Tintenfische Lebensgefährliches Liebesspiel

Sex kann tödliche Folgen haben: Das Liebesspiel von Tintenfischen dauert drei Stunden. Anschließend sind die Tiere so erschöpft, dass sie kaum mehr schwimmen können - in dieser Phase sind sie leichte Beute.

Zwergtintenfische bei der Paarung: Nach dem dreistündigen Liebesakt sind beide erschöpft.
Corbis

Zwergtintenfische bei der Paarung: Nach dem dreistündigen Liebesakt sind beide erschöpft.

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Melbourne - Tintenfische sind in vielerlei Hinsicht intelligent. Beim Sex allerdings riskieren sie regelmäßig ihr Leben: Die Tiere verausgaben sich dabei so sehr, dass sie anschließend kaum mehr Kraft zum Schwimmen haben. Rund eine halbe Stunde brauchen sie, um sich zu erholen, berichten Forscher von der Universität Melbourne im Fachmagazin "Biology Letters". In der Regenerationsphase seien die Tintenfische dann leichte Beute für Fressfeinde.

Um zu untersuchen, wie stark das Schwimmvermögen von Tintenfischen nach dem Sex eingeschränkt ist, haben die Wissenschaftler 47 Zwergtintenfische (Euprymna tasmanica) gefangen. 30 davon setzten sie paarweise in Boxen, 17 Tiere dienten als Kontrollgruppe. Dann stupsten die Forscher die Tiere in regelmäßigen Abständen an - vor und nach dem Sex - und notierten, wie lange diese schwammen. Die Ergebnisse verglichen sie mit der Schwimmleistung der enthaltsamen Kontrollgruppe. Ergebnis: Nach der Kopulation hielten sich die Tintenfische nur noch halb so lange schwimmend im Wasser wie vor dem Sex.

Kein Wunder, denn das Liebesspiel der Zwergtintenfische ist anstregend: Bis zu drei Stunden lang dauert der Akt. Die Männchen klammern sich dabei an ihr Weibchen und blasen Wasser in deren Mantel. Gleichzeitig wechseln sie ihre Farbe und stoßen Tinte aus. Beide Geschlechter büßen gleich viel Schwimmvermögen ein.

Das wunderte die Forscher: "Wir haben erwartet, dass der Akt die Männchen stärker beeinträchtigt, als die Weibchen. Schließlich sind sie viel aktiver." Dass die weiblichen Zwergtintenfische trotzdem schlapp waren, könnte an ihrer Position beim Sex liegen: Die einengende Stellung verhindere möglicherweise, dass ausreichend Sauerstoff zu ihren Kiemen vordringt.

Tintenfische sind beliebte Forschungsobjekte

"Ein derartig energieaufwändiges Paarungsritual wie das der Zwergtintenfische kann die Abwehr von Feinden, die Nahrungssuche und den Energiehaushalt negativ beeinflussen", schreiben die Wissenschaftler. Deshalb sei es essentiell, die Folgen des Sexualverhaltens der Tiere zu quantifizieren. "Das hilft die Evolution des Sexualverhaltens der Tiere, wie etwa die Fruchtbarkeit der Weibchen und die Paarungsfrequenz, zu erklären."

Zwergtintenfische sind etwas kleiner als echte Tintenfische (Sepien) und besitzen keine Sepiaschale; trotzdem sind die Spezies eng verwandt. Da die Tiere häufig den Partner wechseln und meist weniger als ein Jahr lang leben, können Forscher in kurzer Zeit analysieren, wie sich das Sexualverhalten auf die Lebenserwartung auswirkt.

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