Artensterben Leopoldina-Naturforscher fordern höhere Fleischpreise

Die Naturforscher-Akademie Leopoldina gibt Deutschland eine Mitschuld am Artensterben. Die Experten fordern höhere Steuern für Fleisch und Milch, eine radikale Agrarwende und mehr internationalen Urwaldschutz.
Schlachthaus der Firma Tönnies

Schlachthaus der Firma Tönnies

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina warnt vor den dramatischen Folgen des Artensterbens. In einem Diskussionspapier zur Biodiversität, das dem SPIEGEL vorliegt, fordern die Wissenschaftler höhere Preise für Fleisch und Milchprodukte, eine tiefgreifende Agrarwende sowie die "Einpreisung des ökologischen Fußabdrucks" bei Konsumgütern, um den Verfall der Artenvielfalt zu stoppen. Deutschland sei durch die Importe von Soja als Futtermittel für die "Rodung von etwa einer Million Hektar Tropenwald indirekt verantwortlich", kritisieren die Gelehrten.

"Die Bundesregierung muss erkennen, dass Biodiversität und die Bewahrung der Lebensgrundlagen der Menschheit untrennbar miteinander zusammenhängen", sagt Detlev Drenckhahn, einer der Autoren des Papiers und ehemaliger Stiftungsratsvorsitzender des World Wide Fund for Nature gegenüber dem SPIEGEL. 80 Prozent des Biodiversitätsverlusts seien der intensiven Landwirtschaft geschuldet, so die Experten. Vor allem die Fleisch- und Milchproduktion belaste die Biosphäre. Die Mehrwertsteuer für Fleisch solle deshalb von derzeit sieben auf 19 Prozent angehoben werden. Falls der Fleischkonsum dennoch nicht sinke, fordern die Forscher zusätzlich eine CO2-Bepreisung oder einen Emissionshandel für Fleisch- und Milchprodukte.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Es wäre ein anderes Deutschland, grüner, vielfältiger, ein Land mit Mooren, Tümpeln und Wiesen, mit Hecken und Brachen, mit Totholz in den Laubwäldern und murmelnden Bächen, die durch die wilde Landschaft mäandern.

Nur noch die Hälfte an Pestiziden und weniger Dünger käme auf die Felder. Die Bauern hätten weniger Tiere im Stall, gerade so viele, wie die eigene Krume auch ernähren kann. Fleisch und Milch wären teurer. Aber sie kämen von Rindern, die kein Soja aus Übersee fräßen.

Schul- und Betriebskantinen kredenzten mehr vegetarische Gerichte; Köchinnen und Köche würden entsprechend ausgebildet. Und weniger Lebensmittel würden in diesem Land weggeworfen. Dafür gäbe es wieder mehr Wildnis; schillernde Schmetterlinge, summende Bienen und ­jubilierende Vögel vor der Haustür.

Ein solches Deutschland ist keine Spinnerei grüner Weltverbesserer. Biologen, Mediziner, Ökonomen und Ökosystem­forscher haben diese Vision im Namen der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina entworfen, einer der ältesten naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtengesellschaften der Welt.

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