wird. Die Färbung, deren Entstehung von dem Sexualhormon Testosteron abhängt, ist allerdings blasser und bedeckt kleinere Bereiche.

Im Experiment entschieden sich männliche Zaunleguane häufiger für ein Weibchen ohne Färbung - also die weiblichere Variante. Eine nachvollziehbare Wahl, für die allerdings mehrere Ursachen in Frage kommen, so die Autorinnen: "Verwechseln sie die bärtigen Ladys mit Männchen oder sind die bärtigen Ladys irgendwie weniger fit und aus diesem Grund weniger attraktiv für die Männchen?"

Was steckt hinter der Attraktivität?

Um das herauszufinden, untersuchten die Forscherinnen einige Aspekte der Fortpflanzung etwas genauer. Sie fanden heraus, dass die Gelege der Weibchen mit männlichen Merkmalen weniger wogen und darüber hinaus etwa 13 Tage später gelegt wurden. Vermutlich hätten die Eier weniger Dotter, wodurch dem Nachwuchs weniger Nährstoffe zur Verfügung stünden.

Die spätere Eiablage sei ungünstig, weil der Nachwuchs dementsprechend später schlüpfe und somit weniger Zeit habe, sich auf die kräftezehrende Winterruhe vorzubereiten. Das bedeutet aus Sicht der Männchen: Wer seine Gene erfolgreich vererben will, setzt besser auf ein weibliches Weibchen.

Das Paradoxe daran: Laut der Studie tragen etwa drei Viertel aller Weibchen in einer Zaunleguan-Population derzeit männliche Züge. Möglicherweise werde sich das aber im Verlauf der weiteren Evolution ändern, spekulieren die Wissenschaftlerinnen. Es sei denkbar, dass aufgrund der Vorlieben der Männchen in einigen Generationen die femininen Weibchen die Oberhand über ihre Schwestern gewännen. Dann würden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlicher hervortreten.

Genauso sei aber denkbar, dass die männlich gefärbten Ladys irgendeinen derzeit unbekannten Überlebensvorteil besitzen, der die Nachteile ihres Aussehens ausgleiche. Vielleicht sind sie aufgrund eines höheren Testosterongehalts aggressiver und können Räuber oder Konkurrenten besser vertreiben, so die Autorinnen der Studie. Vielleicht seien sie auch sexuell aggressiver und zeugten so letztlich mehr Nachkommen als die femininen Weibchen.

che/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Ariwer 06.11.2013
1. Das wäre doch
mal ein interessanter Ansatz die Genderforschung zu reformieren (oder besser abzuschaffen). Schließlich sind wir doch alle Kinder der Natur, oder?
caecilia_metella 06.11.2013
2. Überlebensstrategie
Schnecken können solche Fragen noch besser beantworten. Sie können in jungen Jahren männliche und in älteren weibliche Funktionen erfüllen. Fortpflanzung - Sex und die Schnecken - Wissen - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/wissen/fortpflanzung-sex-und-die-schnecken-1.108268)
Martin Ingebrand 06.11.2013
3. Behaarung?
Männliche Züge bestehen bei den Zaunleguanen (Sceloporus undulatus)etwa aus einer stärkeren Körperbehaarung .. Leguane haben überhaupt keine Haare. Haare kommen streng genommen nur bei den Haartieren, also den Säugetieren, vor.
lexik 06.11.2013
4. Nicht ungewöhnlich
Evolution trennt nicht sauber nach Vor- und Nachteilen. Benachteiligungen in der Fortpflanzung können kompensiert werden, vereinzelte Vorteile "verdünnen" sich häufig wieder nach wenigen Generationen. Um einer kompletten Spezies eine Änderung aufzuprägen braucht es mehr. Isolation einiger weniger Individuen ist zum Beispiel ein starker Evolutionsmotor. Ein anderer Faktor ist die Genetik selbst. Wenn zum Beispiel der Einfluss, der bei dem Leguanweibchen einen Bart wachsen lässt, genetisch vererbt würde und dominant wäre (keine Ahnung ob das so ist), hätten die rezessiv-attraktiven Weibchen kaum eine Chance, sich durchzusetzen. Viel wichtiger ist jedoch, dass es keine Rolle spielt, wie viele Männchen ein Weibchen attraktiv finden, solange es mindestens einige gibt, welche das tun. Bei den meisten Spezies hat es keinen Einfluss auf die Zahl des Nachwuchses, ob sich ein Weibchen nun von einem oder einhundert Männchen begatten lässt. Dazu kommen noch die Möglichkeiten noch unbekannter Nachteile der femininen Weibchen gegenüber den eher maskulinen, die schon im Artikel erwähnt wurden.
Thagdal 06.11.2013
5.
Oder genau das ist der Grund für die 5%-10% homosexuellen in vielen Arten. Die Weibchen mit männlichen Merkmalen finden einen Partner, der auf eben diese Merkmale steht (und vice versa). Menschen haben sich durch sexuelle Selektion nun eben so entwickelt, dass zu dieser Neigung nur noch Menschen des selben Geschlechts passen.
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