Liebesspiel in der Tiefsee Kalmar beeindruckt mit Riesen-Penis

Gigantismus im Genitalbereich: Wie paaren sich Tiefsee-Kalmare trotz ihres hinderlichen Körpermantels, fragten sich Forscher. Nun scheint klar: Mit einem langen Penis überwinden die Männchen die Widrigkeiten der Anatomie.

DPA

London - Britische Forscher auf den Falklandinseln haben einen Tiefsee-Kalmar entdeckt, der mit seinem Geschlechtsorgan für Schlagzeilen sorgt - und dabei normalerweise ganz unscheinbar daherkommt.

Als Forscher um Alexander Arkhipkin vom Fischereiministerium der Falklandinseln ein frisch gefangenes Exemplar der Art Onykia ingens untersuchten, wuchs dessen zunächst unscheinbarer Penis nämlich auf eine Länge von 67 Zentimetern an. Damit war das Geschlechtsorgan im erigierten Zustand fast genauso lang wie der Kalmar selbst, berichten die Wissenschaftler im "Journal of Molluscan Studies".

Die Entdeckung gibt neue Einblicke in das Paarungsverhalten der Tiefseemollusken, wie Arkhipkin der BBC erklärte. Bei allen Kopffüßern ist die Körperform hinderlich für die Paarung. Der Mantel der Tiere beherbergt die Sexualorgane. Spermien müssen also zum einen den Mantelbereich der männlichen Tiere verlassen, zum anderen denjenigen der weiblichen Exemplare dauerhaft erreichen.

Viele Kalmare und Tintenfische im flacheren Wasser haben daher einen Paarungsarm, mit dem sie Spermien durch die Haut des Weibchens schießen. Den Tiefsee-Kalmaren fehlt dieser modifizierte Arm jedoch. Die Forscher rätselten, wie diesen Tieren die Paarung in den Tiefen der Ozeane überhaupt gelingt. Der stark verlängerte Penis sei die offensichtliche Lösung dieses Problems, sagte Arkhipkin.

Gigantismus muss nicht immer von Vorteil sein, wie das Beispiel der Gemeinen Seepocke beweist. Bei dieser Krebsart kann das Geschlechtsorgan zwar bis zu achtmal länger ausfallen als der ganze Körper. Aber bei rauer See haben Exemplare mit einem kurzen Penis trotzdem bessere Chancen, ihre Partner zu befruchten. Kollegen mit langem Gemächt fahren das nämlich bei starkem Wellengang gar nicht erst aus - um zu vermeiden, dass ihr bestes Stück abbricht.

chs/dpa



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