Leuchten und Klicken Motten passen Warnung dem Feind an

Gerät eine Motte ins Visier eines Vogels oder einer Fledermaus, ist es meist um das Insekt geschehen. Manche Motten aber haben eine raffinierte Abwehrstrategie entwickelt: Sie sind so gefärbt, dass ihre Feinde es mit der Angst zu tun bekommen.


Bärenspinner sind keine besonders leckere Mahlzeit für Vögel und Fledermäuse, mitunter sind sie sogar giftig. Sind sie aber erst einmal gefressen, nützt den Motten dies nur noch wenig - weshalb sie mit Warnsignalen auf ihre Ungenießbarkeit hinweisen. Biologen haben jetzt herausgefunden, dass sich diese Signale unterscheiden - je nachdem, ob die Hauptfressfeinde Vögel oder Fledermäuse sind.

Bärenspinner: Färbungen und Klickgeräusche warnen unterschiedliche Fressfeinde
Nature

Bärenspinner: Färbungen und Klickgeräusche warnen unterschiedliche Fressfeinde

John Ratcliffe von der Universität Süddänemark in Odense und Marie Nydam von der Cornell University in Ithaca haben 26 Bärenspinner-Arten untersucht, die in einer nördlichen Region Kanadas vorkommen. Dabei stellte sich heraus, dass Motten, die im Frühjahr leben und damit vor allem Vögel als Fressfeinde haben, meist auffällig und damit abschreckend gefärbt sind. Damit sind sie zwar für Vögel gut sichtbar, werden jedoch nicht gefressen, da die Vögel verdächtig aussehende Nahrung meiden.

Dagegen haben Motten, die im Juli und August vorkommen, meist eine unauffällige Färbung. Doch viele von ihnen geben Klickgeräusche im Ultraschallbereich ab, die für Fledermäuse gut wahrnehmbar sind, schreiben Ratcliffe und Nydam im Fachmagazin "Nature" (Bd. 455, S. 96). Fledermäuse sind demnach genau zu dieser Jahreszeit am aktivsten und meiden Motten, die die warnenden Geräusche von sich geben.

Auf ähnliche Weise seien die Warnsignale der verschiedenen Bärenspinner auch an ihren Tag-Nacht-Rhythmus angepasst: Wer tagsüber aktiv ist, hat eine eher auffällige Färbung, während vor allem nachtaktive Bärenspinner Klickgeräusche von sich geben.

Frühere Theorien besagen, dass Motten verschiedene Warnsignale abgeben, damit ein einzelner Fressfeind besser lernt, sie als Beute zu meiden. Ihre Ergebnisse sprächen jedoch gegen diese Theorie, schreiben Ratcliffe und Nydam. Stattdessen deuteten sie darauf hin, dass sich die Warnsignale im Lauf der Evolution als Antwort auf mehrere Verfolgerarten herausgebildet hätten.

mbe/ddp

Hinweis: An dieser Stelle war zuvor von Tigermotten die Rede. Dabei handelte es sich um eine fehlerhafte Übersetzung des englischen Begriffs "tiger moth". Der Begriff Tigermotte existiert zwar auch im Deutschen, war in diesem Zusammenhang aber nicht treffend



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