Auswilderungsprojekt Luchse kehren in die Pfalz zurück

Einst hatte der Mensch den Luchs in deutschen Wäldern ausgerottet, jetzt sollen sie in der Pfalz wieder heimisch werden. Doch die Raubtiere sind extrem empfindlich - die Sterblichkeit ist hoch.
Luchs bei der Auswilderung bei Waldleiningen (Rheinland-Pfalz)

Luchs bei der Auswilderung bei Waldleiningen (Rheinland-Pfalz)

Foto: DPA/ NABU/ Siegfried Schuch

Die erste Erkenntnis hat das Auswilderungsprojekt bereits nach wenigen Sekunden gebracht: Kaja, Luna und Lucky sind extrem flink. Kaum in der neuen Heimat angekommen, sind die drei Luchse schon zwischen den Bäumen des Pfälzerwalds verschwunden.

Kurz zuvor hatten Vertreter der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz die beiden Weibchen und das Männchen aus der Slowakei nach Rheinland-Pfalz gebracht. Die Katzen sind sozusagen Pioniere, die in den kommenden Jahren für Nachwuchs sorgen sollen. Nach der Ausrottung durch den Menschen seien die Tiere nun eine Bereicherung für die Natur, sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Dass es sich bei den scheuen Tieren nicht etwa um Schmusekatzen handelt, wurde durch das laute Knurren deutlich, das aus den drei Käfigen drang. Fürchten muss der Mensch die extrem scheue Art aber nicht.

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Harz: Luchs-Auswilderung

Foto: DPA/ Nationalpark Harz

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 70 Luchse, schätzt der Naturschutzbund (Nabu). Das letzte Auswilderungsprojekt im Harz liegt schon 14 Jahre zurück.

Luchse sind jedoch sehr empfindliche Tiere sind. So sterben etwa 50 Prozent schon bei der Geburt. Von den überlebenden Tieren gehen wiederum 50 Prozent in jungen Jahren zugrunde.

In den kommenden sechs Jahren sollen insgesamt 20 Luchse aus den Karpaten und der Schweiz gefangen und im Pfälzerwald ausgewildert werden, sagte Stiftungsgeschäftsführer Jochen Krebühl. Wenn alles klappt und sich die anmutigen Tiere fortpflanzen, werde sich das auch auf das ökologische Gleichgewicht auswirken.

Wanderkorridore bis nach Frankreich

Vor allem Schalenwild stehe auf dem Speiseplan der Katzen, die so groß wie ein Schäferhund werden können. "Die Rehe dürften in unserer Region einen Beuteanteil von etwa 90 Prozent ausmachen", sagt Krebühl. Insofern sorge der Luchs dafür, dass sich schwache Tiere nicht weiter vermehren.

Der Pfälzerwald gilt aber nicht nur wegen seines Reichtums an Beutetieren als gut geeignet für die Wiederansiedlung der Luchse. Dort dürften auch wichtige Wanderkorridore entstehen, die wiederum ins Nachbarland Frankreich führen. Um diese Wege zu erforschen, haben die Katzen Halsbänder angelegt bekommen, die via GPS-Ortung Aufschluss über ihr Bewegungsprofil geben. Ausgewertet werden die Daten von Wissenschaftlern.

Gefördert wird das 2,7 Millionen teure Projekt vor allem von der Europäischen Union aber auch vom Land. Auch bei der Namensfindung für die drei ausgewilderten Luchse wurde länderübergreifend gearbeitet: Grundschulkinder aus Rheinland-Pfalz und Lothringen hatten die Namen ausgesucht.

Von Stephen Wolf, dpa